BASF Ludwigshafen: Beschäftigung unter 30.000 – historischer Tiefstand seit 1954
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die tiefgreifende Umstrukturierung beim Chemiekonzern BASF hat am Stammsitz in Ludwigshafen eine historische Wegmarke erreicht. Im Mai 2026 sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten am größten Standort des Unternehmens erstmals seit dem Jahr 1954 unter die Marke von 30.000. Diese Entwicklung ist Teil eines massiven Sparprogramms, mit dem der Konzern auf anhaltende Verluste im Kerngeschäft und veränderte Marktbedingungen reagiert.
Beschleunigter Stellenabbau und Standortoptimierung
Der Personalabbau in Ludwigshafen hat in den vergangenen Monaten deutlich an Geschwindigkeit gewonnen. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden mehr Stellen gestrichen als in den beiden vorangegangenen Jahren zusammen. Monatlich verließen zwischen 300 und 350 Mitarbeiter das Werk am Rhein. Auf globaler Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild: Seit Januar 2024 hat BASF weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, wobei etwa zwei Drittel dieses Rückgangs auf europäische Standorte entfallen. Die weltweite Beschäftigtenzahl sank bis Juni 2026 um 14 Prozent auf insgesamt 94.900 Mitarbeiter.
Trotz des personellen Rückgangs konnte die Effizienz der verbleibenden Strukturen gesteigert werden. Der Anteil der als wettbewerbsfähig eingestuften Anlagen in Ludwigshafen stieg von 78 Prozent auf nunmehr 88 Prozent. Dennoch schreibt der Standort Ludwigshafen im laufenden Jahr bereits das vierte Jahr in Folge rote Zahlen. Um den sozialen Frieden zu wahren, besteht weiterhin eine Standortvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 ausschließt. Freiwillige Abgänge werden durch attraktive Abfindungsprogramme flankiert, die in bestimmten Fällen bis zu 70 Prozent des Gehalts bis zum Renteneintritt vorsehen.
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CoreShift-Programm zeigt finanzielle Wirkung
Parallel zum Personalabbau forciert das Management das Effizienzprogramm „CoreShift“. Die jährliche Einspar-Run-Rate lag Ende Juni 2026 bei 2,0 Milliarden Euro, wobei das Ziel für das Jahresende auf 2,3 Milliarden Euro festgesetzt wurde. Die Fixkosten im Kerngeschäft konnten bereits um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden. Bis zum Jahr 2029 strebt der Konzern im Rahmen von CoreShift Einsparungen von bis zu 20 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2024 an. Für diese Restrukturierung kalkuliert das Unternehmen mit einmaligen Aufwendungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.
Trotz der Belastungen am Stammsitz präsentierte BASF für das zweite Quartal 2026 robuste Konzernzahlen. Der Umsatz stieg um 16,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, während das bereinigte EBITDA ein Plus von 50 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro verzeichnete. Aufgrund dieser Dynamik erhöhte die Konzernführung die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro.
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Strategische Neuausrichtung und Aktionärsfokus
Der Konzern nutzt die aktuelle Phase für eine umfassende Portfoliobereinigung und Bilanzstärkung. Der Verkauf der Coatings-Sparte an Carlyle spülte 3,5 Milliarden Euro in die Kassen. Ein Teil dieser Mittel soll zur Reduzierung der Nettoverschuldung um 1,6 Milliarden Euro verwendet werden. Zudem kündigte BASF einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro an, der im August 2026 starten und bis April 2027 abgeschlossen sein soll. Bis zum Jahr 2028 plant das Unternehmen, insgesamt 12 Milliarden Euro an seine Aktionäre auszuschütten.
BASF-Chef Markus Kamieth betonte im Zuge der aktuellen Entwicklungen, dass das Unternehmen eine aktive Rolle in der Konsolidierung der Branche übernehmen wolle. Gleichzeitig befürwortete er eine Debatte über den geltenden Kündigungsschutz, was die angespannte Lage zwischen Effizienzdruck und Arbeitnehmerrechten unterstreicht. Das Ziel bleibt die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Produktionsnetzwerkes angesichts globaler Konkurrenz.
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