BASF will Evonik übernehmen: IGBCE fordert Garantien für Jobs und Standorte
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft IGBCE hat sich skeptisch zu den Übernahmeplänen des Chemieriesen BASF für den Konkurrenten Evonik geäußert. IGBCE-Chef Michael Vassiliadis mahnte in diesem Zusammenhang klare Zukunftsperspektiven sowie verbindliche Investitionszusagen für die betroffenen Beschäftigten und Standorte an. Wie aus Berichten vom 28. September 2026 hervorgeht, sieht die Arbeitnehmervertretung erheblichen Klärungsbedarf bei der geplanten Transaktion.
Gewerkschaft fordert Garantien für Standorte und Beschäftigte
Nach Einschätzung von Michael Vassiliadis führt die Entstehung einer größeren Gesellschaft nicht zwangsläufig zu einer höheren Sicherheit für Arbeitsplätze und Standorte. Der Gewerkschaftsvorsitzende warnte davor, dass größere Konzerne nicht automatisch mehr Jobstabilität böten. Die IGBCE sieht demnach noch zahlreiche offene Fragen bezüglich der Auswirkungen auf die heimische Wertschöpfung und die Marktstellung.
Zudem wurde bekannt, dass Vassiliadis aufgrund der aktuellen Entwicklungen seinen potenziellen Interessenkonflikt im Aufsichtsrat der BASF offengelegt hat. Laut Kreisen wirkt er bei Beratungen zum Thema der Fusion innerhalb des Kontrollgremiums derzeit nicht mit. Hintergrund der kritischen Haltung sind auch die bereits laufenden Spar- und Restrukturierungsprogramme in beiden Konzernen, die bereits mit einem Personalabbau verbunden sind.
Widerstand bei Evonik gegen BASF-Offerte
Der Vorstand von Evonik reagierte ablehnend auf das Interesse aus Ludwigshafen. Wie am 28. September 2026 bekannt wurde, lehnte das Unternehmen eine erste Offerte bereits ab. Diese sah laut Unternehmenskreisen einen Preis von rund 10 Milliarden Euro vor, was etwa 22 Euro je Evonik-Aktie entsprochen hätte.
Andere Berichte bezifferten das Gebot auf rund 22,15 Euro je Aktie, was einer Prämie von gut 28 Prozent gegenüber dem Kurs vor den ersten Spekulationen entsprach.
Evonik bezeichnete die Ansprache durch BASF als unverbindlich und wies darauf hin, dass die Offerte auf ein freiwilliges öffentliches Angebot für sämtliche Aktien gerichtet gewesen sei. Bisher fanden nach Angaben des Unternehmens keine Gespräche statt, und der Ausgang der Sondierungen gilt als offen.
BASF bestätigte indessen, dass Sondierungen mit Evonik sowie der RAG-Stiftung stattgefunden haben. Der Konzern erklärte, Akquisitionen fortlaufend als strategische Option zu prüfen, sofern diese die Kerngeschäfte stärken und profitables Wachstum fördern.
Die IGBCE fordert Zukunftsperspektiven und verbindliche Investitionszusagen für Beschäftigte und Standorte — doch größere Konzerne bedeuten nicht automatisch mehr Jobsicherheit. Wie Betriebsräte die offenen Fragen zu Beschäftigung, Standorten und Wertschöpfung strukturiert aufgreifen, zeigt dieser Leitfaden. Kostenlosen Verhandlungs-Leitfaden anfordern
RAG-Stiftung als Schlüsselfigur im Übernahmepoker
In dem möglichen Übernahmeprozess kommt der RAG-Stiftung eine entscheidende Rolle zu, da sie 44 Prozent der Anteile an Evonik hält. Ziel der Stiftung ist es, langfristig eine Beteiligung von 25,1 Prozent an Evonik zu halten. Analysten skizzieren derzeit drei mögliche Szenarien für die Stiftung: Eine vollständige Ablehnung der BASF-Pläne, die Annahme eines Barangebots oder ein Aktientausch.
Bei einer Bewertung aller Evonik-Aktien mit mehr als 10 Milliarden Euro könnte die Stiftung für ihren Anteil gut 4,3 Milliarden Euro erhalten. Im Falle eines Aktientauschs könnte die RAG-Stiftung eine Beteiligung von rund 10 Prozent an BASF erreichen.
Für die RAG-Stiftung ist die Dividende von zentraler Bedeutung, um die sogenannten Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus zu finanzieren, für die im Jahr 2025 rund 288 Millionen Euro ausgegeben wurden. Das Stiftungsvermögen belief sich zuletzt auf 16,5 Milliarden Euro, verzeichnete jedoch zwischen 2021 und 2025 einen Rückgang um rund 4,8 Milliarden Euro.
Herausforderungen durch laufende Restrukturierungsprogramme
Die mögliche Fusion trifft auf zwei Unternehmen in Umbruchphasen. BASF und Evonik kommen gemeinsam auf einen Jahresumsatz von fast 74 Milliarden Euro, wobei BASF im Jahr 2025 einen Umsatz von 59,7 Milliarden Euro und Evonik 14,1 Milliarden Euro erzielte. Der Börsenwert lag am Montag bei 45 Milliarden Euro für BASF und 9 Milliarden Euro für Evonik.
Beide Konzerne befinden sich in tiefgreifenden Transformationsprozessen. BASF baute zwischen Januar 2024 und Ende Juni 2026 weltweit rund 7.000 Stellen ab.
Bei BASF und Evonik laufen bereits Restrukturierungs- und Personalabbauprogramme — tausende Stellen sind betroffen. Wer als Betriebsrat jetzt keine belastbare Folgenabschätzung in der Hand hat, verliert den Anschluss an die Sondierungen. Dieser Leitfaden liefert die Checkliste, um Risiken für Ihre Belegschaft früh zu benennen. Checkliste Folgenabschätzung jetzt sichern
Evonik plant bis Ende 2029 den Abbau von weiteren 3.200 Stellen, davon 2.150 in Deutschland. Betroffen sind unter anderem Standorte wie Darmstadt mit rund 1.500 Beschäftigten. Zudem soll das Polyester-Geschäft von Evonik mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro eingestellt werden.
Auch die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen verfolgt die Entwicklung aufmerksam. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur betonte, dass jede Lösung eine Zukunftsperspektive für Investitionen an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und für die dortigen Beschäftigten bieten müsse.
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