Baugenehmigungen: 20.600 Wohnungen im August bewilligt
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 10:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrfamilienhäuser tragen den Anstieg
- Von Januar bis August genehmigten Behörden 90.600 Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern.
- Bei Zweifamilienhäusern stieg die Zahl der Bewilligungen um 21,7 Prozent.
- Ende 2025 lagen laut Baugewerbeverband rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis.
Deutschland genehmigt im August 20.600 Wohnungen
In Deutschland wurden im August deutlich mehr Wohnungen bewilligt als ein Jahr zuvor. Insgesamt genehmigten die Behörden 20.600 Wohnungen, 6,8 Prozent oder 1.300 mehr als im August des Vorjahres.
Der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen hält damit an, zugleich plant die Bundesregierung eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft mit Start im Jahr 2027.
Aufwärtstrend setzt sich fort
Von Januar bis August wurden Baugenehmigungen für 169.400 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt. Das entspricht einem Plus von gut 12 Prozent oder 18.300 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
In neu zu errichtenden Gebäuden wurden 137.500 Wohnungen bewilligt, 12,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Genehmigungen für Einfamilienhäuser stiegen um knapp acht Prozent, bei Zweifamilienhäusern gab es ein Plus von 21,7 Prozent.
Mehrfamilienhäuser besonders gefragt
In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig wichtigsten Gebäudeart, genehmigten die Behörden 90.600 Neubauwohnungen. Das waren 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die Entwicklung nährt die Hoffnung auf eine bessere Auftragslage im Wohnungsbau. Eine genehmigte Wohnung ist jedoch noch nicht gebaut: Ende 2025 lagen nach Angaben des Baugewerbeverbands rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis.
Höhere Zinsen bremsen die Erholung
Für Bauherren und Investoren verteuern sich die Finanzierungen. Die zehnjährigen Bauzinsen stiegen wegen Inflationssorgen über die Marke von 4 Prozent, während sich Materialien und Energie im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verteuerten.
Das Ifo-Institut registrierte im September eine wieder skeptischere Einschätzung der kommenden Monate im Wohnungsbau. Die Aussichten auf höhere Finanzierungskosten belasteten die Branche.
Bundesbaugesellschaft soll 2027 starten
Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte den Start einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft für 2027 an. Das Konzept soll im Herbst vorgestellt werden.
Der Bund soll 51 Prozent der Anteile halten, 49 Prozent sollen auf externe Partner entfallen. Vorgesehen ist keine neue Baufirma, sondern ein schlankes Konstrukt, das mit Unternehmen sowie kommunalen und landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeitet.
Mit größeren Aufträgen und dem AAA-Rating des Bundes sollen günstigere Finanzierungskonditionen erreicht werden. In Deutschland fehlen nach Schätzungen mehr als eine Million Wohnungen; im vergangenen Jahr wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, so wenige wie seit 2012 nicht mehr.
Die Genehmigungszahlen markieren eine Verbesserung gegenüber dem schwachen Vorjahresniveau, lösen das Wohnungsbauproblem aber noch nicht. Zwischen Januar und August wurden 169.400 Wohnungen genehmigt; zugleich wurden im vergangenen Jahr nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Genehmigungen bilden daher lediglich den Vorlauf für spätere Bauleistungen und hängen davon ab, ob Projekte finanziert und wirtschaftlich umgesetzt werden können.
Genehmigungen und Fertigstellungen
Besonders relevant ist der Zuwachs bei Mehrfamilienhäusern. Dort wurden im Zeitraum Januar bis August 90.600 Neubauwohnungen genehmigt, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für angespannte Mietmärkte in Städten zählt jedoch letztlich, wann diese Wohnungen tatsächlich bezugsfertig werden.
Die von Verena Hubertz angekündigte Bundesbaugesellschaft soll ab 2027 mit staatlicher Beteiligung und dem AAA-Rating des Bundes günstigere Finanzierungen und größere Aufträge ermöglichen. Das könnte die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte verbessern, ersetzt aber weder verfügbare Grundstücke noch Planungs- und Baukapazitäten.
Zinsen bleiben entscheidend
Die Finanzierung bleibt der zentrale Belastungsfaktor. Steigende Bauzinsen verteuern sowohl den Erwerb für private Haushalte als auch die Kalkulation privater und kommunaler Investoren. Eine aktuelle Analyse zum Mietmarkt hebt ebenfalls hervor, dass höhere Finanzierungskosten Neubauprojekte bremsen können, wenn Mieten die zusätzlichen Kosten nicht ausgleichen.
Für Wohnungssuchende bedeutet der Anstieg der Genehmigungen deshalb zunächst keine schnelle Entlastung. Entscheidend werden die Fertigstellungen, die Entwicklung der Zinsen und die konkrete Ausgestaltung der Bundesbaugesellschaft sein.
