Baukosten-Aktionsplan: Digitale Anträge ab 2028 Pflicht
19.06.2026 - 17:49:14 | boerse-global.de
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt einen Aktionsplan zur Senkung der Baukosten vorgestellt. Das 13-Punkte-Programm reagiert auf den massiven Rückgang der Fertigstellungszahlen und die gestiegenen Materialkosten.
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Digitalisierung wird Pflicht
Ein Kernpunkt: Ab 2028 sollen Bauanträge bundesweit nur noch digital möglich sein. Papieranträge bleiben nur in begründeten Härtefällen erlaubt. Zudem will das Ministerium die BIM-Methode (Building Information Modeling) stärker fördern – eine digitale Planungsmethode, die Kosten und Fehler reduzieren soll.
Die Bauleitplanverfahren sollen künftig auf maximal zwei Jahre befristet werden. Ein Bonus-System für serielles und modulares Bauen soll industrielle Fertigungsmethoden attraktiver machen.
Förderung wird gebündelt
Ab 2027 plant die Regierung, die bisherigen Neubauförderprogramme in einem zentralen Programm zusammenzufassen. Ziel: mehr Transparenz für Investoren. Steuerlich soll die degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) verlängert werden.
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnet vor: Mögliche Steuerausfälle von maximal 663 Millionen Euro durch eine Sonder-AfA stünden jährliche Einnahmen von rund 2,99 Milliarden Euro gegenüber. Kritisch: Ein aktuelles KfW-Programm (EH 55) läuft Ende Juni 2026 aus – die Branche fordert einen schnellen Finanzierungsimpuls.
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Gebäudetyp E kommt
Das Bundesjustizministerium arbeitet an einem Gesetzentwurf zum sogenannten Gebäudetyp E. Er soll es ermöglichen, rechtssicher von teuren Komfortstandards abzuweichen – solange die Sicherheit gewährleistet bleibt. Der Entwurf wird noch für 2026 erwartet, möglicherweise noch vor der Sommerpause.
Marktlage: Bedarf riesig, Fertigstellungen mau
Die Zahlen zeigen die Dringlichkeit: 2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 18 Prozent zum Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2012. Der jährliche Bedarf liegt bei 400.000 Einheiten. Zudem treibt der Iran-Krieg die Materialpreise weiter nach oben.
Immerhin: Das DIW prognostiziert für 2026 rund 225.000 Fertigstellungen – ein Plus von neun Prozent. Der Bauüberhang liegt bei über 430.000 Projekten.
Branche: Richtung stimmt, Tempo zu langsam
Die Bauverbände bewerten den Aktionsplan grundsätzlich positiv. Felix Pakleppa (ZDB) mahnt jedoch ein höheres Umsetzungstempo an. Auch Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie lobt die Stoßrichtung, fordert aber einen konkreten Umsetzungsplan.
