Bauwesen: 97% CO2-Einsparung durch Wiederverwendung von Betonteilen
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bauwesen steht vor einer technologischen Wende hin zur Kreislaufwirtschaft, die insbesondere im Bereich der Ressourceneffizienz neue Maßstäbe setzt. Ein zentrales Pilotprojekt für diese Entwicklung feierte am Donnerstag in Kolkwitz einen wichtigen Etappenerfolg: Für den sogenannten ReUse Hub wurde das Richtfest begangen.
Bei dem Vorhaben handelt es sich um einen Erweiterungsbau, der konsequent auf die Wiederverwendung bereits genutzter Bauelemente setzt und damit die praktische Anwendbarkeit von Refurbishing-Strategien im Immobiliensektor demonstriert.
Kreislaufwirtschaft durch gebrauchte Betonkomponenten
Der Neubau in Kolkwitz dient als Erweiterung eines bestehenden Vereinshauses, das bereits in seiner ursprünglichen Form aus 80 Betonplatten errichtet worden war. Für den aktuellen Anbau wurden insgesamt 60 gebrauchte Betonplatten verwendet. Diese Bauelemente weisen beachtliche Dimensionen auf: Die Platten sind bis zu sechs Meter lang und erreichen ein Eigengewicht von bis zu sechs Tonnen.
Die technische Umsetzung und die wissenschaftliche Begleitung des Projekts liegen in den Händen der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Unter der Leitung von Prof. Mettke wurden Verfahren entwickelt, die den Rückbau und die anschließende Wiedereingliederung solcher massiven Bauteile in neue Konstruktionen ermöglichen.
Die Arbeiten in Kolkwitz sind dabei in das EU-weite Forschungsprojekt „ReCreate“ eingebettet, welches die Wiederverwendung von Betonbauteilen auf internationaler Ebene vorantreiben soll.
Ökologische Bilanz und wirtschaftliche Förderung
Die Relevanz solcher Projekte für die ökologische Transformation der Wirtschaft und die Einhaltung von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) ist erheblich.
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Daten aus dem ReCreate-Projekt belegen das Potenzial dieser Bauweise: Im Vergleich zur Produktion neuer Betonelemente lässt sich durch die Wiederverwendung eine CO2-Einsparung von bis zu 97 Prozent erzielen. Damit bietet das Verfahren eine Antwort auf die drängenden Fragen des Klimaschutzes in einer Branche, die traditionell für einen hohen Ressourcenverbrauch und signifikante Emissionen verantwortlich ist.
Neben den ökologischen Vorteilen wird das Projekt auch als wichtiger Baustein für die regionale Entwicklung betrachtet. Die Finanzierung des Vorhabens wird maßgeblich durch öffentliche Mittel unterstützt. Bereits im April wurden für den ReUse Hub Strukturstärkungsmittel in Höhe von mehr als 521.000 Euro bewilligt.
Diese Förderung unterstreicht die Bedeutung von Innovationsprojekten für den Strukturwandel in der Region und zeigt auf, wie öffentliche Investitionen den Übergang zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen beschleunigen können.
Bedeutung für das Corporate Sustainability Management
Für Unternehmen und Organisationen liefert das Projekt in Kolkwitz wichtige Erkenntnisse für das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement. Die erfolgreiche Integration von Refurbishing-Prozessen in physische Infrastrukturprojekte verdeutlicht, dass zirkuläre Ansätze über theoretische Konzepte hinausgewachsen sind.
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Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und lokaler Anwendung demonstriert zudem, wie Fachwissen im Bereich der Nachhaltigkeit zur praktischen Wertschöpfung beitragen kann.
Mit dem Erreichen des Richtfests ist ein wesentlicher Schritt zur Fertigstellung des ReUse Hubs getan. Das Projekt dient nun als Referenz für künftige Bauvorhaben, bei denen die ökologische Bilanz und die Zweitverwertung von Materialien im Fokus stehen. Experten sehen in derartigen Ansätzen eine notwendige Weiterentwicklung, um die Bauwirtschaft langfristig klimaneutral zu gestalten und die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu reduzieren.
