Bauturbo: Nur 8 Prozent der Wohnungsunternehmen nutzen das neue Verfahren
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 22:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Umfrage des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW aus dem September 2026 offenbart eine verhaltene Bilanz beim sogenannten Bauturbo: Lediglich 8 Prozent der sozial orientierten Wohnungsunternehmen haben das gesetzliche Instrument bislang in einem konkreten Genehmigungsverfahren angewendet.
Demgegenüber gaben 92 Prozent an, den Bauturbo noch nicht genutzt zu haben. Zwar verkürzt das Verfahren die behördlichen Bearbeitungszeiten deutlich, greift angesichts hoher Baukosten und Finanzierungshürden jedoch bislang nur punktuell.
Signifikante Beschleunigung bei geringer Nutzung
Kommt das Verfahren zum Einsatz, zeigt sich ein spürbarer Beschleunigungseffekt. Nach Angaben des GdW liegt die durchschnittliche Genehmigungsdauer bei drei Monaten, was einer rechnerischen Beschleunigung von im Schnitt 13 Monaten entspricht.
Dennoch blicken viele Wohnungsunternehmen zögerlich auf künftige Projekte: Nur 31 Prozent der befragten Unternehmen planen eine weitere Nutzung des Instruments, während 48 Prozent diesbezüglich noch unentschlossen sind.
GdW-Präsident Axel Gedaschko verwies darauf, dass eine Baugenehmigung allein noch kein bezahlbares Zuhause schaffe. Solange sich solche Projekte wirtschaftlich nicht umsetzen ließen, bleibe das politische Versprechen unerfüllt. Für das Jahr 2026 drohe bei den Neubauinvestitionen sozial orientierter Unternehmen ein Einbruch um fast 26 Prozent.
Wer sich mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Immobilien befasst, sollte auch die steuerlichen Spielräume kennen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie durch Abschreibungen Ihre Liquidität verbessern und Steuersparpotenziale optimal nutzen können. Kostenlosen Ratgeber zur Steueroptimierung herunterladen
Um gegenzusteuern, fordert der GdW unter anderem verlässliche und dauerhaft niedrige Förderzinsen, geringere Baukosten, die Einführung des Gebäudetyps E sowie verbindliche Fast-Lane-Konzepte und digitalisierte Verwaltungsverfahren.
Zudem wandte sich Gedaschko an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und mahnte an, dass ein rein auf Landnutzung fokussierter Blick zu kurz greife; nötig sei eine Gesamtschau auf die Rahmenbedingungen.
Ministerium verweist auf Modellkommunen und Potenzial
Bundesbauministerin Verena Hubertz zog am 3. November 2026 eine Bilanz der seit dem 30. Oktober 2025 geltenden Neuregelung, die es Kommunen ermöglicht, von Bebauungsplan-Vorgaben abzuweichen. Das Instrument ermögliche Verfahren, die bis zu 20-mal schneller seien, und solle Genehmigungen künftig binnen drei Monaten sichern. Das Ministerium schätzt das jährliche Entlastungsvolumen auf 2,5 Milliarden Euro.
Eine freiwillige Erhebung des Bundesbauministeriums unter 393 der bundesweit knapp 11.000 Kommunen ergab für das erste Halbjahr 2026 Zustimmungen für 7.892 Wohnungen. In 72 Prozent dieser befragten Kommunen wurde über entsprechende Anträge verhandelt. Rund 88 Prozent der zugestimmten Einheiten sollen auf bereits genutzten Flächen realisiert werden.
Als Modellkommunen fungieren neben Trier auch Städte wie München, Frankfurt, Duisburg, Kiel, Ratingen, Rüdersdorf sowie der Landkreis Nienburg. Allerdings betont das Ministerium selbst, dass diese Erhebung nicht repräsentativ ist und eine Zustimmung noch keine Baugenehmigung darstellt.
Angesichts steigender Kosten wird eine präzise Einschätzung der Marktlage für Immobilienbesitzer immer wichtiger. Erhalten Sie mit diesem Gratis-Report eine aktuelle Analyse der Mietpreise und erfahren Sie, wie Sie Ihre Erträge rechtssicher kalkulieren. Mietspiegel-Analyse 2026 jetzt gratis anfordern
Hohe Zinsen und Baukosten bremsen Neubau
Die Zurückhaltung der Bauherren fällt in eine anhaltende Branchenkrise. Wie Berechnungen des Ifo-Instituts zeigen, sind die Bauzinsen seit 2021 von rund 1 Prozent auf über 4 Prozent gestiegen, während die Baupreise seit Ende 2019 um mehr als 50 Prozent anzogen.
Für 2026 prognostiziert das Institut lediglich 185.000 fertiggestellte Neubauwohnungen – nach 206.600 im Jahr 2025 wäre dies der niedrigste Stand seit 15 Jahren. Für 2027 und 2028 werden jeweils 195.000 Einheiten erwartet. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen klagen laut Ifo-Institut über Auftragsmangel, rund 13 Prozent verzeichnen Stornierungen.
Auch Branchenvertreter wie der Bauindustrieverband Ost bewerten die Zwischenbilanz gespalten. Zwar erleichtere der Bauturbo die Nachverdichtung in Ballungsräumen wie Berlin, Leipzig oder Dresden, im ländlichen Raum seien jedoch weiterhin die Finanzierungskonditionen das zentrale Hemmnis.
Ein Managementberater gab zudem zu bedenken, dass der Wohnungsmarkt angespannt bleibe, solange zwischen Bescheid und tatsächlicher Fertigstellung mehr als zwei Jahre vergehen.
