Bankentarifrunde, DBV

Bankentarifrunde ab 8. Oktober: DBV fordert bis zu zwölf Entlastungstage

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

PwC meldet mehr KI-Einsatz bei sinkendem Weiterbildungszugang; zugleich erwägen 29 Prozent der KI-erfahrenen Fachkräfte einen Arbeitgeberwechsel.

PwC-Bericht: KI-Nutzung steigt, Weiterbildung und Mitarbeiterbindung geraten unter Druck
Ein minimalistisches, modernes Büro mit leeren, ergonomischen Stühlen und klaren Linien bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Ein aktueller Bericht von PwC zur globalen Arbeitssituation verdeutlicht wachsende Spannungen in der Belegschaft angesichts der digitalen Transformation.

Laut der Studie „Global Workforce Hopes and Fears Survey 2026“ riskieren Unternehmen den Verlust ihrer am besten qualifizierten Mitarbeiter, wenn die Einbindung und Weiterbildung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) nicht deutlich intensiviert wird. Besonders kritisch wird dabei die Situation der sogenannten Vorreiter bewertet, die über knappe Fähigkeiten und starke KI-Kompetenzen verfügen.

Sinkendes Weiterbildungsangebot trifft auf steigende KI-Nutzung

Die Datenerhebung von PwC basiert auf einer Befragung von 49.364 Beschäftigten aus 48 Ländern und 29 Branchen, die im Mai und Juni 2026 durchgeführt wurde.

Den Ergebnissen zufolge ist der Einsatz von KI am Arbeitsplatz innerhalb der letzten zwölf Monate um 10 Prozentpunkte gestiegen. Rund 64 % der Befragten gaben an, KI im letzten Jahr beruflich genutzt zu haben; die tägliche Nutzung von generativer KI kletterte von 14 % auf 22 %.

Gleichzeitig sinkt jedoch das Angebot an entsprechender Qualifizierung. Der Zugang zu Ressourcen für die berufliche Entwicklung ging laut PwC um 8 Punkte auf 51 % zurück, nachdem er im Vorjahr noch bei 59 % gelegen hatte.

Diese Diskrepanz hat direkte Folgen für die Mitarbeiterbindung: 29 % der KI-erfahrenen Fachkräfte, die rund 14 % der gesamten Belegschaft ausmachen, erwägen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Arbeitgeberwechsel innerhalb des nächsten Jahres.

In den operativen Bereichen, dem sogenannten Maschinenraum der Unternehmen, hinken zudem 56 % der Beschäftigten bei der technologischen Entwicklung hinterher. Nur zwei von fünf Angestellten in diesem Segment haben Zugriff auf notwendige Weiterbildungen.

Kompetenzlücken und regulatorische Anforderungen

Die Notwendigkeit für gezielte Schulungen wird durch eine Untersuchung des Stifterverbandes und der Haufe Akademie gestützt. In einer Befragung von 1.001 Führungskräften der Privatwirtschaft im Frühjahr 2026 wurden erhebliche Kompetenzlücken identifiziert.

Am stärksten ausgeprägt ist der Mangel beim KI-Grundverständnis mit 30,9 % sowie im Bereich AI Engineering mit 30,8 %. Auch bei autonomen Systemen und Data Analytics sehen Verantwortliche Defizite von über 26 %.

Trotz dieser Lücken halten rund 80 % der Führungskräfte die entsprechenden Kompetenzbereiche für entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Der Handlungsdruck wird zudem durch rechtliche Rahmenbedingungen verschärft: Seit Februar 2025 verpflichtet die KI-Verordnung der Europäischen Union Unternehmen dazu, eine ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sicherzustellen.

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Vertrauensverlust und wirtschaftlicher Druck

Neben der Qualifizierung spielt das Vertrauen in betriebliche Prozesse eine zentrale Rolle. Eine Studie des SAP Future of Work Research Lab zeigt, dass 38 % der weltweit befragten Beschäftigten bereits fehlerhafte Gehaltsabrechnungen erlebt haben.

Solche Vorfälle mindern das Vertrauen in die Organisation erheblich. Interessanterweise würden 49 % der Befragten einer KI-gestützten Abrechnung eher vertrauen, sofern ein menschlicher Ansprechpartner für Problemlösungen verfügbar bleibt.

Zusätzlich belasten wirtschaftliche Unsicherheiten die Belegschaften. Laut PwC kann derzeit nur noch ein Drittel der Beschäftigten am Monatsende über finanzielle Rücklagen verfügen – ein Rückgang von 8 % gegenüber dem Vorjahr.

Während 57 % wirtschaftliche Schwankungen als Risiko für ihren Arbeitsplatz sehen, fürchten 44 %, dass die Übernahme von Aufgaben durch KI ihre Position gefährden könnte. Zudem berichten 27 % der Befragten, dass Burnout ihre Produktivität einschränkt.

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Auswirkungen auf Gehälter und Tarifpolitik

Die Einführung von KI beeinflusst bereits messbar die Lohnstrukturen. Ein Arbeitspapier des US Census Bureau, das die Daten von rund 6,7 Millionen Bachelor-Absolventen analysierte, stellt fest, dass Hochschulabsolventen in stark KI-exponierten Fächern wie Informatik oder Mathematik seit Ende 2022 mit etwa 13 % geringeren Einstiegslöhnen starten. Auch die Beschäftigungsquote in diesen Bereichen liegt demnach rund 5 Prozentpunkte niedriger als in der Vergangenheit.

In Deutschland reagieren die Arbeitnehmervertretungen auf die durch KI verursachte Arbeitsverdichtung. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) fordert für die am 8. Oktober 2026 beginnenden Tarifverhandlungen zusätzliche Entlastungstage.

Je nach Belastung sollen bis zu zwölf freie Tage im Jahr den Mehraufwand durch technologische Beschleunigung ausgleichen. Ergänzend fordert der Verband eine Gehaltserhöhung von 9,5 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Der Arbeitgeberverband der privaten Banken lehnt diese Entlastungstage ab und warnt vor steigenden Kosten und der Gefährdung von Arbeitsplätzen.

Parallel dazu passt Tesla die Vergütung in der Gigafactory Grünheide an. Zum 1. Oktober 2026 hebt das Unternehmen die Löhne ohne Tarifbindung um durchschnittlich vier bis fünf Prozent an.

Produktionsmitarbeiter erhalten eine Erhöhung von fünf Prozent, während das Einstiegsgehalt derzeit bei rund 45.750 Euro jährlich liegt. Die IG Metall bewertet diesen Schritt als unzureichend, während das Unternehmen plant, im laufenden Jahr 3.500 neue Arbeitsplätze am Standort zu schaffen.

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