BASF-Stellenabbau: Ludwigshafen fällt unter 30.000 Mitarbeiter
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Chemiekonzern BASF hat den Stellenabbau in Ludwigshafen drastisch beschleunigt. Erstmals seit 1954 fällt die Mitarbeiterzahl am Stammsitz unter 30.000 – trotz guter Quartalszahlen.
Abbau-Turbo in Ludwigshafen
Im Mai unterschritt die Zahl der Vollzeitstellen die Marke von 30.000 – ein Niveau, das es zuletzt vor über 70 Jahren gab. Allein in den ersten sechs Monaten strich der Konzern mehr Stellen als in den beiden Vorjahren zusammen. Monatlich fallen derzeit rund 300 bis 350 Arbeitsplätze weg.
Weltweit hat BASF seit Anfang 2024 etwa 7.000 Stellen abgebaut, zwei Drittel davon in Europa. Die Belegschaft schrumpfte bis Ende Juni auf rund 94.900 Mitarbeiter. Haupttreiber sind Effizienzprogramme und die Verlagerung von Verwaltungsaufgaben – etwa vom Standort Berlin nach Indien.
Produktiver, aber nicht profitabel
Trotz Personalabbau meldet der Konzern für das zweite Quartal gesteigerte Produktivität. Der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Anlagen in Ludwigshafen stieg von 78 auf 88 Prozent. Das Stammwerk gilt wegen hoher Energie- und Standortkosten aber weiterhin als defizitär.
Das Sparprogramm sieht vor, die Fixkosten bis 2029 um 20 Prozent zu senken. Bis Jahresende sollen 2,3 Milliarden Euro eingespart werden – bei einmaligen Aufwendungen von rund 1,9 Milliarden Euro.
Kündigungsschutz als Kostenfaktor
BASF baut in Ludwigshafen massiv Stellen ab – monatlich fallen rund 300 bis 350 Arbeitsplätze weg. Doch bis Ende 2028 sind betriebsbedingte Kündigungen per Standortvereinbarung ausgeschlossen. Was bedeutet das für Sie? Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Rechte Sie haben und wie Sie bei Abfindungsverhandlungen vorgehen. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern
Bis Ende 2028 sind betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen per Standortvereinbarung ausgeschlossen. Deshalb setzt BASF auf Abfindungsprogramme – mit Zahlungen von bis zu 70 Prozent des Gehalts bis zum Renteneintritt.
Vorstandschef Markus Kamieth forderte angesichts dieser Kosten eine Debatte über den gesetzlichen Kündigungsschutz. Die Restrukturierung in Deutschland sei „extrem teuer“, die Politik müsse die Rahmenbedingungen für industrielle Anpassungen neu bewerten.
Umsatzplus und angehobene Prognose
Die Geschäfte laufen besser als erwartet. Der Umsatz stieg um 16,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 854 Millionen auf 2,4 Milliarden Euro. Im Nettogewinn von 4,1 Milliarden Euro steckt ein Veräußerungsgewinn von 3,5 Milliarden aus dem Verkauf des Autolack-Geschäfts an Carlyle.
Wegen der starken Nachfrage aus China und höherer Auslastung hebt BASF die Jahresprognose an: Das Ergebnis soll nun zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro liegen.
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Rückkauf und Börsengang
Zusätzlich startet der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1 Milliarde Euro, das von August bis April 2027 laufen soll. Parallel plant BASF, Anleihen und Darlehen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Bis Mitte 2027 soll zudem die Agrarsparte an die Börse – Teil der Strategie, das Portfolio zu fokussieren und die finanzielle Flexibilität zu erhöhen.
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