Bau-Monitor, Wohnungsmangel

Bau-Monitor 2026: Wohnungsmangel kostet Fiskus 7 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Bau-Monitor 2026 beziffert das Wohnungsdefizit auf 1,35 Millionen Einheiten und zeigt wirtschaftliche Folgen trotz steigender Genehmigungen.

Pestel-Institut: Wohnraummangel kostet Deutschland Milliarden
Inaktive Baukräne auf einer Baustelle vor einem klaren Abendhimmel, davor gestapelte Baumaterialien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Pestel-Institut hat am 26. August 2026 den neuen Bau-Monitor 2026 vorgelegt und zeichnet darin ein kritisches Bild der aktuellen Wohnraumsituation in Deutschland. Den Berechnungen zufolge fehlen bundesweit aktuell rund 1,35 Millionen Wohnungen. Dieser Mangel hat demnach nicht nur soziale Auswirkungen, sondern belastet auch die Gesamtwirtschaft massiv: Das Institut beziffert den damit verbundenen Wohlstandsverlust auf mindestens 1 Prozent.

Massive Einbußen bei Umsatz und Steuereinnahmen

Die Krise im Wohnungsbau schlägt sich deutlich in den volkswirtschaftlichen Kennzahlen nieder. Wie aus der Untersuchung hervorgeht, wurden im Jahr 2025 bundesweit 84.600 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch im Jahr 2023. Dies entspricht einem Rückgang der neu geschaffenen Wohnfläche um über 9 Millionen Quadratmeter.

Für die Bauwirtschaft resultiert daraus ein Netto-Umsatzverlust von 26,9 Milliarden Euro. Diese Entwicklung bremst das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um schätzungsweise 0,6 Prozentpunkte.

Auch der Fiskus ist unmittelbar betroffen: Die Experten des Pestel-Instituts errechneten Steuerausfälle in Höhe von insgesamt 7 Milliarden Euro. Dieser Betrag setzt sich im Detail aus Mindereinnahmen bei der Umsatzsteuer von 5,1 Milliarden Euro sowie bei der Grunderwerbsteuer von 1,9 Milliarden Euro zusammen.

Regionale Schwerpunkte des Wohnungsmangels

Das Defizit an Wohnraum ist ungleich über das Bundesgebiet verteilt. Den höchsten Bedarf weist Nordrhein-Westfalen mit 364.000 fehlenden Wohnungen auf. Es folgen Bayern mit einer Lücke von 220.000 Einheiten und Baden-Württemberg, wo 201.000 Wohnungen fehlen. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg werden die Defizite auf 58.000 beziehungsweise 23.000 Einheiten beziffert.

Trotz der prekären Lage am Mietmarkt sind die Kosten für die Unterkunft (KdU) seit 2015 um 53 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg liegt deutlich über der allgemeinen Inflationsrate, die im selben Zeitraum ein Plus von 32 Prozent verzeichnete.

Baugenehmigungen steigen auf niedrigem Niveau

Ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer zeigt sich bei den Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026. Mit insgesamt 126.300 genehmigten Wohneinheiten verzeichnete die Branche einen Zuwachs von 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies stellt den stärksten Anstieg seit dem Jahr 2016 dar. Allein im Juni 2026 wurden 21.600 Genehmigungen erteilt, was einem Plus von 13,8 Prozent entspricht.

Anzeige

Während der Wohnungsbau stagniert, rücken andere Infrastrukturprojekte in den Fokus von Investoren. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie von den massiven Investitionen in Digitalisierung und Energie profitieren können. Drei Sektoren des neuen Bau-Booms entdecken

Allerdings erfolgt diese Erholung von einem historisch niedrigen Niveau aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden lediglich 106.700 Einheiten genehmigt, im Jahr 2025 waren es 109.800. Bei der Betrachtung der Gebäudearten zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 ein differenziertes Bild:
* Einfamilienhäuser: +12,7 Prozent (24.000 Genehmigungen)
* Zweifamilienhäuser: +27,3 Prozent (7.700 Genehmigungen)
* Mehrfamilienhäuser: +16,9 Prozent (67.000 Genehmigungen)

Trotz des Genehmigungsplus bleibt die Prognose für die tatsächlichen Fertigstellungen gedämpft. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Institut mit lediglich 185.000 Neubau-Wohnungen.

Strukturelle Hürden und politische Forderungen

Die Bauwirtschaft kämpft zudem mit einem erheblichen Fachkräftemangel. Während aktuell 4,73 Millionen Menschen in der Branche beschäftigt sind, bleiben rund 1,15 Millionen Stellen unbesetzt. Eine ifo-Umfrage unterstreicht die angespannte Stimmung: Mehr als ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Verschärft wird die Situation durch eine geplante Kürzung von Fördermitteln in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Anzeige

Wer sich mit der Krise am Bau befasst, erkennt schnell, dass ein massiver Sanierungsstau bei der Infrastruktur neue Märkte schafft. Dieser Gratis-Leitfaden erklärt die Hintergründe zum wachsenden Investitionsbedarf in moderne Netze und Anlagen. Kostenlosen Bau-Boom Report jetzt anfordern

Angesichts dieser Herausforderungen werden Forderungen nach einem umfassenden Maßnahmenpaket laut. Diskutiert werden unter anderem ein sogenanntes Dynamik-Paket, ein „BauTurbo II“ sowie eine verstärkte EH55-Förderung und die Einführung des „Gebäudetyp E“ zur Baukostensenkung. Um den Bedarf langfristig zu decken, wird zudem eine jährliche Zuwanderung von zirka 500.000 Personen als notwendig erachtet.

Parallel zur wirtschaftlichen Debatte bleibt die rechtliche Lage komplex. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages bewertet das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) auch nach jüngsten Änderungen weiterhin kritisch. Insbesondere die Regelungen in § 42a GModG könnten verfassungs- und unionsrechtliche Bedenken nicht wesentlich ausräumen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70011509 |