Baugerüste, Hessische

Baugerüste: Hessische Behörden starten Kontrollaktion ab 8. Juni

07.06.2026 - 17:11:22 | boerse-global.de

Nur jede fünfte Baustelle erfüllt Sicherheitsstandards bei Gerüsten. Hessen startet nun eine landesweite Kontrollwoche.

Hessische Behörden starten Großkontrolle von Baugerüsten
Baugerüste - Ein Bauarbeiter in Schutzkleidung prüft ein Baugerüst auf einer Baustelle. Fokus liegt auf Sicherheit und Unfallverhütung. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Regierungspräsidien Gießen, Darmstadt und Kassel führen vom 8. bis 12. Juni eine landesweite Kontrollaktion durch.

Die Maßnahme ist Teil der bundesweiten Aktionswoche der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA). Ziel: die Zahl der Arbeitsunfälle im Baugewerbe senken.

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Alarmierende Mängelquote

Der Handlungsbedarf ist enorm. Vorangegangene Kontrollen ergaben: Nur 21 Prozent der überprüften Baustellen erfüllten die Sicherheitsanforderungen an Gerüste vollständig. Bei der großen Mehrheit gab es Defizite.

Besonders im Fokus: Absturzunfälle. Sie zählen zu den gefährlichsten Risiken auf Baustellen. Laut Statistiken von 2009 bis 2023 gehen rund 31 Prozent aller schweren oder tödlichen Arbeitsunfälle auf Abstürze zurück.

Die Kontrollwoche soll die Einhaltung der Vorschriften direkt vor Ort einfordern. Gleichzeitig wollen die Behörden das Bewusstsein für Gefahrenquellen schärfen.

Neues Regelwerk für die Bauwirtschaft?

Erst im Mai 2026 feierte die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ihr 100-jähriges Bestehen. Branchenvertreter betonten damals: Das Regelwerk ist seit 1926 die Grundlage für Vergabe und Ausführung von Bauleistungen und hat Prozesse standardisiert.

Parallel zu den Kontrollen gibt es Bestrebungen, die Regularien zu lockern. Die hessische Kommission „Innovation im Bau“ legte kürzlich ein Eckpunktepapier mit 20 Vorschlägen vor. Diskutiert werden etwa Erleichterungen bei Aufstockungen, reduzierte Mindestabstände und ein befristeter Verzicht auf Stellplatzpflichten bis Ende 2030.

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In Niederösterreich trat bereits Anfang März eine geänderte Bauordnung in Kraft. Sie vereinfacht Sanierungen und Umbauten durch Lockerungen bei Abstandsflächen und Brandschutzvorgaben.

KI und Robotik auf dem Vormarsch

Neben personellen Kontrollen setzt die Branche zunehmend auf Technik. Unternehmen testen den Einsatz Künstlicher Intelligenz – etwa bei der Gesteinsanalyse oder automatisierten Vertragsprüfungen.

Roboter im Maler- und Gipserhandwerk haben laut Fachverbänden noch keine Serienreife erreicht. Anders sieht es bei vollhydraulischen Schnellwechselsystemen für Bagger aus. Sie werden bereits erfolgreich eingesetzt, um Stillstandszeiten bei Rückbauarbeiten zu minimieren.

Asbest und Recycling: ungelöste Probleme

Ein weiteres Sicherheitsthema bleibt der Umgang mit Schadstoffen. In Kaisersdorf im Burgenland führten Asbestfunde in Schottermaterialien auf einem Güterweg zu verstärkten Untersuchungen durch eine Taskforce.

Die deutsche Bauwirtschaft drängt zudem auf eine Novellierung der Ersatzbaustoffverordnung. Kritikpunkt: Mineralische Recycling-Baustoffe werden rechtlich weiterhin als Abfall eingestuft. Das erhöht den bürokratischen Aufwand bei der Wiederverwertung enorm.

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