Bau-Turbo: 393 Kommunen liefern erste Bilanz nach einem Jahr
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWohnungsbau wartet auf Umsetzung
- Der Bau-Turbo trat im Oktober 2025 in Kraft und soll Genehmigungen für Wohnungsbau erleichtern.
- Für das Monitoring antworteten 393 von fast 11.000 Kommunen; die Angaben gelten als nicht repräsentativ.
- Im vergangenen Jahr wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr.
Bau-Turbo soll Wohnungsbau beschleunigen
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sieht ein Jahr nach dem Start des Bau-Turbos erste positive Effekte, warnt aber vor einem langen Weg bis zu fertigen Wohnungen. Das Instrument soll bürokratische Hürden senken und Genehmigungen für Wohnungsbau schneller ermöglichen.
Kommunen nutzen das Instrument freiwillig
Der Bau-Turbo trat im Oktober 2025 in Kraft. Kommunen können damit unter bestimmten Voraussetzungen schneller von bisherigen Vorgaben abweichen; ihre Teilnahme ist freiwillig.
Für ein Monitoring meldeten sich 393 der insgesamt fast 11.000 Kommunen in Deutschland zurück. Das Bauministerium bezeichnet die Daten selbst als nicht repräsentativ und verfügt nach eigenen Angaben nicht über eine vollständige Übersicht zur Nutzung.
Erste Wohnungen wohl erst 2027
Hubertz sagte, die ersten Wohnungen, die mit dem Bau-Turbo ermöglicht oder beschleunigt würden, seien wahrscheinlich erst im kommenden Jahr fertig. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, doch der konkrete Anteil des Bau-Turbos daran ist nicht klar.
Genehmigungen führen zudem nicht automatisch zu Baustarts oder Fertigstellungen. Besonders die Finanzierung bleibt ein Problem, weil gestiegene Baukosten, höhere Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheiten neue Vorhaben erschweren.
Wohnungsmarkt bleibt angespannt
Nach Schätzungen fehlen in Deutschland etwa eine Million Wohnungen. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp.
2025 wurden bundesweit 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit fiel die Zahl der Fertigstellungen auf den niedrigsten Stand seit 2012.
Baukosten bremsen neue Projekte
Hubertz verwies darauf, dass die Baukosten durch mehrere Faktoren weiter gestiegen seien. Neben dem Abbau bürokratischer Hürden müsse sich die Politik deshalb intensiver mit den Kosten des Bauens beschäftigen.
Der Bau-Turbo setzt an einem zentralen Problem des deutschen Wohnungsmarktes an: Genehmigungsverfahren sollen schneller werden, während zugleich hohe Baukosten, Zinsen und fehlende Finanzierung viele Projekte bremsen. Die Maßnahme kann deshalb vor allem dort wirken, wo Baurecht und kommunale Verfahren das Haupthindernis darstellen.
Die bisherige Bilanz bleibt jedoch begrenzt aussagekräftig. Nur 393 von fast 11.000 Kommunen meldeten Daten zurück, zudem ist die Teilnahme freiwillig und die Erhebung nicht repräsentativ. Steigende Genehmigungszahlen im ersten Halbjahr 2026 lassen daher keinen eindeutigen Schluss zu, welcher Anteil auf den Bau-Turbo zurückgeht.
Vom Antrag zur fertigen Wohnung
Für Mieterinnen und Mieter entscheidet sich der Erfolg nicht an der Genehmigung, sondern an der tatsächlich fertiggestellten Wohnung. Nach Angaben aus der Meldung dürfte es bis 2027 dauern, bis erste Wohnungen entstehen, die auf das Instrument zurückgehen. Bis dahin bleibt der Effekt auf das Angebot begrenzt.
Die Größenordnung der Aufgabe ist erheblich: Im Vorjahr wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, zugleich wird der jährliche Bedarf auf mindestens 300.000 Einheiten geschätzt. Selbst ein funktionierender Bürokratieabbau kann diese Lücke nicht allein schließen, wenn Grundstücke, Personal, Baumaterialien und Kapital fehlen.
Bezahlbarer Wohnraum bleibt unter Druck
Für Wohnungssuchende in angespannten Märkten bedeutet das, dass kurzfristig kaum Entlastung zu erwarten ist. Langfristig kann der Bau-Turbo ein Baustein sein, wenn Kommunen ihn nutzen und genehmigte Vorhaben trotz hoher Kosten finanziert und umgesetzt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Neues Gutachten Wohnungsnot bremst Deutschlands Wirtschaft“ (02.11.2026)
Der Beitrag ordne den Wohnungsmangel als Belastung für Arbeitskräfte-Mobilität und Wirtschaft ein und verweise auf Forderungen nach stärkeren kommunalen Anreizen. Anders als die dpa-Meldung stelle er stärker die gesamtwirtschaftlichen Folgen und strukturelle Ursachen in den Mittelpunkt.
n-tv: „„Deutliche Dynamik“: Bauministerium: Bau-Turbo ist wirksam – Genehmigungen nehmen kontinuierlich zu“ (03.11.2026)
Der Artikel berichte über steigende Antrags- und Genehmigungszahlen sowie über Anträge in 72 Prozent und Genehmigungen in 57 Prozent der untersuchten Kommunen. Zugleich betone er die nicht repräsentative Rückmeldung und stelle der Maßnahme weiterhin eine große Lücke zwischen Bedarf und Fertigstellungen gegenüber.
Beide Beiträge bestätigten die Bedeutung des Wohnraummangels, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Während der eine die Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt hervorhebe, konzentriere sich der andere auf die erste Verwaltungsbilanz. Offen bleibe, wie viele genehmigte Vorhaben tatsächlich gebaut und wann sie fertig würden.
