Bauträgerpleiten: Insolvenzen steigen binnen drei Jahren um 119 Prozent
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 14:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Zahl der Bauträgerinsolvenzen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren drastisch erhöht. Dies belegt eine Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos im Auftrag des Bauherren-Schutzbunds (BSB), über die am 5. November 2026 berichtet wurde.
Demnach kletterten die Insolvenzen von Bauträgern zwischen 2022 und 2025 von 141 auf 309 Fälle, was einem Zuwachs von 119 Prozent entspricht. Als ein wesentlicher Auslöser für die zunehmende Schieflage in der Baubranche gilt die Zinswende, da der Zinsanstieg im Jahr 2022 einsetzte.
Höhere Verbindlichkeiten belasten die Bauwirtschaft
Neben der reinen Fallzahl zeigt die Auswertung eine deutliche Zunahme bei den finanziellen Dimensionen der Zusammenbrüche. Für den Zeitraum von 2022 bis 2025 lagen die Verbindlichkeiten je Insolvenzfall im Durchschnitt 82 Prozent höher als noch in den Jahren 2018 bis 2021.
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Zudem gerieten zunehmend größere Marktteilnehmer in Schwierigkeiten: Der Anteil der Insolvenzfälle mit Verbindlichkeiten von mindestens 7,5 Millionen Euro belief sich im Jahr 2025 auf rund 14 Prozent. Bis zum Jahr 2022 hatte dieser Wert lediglich bei rund 5 Prozent gelegen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass nicht mehr vorrangig kleine Betriebe betroffen sind, sondern vermehrt Projekte mit erheblichem Finanzierungsvolumen scheitern.
Umfassendere Erfassung als in amtlichen Statistiken
Die Prognos-Analyse basiert auf Auswertungen der Plattform North Data und zeichnet ein umfassenderes Bild als die amtliche Erfassung. Für den gesamten Zeitraum von 2018 bis 2025 erfasst die Untersuchung insgesamt 1.414 Bauträgerinsolvenzen. Damit liegt dieser Wert rund 20 Prozent über den Vergleichszahlen der Statistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Die Diskrepanz weist darauf hin, dass die tatsächliche Belastung der Branche über den amtlich geführten Zahlen liegen dürfte.
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Verbraucherschützer fordern Reformen
Angesichts der steigenden Ausfallrisiken verweist der BSB auf den dringenden Reformbedarf zum Schutz privater Bauherren. Bei einer Bauträgerinsolvenz stehen Auftraggeber häufig vor unfertigen Bauprojekten und drohenden finanziellen Verlusten.
Der Bauherren-Schutzbund fordert deshalb die Einführung eines gesetzlichen Teilkündigungsrechts sowie eine verpflichtende Absicherung aller geleisteten Abschlagszahlungen, um private Erwerber vor den Folgen von Unternehmensinsolvenzen besser zu schützen.
