Batteriespeicher, Norm

Batteriespeicher: Neue Norm IEC 61643-41 schließt Sicherheitslücke

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung, doch Normen, Brandrisiken, Recyclingverluste und präzise Dimensionierung stellen Betreiber vor Aufgaben.

Batteriespeicher: Neue Normen und Risiken bremsen den Ausbau
Ein industrielles Batteriespeichersystem mit technischer Verkabelung in einem modernen Betriebsraum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der betrieblichen Energieversorgung rücken Batteriespeichersysteme verstärkt in den Fokus, wobei Fachmedien und Experten Ende August 2026 auf bisher unterschätzte technische Risiken hinweisen. Für eine erfolgreiche Implementierung sei eine fachgerechte Ausrüstung sowie die strikte Einhaltung neuer Normen und Sicherheitsstandards unerlässlich, um Betriebsausfälle oder gefährliche Zwischenfälle zu vermeiden.

Neue Normen für Gleichstromnetze und Ladeinfrastruktur

Ein zentraler Baustein für die Sicherheit in DC-Niederspannungsnetzen ist die neue Norm IEC 61643-41. Diese schließt eine regulatorische Lücke für Überspannungsschutzgeräte in Systemen bis zu 1500 V DC, die nicht der Photovoltaik zuzuordnen sind.

Hierzu zählen insbesondere Ladeinfrastrukturen, Speichersysteme und Bahnanwendungen. Die Anforderungen an diese Geräte sind aufgrund hoher Kurzschlussströme und eines spezifischen End-of-Life-Verhaltens deutlich gestiegen.

Parallel dazu bringen Hersteller spezialisierte Hardware auf den Markt, wie etwa Kostal mit dem Batteriewechselrichter Plenticore BI 25. Dieses Gerät ist mit einer Leistung von 25 kW für gewerbliche Speicher zwischen 5 und 230 kWh konzipiert und ermöglicht eine dreiphasige Ersatzstromversorgung.

Brandgefahr und technologische Ansätze zur Früherkennung

Die Relevanz von Sicherheitsvorkehrungen wurde Mitte August 2026 durch den Brand eines Mercedes EQA in Speyer während des Ladevorgangs unterstrichen. Für das Modell bestanden bereits Rückrufe im Februar 2025 sowie im Februar 2026 aufgrund von Brandgefahren.

Juristisch hat das Brandrisiko zunehmend Konsequenzen: Das Landgericht Stuttgart Ende Juli 2026 und das Landgericht Frankfurt/Oder Mitte August 2026 werteten ein solches Risiko als Sachmangel, was Rückabwicklungen von Kaufverträgen zur Folge hatte.

Um solche Risiken technologisch zu minimieren, entwickeln die TU Graz und Partner im Rahmen des EU-Projekts Nemo ein Batteriemanagementsystem (BMS), das auf Impedanzspektroskopie (EIS) basiert. Dieses System soll mechanische Deformationen und Alterungsprozesse frühzeitig erkennen und so die Lebensdauer der Speicher verlängern.

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Einen weiteren Beitrag zur Effizienz leisten Komponenten wie die CoolSiC-MOSFETs von Infineon, die in Systemen von Fox ESS eingesetzt werden. Diese reduzieren Schaltverluste um 70 % und ermöglichen Wirkungsgrade beim Laden und Entladen der Batterien von bis zu 98,47 %.

Herausforderungen in Produktion und Recycling

Besondere Anforderungen gelten auch für spezialisierte Speichertechnologien. Flüssigmetallbatterien auf Basis von Kalium oder Natrium-Kalium müssen laut Fachberichten in einer Argon-Glovebox montiert werden. Dabei darf die Sauerstoff- und Feuchtigkeitskonzentration 0,1 ppm nicht überschreiten, da Oxidfilme die elektrochemische Schnittstelle stören und Sicherheitsrisiken bergen.

In den USA plant das Unternehmen Heron Power für die zweite Hälfte des Jahres 2027 den Produktionsstart eines Werks mit einer Jahreskapazität von 40 GW.

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Ein kritischer Faktor bleibt die Wirtschaftlichkeit am Ende des Lebenszyklus. Eine Studie der HHL im Rahmen des Projekts SAFELOOP zeigt, dass das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien derzeit einen Verlust von 1,90 Euro pro Kilogramm Batteriepack verursacht.

Besonders der Transport erweist sich als Kostentreiber, da er 16-mal teurer als normale Fracht ist. Ab 2031 sieht eine EU-Verordnung Mindestrecyclingquoten vor, die die Kosten für Batteriepacks voraussichtlich um 6 % erhöhen werden.

Marktentwicklung und Dimensionierung in Deutschland

Trotz der Herausforderungen wächst der Markt für Großspeicher rasant. In Deutschland lagen zum 1. April 2026 Anschlusszusagen für fast 80 GW Leistung und fast 200 GWh Kapazität vor.

Im Jahr 2025 verzeichnete das Netz 573 Stunden mit negativen Strompreisen, was den Bedarf an Speicherkapazität unterstreicht. Projekte wie der Speicherverbund von Münch Energie in Leuna mit einer Leistung von 250 MW und einer Kapazität von 500 MWh zeigen die Skalierbarkeit.

Für gewerbliche und industrielle Anwendungen (C&I) empfehlen Experten bei der Dimensionierung eine genaue Lastprofilanalyse in 15-Minuten-Intervallen statt der Orientierung an Spitzenwerten. Nur durch eine klare Trennung von Leistung und Energie sowie ein fundiertes Reservemanagement lassen sich die wirtschaftlichen und technischen Potenziale sicher ausschöpfen.

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