Bauträgerinsolvenzen, Zahl

Bauträgerinsolvenzen: Zahl steigt um 119 Prozent – Bauherren fordern Schutz

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie meldet mehr Bauträgerinsolvenzen und höhere Schulden; der Bauherren-Schutzbund verlangt besseren Schutz für Bauherren.
Eine verlassene, unfertige Baustelle mit Rohbau und Gerüsten vor einem trüben Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Ein geplanter Wohnungskauf in Rheinland-Pfalz hat für ein Luxemburger Ehepaar schwerwiegende finanzielle Folgen. Die Käufer investierten rund 600.000 Euro in eine Eigentumswohnung in Südlingen im Kreis Trier-Saarburg. Vorgesehen war der Einzug ursprünglich für Silvester 2023. Das Vorhaben ließ sich jedoch nicht realisieren, da das verantwortliche Bauunternehmen seit April 2026 insolvent ist.

Neben der ursprünglichen Kaufsumme leisteten die Betroffenen weitere Zahlungen. Im Jahr 2024 überwies das Ehepaar nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Euro für die Anschaffung von Sanitäranlagen, Parkett und Terrassendielen. Das bezahlte Material wurde den Käufern jedoch nie geliefert.

Neben der Baustelle in Südlingen zieht die Insolvenz des Bauträgers weitere Kreise: Auch ein zusätzliches Bauprojekt des Unternehmens in Traben-Trarbach ist von der Zahlungsunfähigkeit betroffen.

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Die Vorgänge rund um das Bauunternehmen beschäftigen inzwischen die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern führt Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Bauträgers. Im Raum stehen Vorwürfe wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Bankrott, Betrug sowie Verstoß gegen das Bauforderungssicherungsgesetz. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Der Fall aus Südlingen reiht sich in eine Entwicklung ein, die bundesweit zu beobachten ist. Laut einer Untersuchung der Prognos AG im Auftrag des Bauherren-Schutzbunds e.V. (BSB), die auf Daten von North Data basiert, stieg die Zahl der Bauträgerinsolvenzen in Deutschland von 141 Fällen im Jahr 2022 auf 309 Fälle im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg von 119 Prozent und damit mehr als einer Verdopplung.

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Die Auswertung erfasste für den Zeitraum von 2018 bis 2025 insgesamt 1.414 Insolvenzen und liegt damit um rund 20 Prozent über der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes.

Höhere Schulden belasten Bauvorhaben

Die Erhebung verdeutlicht zudem das wachsende finanzielle Ausmaß der Insolvenzen. Die Verbindlichkeiten je Fall lagen zwischen 2022 und 2025 im Durchschnitt um 82 Prozent höher als in den Jahren 2018 bis 2021. Während bis 2022 rund 5 Prozent der erfassten Fälle mit Verbindlichkeitsangaben Schulden von mindestens 7,5 Millionen Euro aufwiesen, stieg dieser Anteil im Jahr 2025 auf rund 14 Prozent. In Landkreisen, in denen sehr große Insolvenzen auftraten, ging die fertiggestellte Wohnfläche der Studie zufolge um rund 3 bis 5 Prozent zurück.

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Angesichts dieser Risiken für private Auftraggeber und Erwerber dringt der Bauherren-Schutzbund auf gesetzliche Nachbesserungen. Der Verband fordert unter anderem die Einführung eines Teilkündigungsrechts bei Bauverträgen sowie eine wirksamere rechtliche Absicherung von Abschlagszahlungen, um Bauherren vor finanziellen Totalverlusten im Falle einer Bauträgerpleite zu schützen.

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