Batteriespeicher: Großanlagen vervierfachen Kapazität auf 3,8 GWh
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSpeicherausbau erreicht neue Größenordnung
- Bis zum 12. Oktober waren rund 493.000 Anlagen für die ersten drei Quartale gemeldet.
- Großspeicher über einem Megawatt legten bei den Inbetriebnahmen von 63 auf 220 Anlagen zu.
- Der BSW-Solar erwartet für das Gesamtjahr einen Zubau von deutlich mehr als 10 Gigawattstunden.
Deutschland nimmt rund eine halbe Million Batteriespeicher in Betrieb
In Deutschland sind im laufenden Jahr bereits rund eine halbe Million Batteriespeicher in Betrieb genommen worden. Die für die ersten neun Monate gemeldeten Anlagen kommen zusammen auf 8,2 Gigawattstunden Kapazität und liegen damit 91 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Mehr Großspeicher im Stromsystem
Bis zum 12. Oktober waren rund 493.000 Anlagen für die ersten drei Quartale im Marktstammdatenregister erfasst. Einschließlich erwarteter Nachmeldungen rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft mit rund 534.000 neuen Speichern für diesen Zeitraum.
Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Zubau von deutlich mehr als 10 Gigawattstunden. Die bisher neu hinzugekommene Kapazität entspricht rechnerisch dem Strombedarf Münchens während knapp eines halben Tages.
Kapazität wächst schneller als die Stückzahl
Die Zahl der Speicher stieg um gut ein Fünftel. Besonders deutlich legten Anlagen mit mehr als einem Megawatt Leistung zu: Ihre Zahl erhöhte sich von 63 auf 220, die neue Kapazität von 0,9 auf 3,8 Gigawattstunden.
Damit überholten Großspeicher das Segment der Heimspeicher mit 5 bis 20 Kilowattstunden. Dort stieg die Zahl der neuen Anlagen von 261.000 auf 303.000, während die Kapazität von 2,6 auf 3,2 Gigawattstunden wuchs.
Kleinspeicher ergänzen den Markt
Weitere 172.000 Anlagen mit bis zu 5 Kilowattstunden kamen auf insgesamt 0,5 Gigawattstunden. Gewerbespeicher zwischen 20 und 1.000 Kilowattstunden stellten mit 17.000 Anlagen weitere 0,7 Gigawattstunden bereit.
Verband fordert schnelleren Ausbau
Batteriespeicher sollen Schwankungen bei der Erzeugung von Solar- und Windstrom ausgleichen. BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig bezeichnete sie als Wachstumstreiber und Effizienz-Hebel der Energiewende und verwies auf mögliche Einsparungen in Milliardenhöhe.
Nach Einschätzung des Verbands müsste der jährliche Zubau bis 2030 das Vier- bis Fünffache der für dieses Jahr erwarteten 10 Gigawattstunden erreichen. Ein Positionspapier fordert unter anderem Erleichterungen für die Kombination von Speichern mit Solar- und Windparks, mehr Speicher an Umspannwerken und Änderungen bei der Abschaltung von Anlagen an Netzengpässen.
Der starke Zubau verändert die Struktur des deutschen Speichermarkts. Zwar bleiben Heimspeicher mit 303.000 neuen Anlagen das größte Segment nach Stückzahl, doch Großspeicher kommen inzwischen auf 3,8 Gigawattstunden und stellen damit den größten Anteil der neu hinzugekommenen Kapazität. Die Entwicklung zeigt, dass Speicher zunehmend nicht nur einzelne Haushalte, sondern auch das überregionale Stromsystem unterstützen.
Batterien können Solar- und Windstrom zeitlich verschieben: Sie nehmen Energie bei hoher Erzeugung auf und geben sie bei steigender Nachfrage oder geringerer Produktion wieder ab. Damit können sie Netzengpässe entschärfen, Preisspitzen abfedern und die Abregelung erneuerbarer Anlagen verringern. Ihre Wirkung hängt jedoch davon ab, ob Standorte, Netzanschlüsse und Marktregeln einen flexiblen Betrieb ermöglichen.
Großspeicher rücken in den Mittelpunkt
Der Verband verbindet den weiteren Ausbau deshalb mit Reformen für Speicher an Solar- und Windparks, an Verbrauchsstandorten und an Umspannwerken. Für Verbraucher bedeutet der Trend neben mehr Flexibilität im Stromsystem auch, dass die Debatte über Netzentgelte, Genehmigungen und die Nutzung günstiger Erzeugungszeiten an Bedeutung gewinnt. Der vom Verband genannte Bedarf von jährlich 40 bis 50 Gigawattstunden bis 2030 würde gegenüber dem erwarteten Zubau von mehr als 10 Gigawattstunden im laufenden Jahr eine deutlich höhere Ausbaudynamik verlangen.
