Bargeld, Finanzämtern

Bargeld in Finanzämtern: Lorz warnt vor Kosten in Millionenhöhe

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hessens Finanzminister fordert eine Ausnahme für Finanzämter; die EU-Entscheidung könnte noch 2026 fallen.

Bargeldpflicht für Finanzämter: Hessen warnt vor Millionenaufwand
Ein leerer, minimalistischer Flur in einer Behörde mit polierten Betonböden und weißen Wänden bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Hessens Finanzminister Alexander Lorz (CDU) hat vor den finanziellen Folgen einer möglichen europäischen Vorgabe zur Bargeldannahme in Behörden gewarnt. Sollten Finanzämter künftig verpflichtet werden, Bargeld entgegenzunehmen, sei dies mit erheblichen Belastungen verbunden.

Wie Medien am 4. Oktober 2026 berichteten, begrüßt Lorz zwar grundsätzlich das Ziel einer geplanten EU-Verordnung zur Stärkung von Bargeld als gesetzlichem Zahlungsmittel, sieht jedoch bei einer Ausweitung auf die Steuerverwaltung gravierende Probleme.

Finanzverwaltung fürchtet Bürokratie und Sicherheitsrisiken

Nach Berechnungen des hessischen Finanzministeriums würde eine allgemeine Pflicht zur Bargeldannahme deutschlandweit Kosten in Millionenhöhe verursachen. Zudem entstünden mehr Bürokratie und neue Sicherheitsrisiken für die Dienststellen. Allein für Hessen rechnet die Behörde mit einem Mehraufwand in Millionenhöhe.

Als wesentliche Kostentreiber nennt das Ministerium erforderliche bauliche und organisatorische Maßnahmen. Die Ämter müssten Tresore anschaffen und zusätzliches Personal für die Entgegennahme, die buchhalterische Erfassung sowie den gesicherten Transport der Gelder abstellen.

Vor diesem Hintergrund fordert Lorz die Bundesregierung auf, sich in den laufenden EU-Verhandlungen dafür einzusetzen, dass Finanzämter von der Annahmepflicht ausgenommen werden. Laut Angaben des Ministeriums könnte eine Entscheidung über das europäische Vorhaben noch im Jahr 2026 fallen.

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Debatte über Ausnahmen in den EU-Verhandlungen

Die Diskussion um den Geltungsbereich der Verordnung wird auch auf europäischer Ebene intensiv geführt. Nach einem Bericht des Magazins Manova vom 3. Oktober 2026 geht aus einem internen EU-Ratsdokument vom 31. August 2026 hervor, dass die deutsche Bundesregierung gemeinsam mit den Niederlanden Ausnahmeregelungen für bestehende Zahlungspraktiken bei öffentlichen Dienstleistungen anstrebt. Eine Untersuchung der Bundesbank zeige zudem die bestehende Praxis vor Ort: Demnach lehnen 8 von 30 Kommunal- und Landratsämtern Barzahlungen ab.

Gegenwind von Experten und Initiativen

Pläne für Sonderregelungen stoßen jedoch auf scharfe Kritik. Zwölf Wissenschaftler bemängeln eine drohende rechtliche und praktische Ungleichbehandlung zwischen physischem Bargeld und dem geplanten digitalen Euro. Der Rechtswissenschaftler Franz-Christoph Zeitler warnt davor, dass Ausnahmeregelungen das schrittweise Verschwinden von Scheinen und Münzen beschleunigen könnten.

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Auch in Teilen der Bevölkerung formiert sich Widerspruch gegen Einschränkungen bei der Bargeldnutzung. Eine von Hansjörg Stützle gestartete Initiative sammelte annähernd 400.000 Unterschriften für den Erhalt des Bargelds.

Eine zugehörige Videobotschaft auf dem Kanal von Christian Rieck erreichte 240.000 Menschen. Um dem Anliegen auf europäischer Ebene Gehör zu verschaffen, wurde eine englische Übersetzung des Aufrufs an Journalisten, Politiker und Verbände in 27 EU-Ländern verschickt.

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