Banken-Stresstest: Mehrheit deutscher Geldhäuser krisenfest – Dutzende verfehlen Kapitalvorgaben
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 11:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Mehrheit der kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen in Deutschland würde nach einem gemeinsamen Stresstest von BaFin und Bundesbank auch einen drastischen globalen Wirtschaftseinbruch überstehen.
Mehrere Dutzend Institute mit Auffälligkeiten
„Die Institute bleiben insgesamt solide aufgestellt“, sagte der oberste Bankenkontrolleur der Finanzaufsicht Bafin, Nikolas Speer, in Frankfurt. Allerdings konnten mehrere Dutzend Institute im simulierten Szenario die von der Aufsicht vorgegebenen Kapitalanforderungen nicht mehr einhalten.
„Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick. Sollte es erforderlich sein, werden wir rechtzeitig aufsichtliche Maßnahmen ergreifen“, betonte Speer.
1.113 Geldhäuser untersucht
BaFin und Deutsche Bundesbank nahmen seit April 1.113 kleine und mittelgroße Geldhäuser unter die Lupe. Das entspricht fast 90 Prozent der Kreditinstitute in Deutschland. In einer ergänzenden Umfrage äußerten sich die Institute zu ihrer aktuellen Ergebnislage, ihrer Risikosituation und ihren Erwartungen.
Geopolitische Eskalation als Stressszenario
Der Test simulierte über drei Jahre eine schwere Krise. Angenommen wurden eine Eskalation geopolitischer Spannungen, weitere Handelsschranken, Lieferkettenengpässe und steigende Rohstoffpreise. Zugleich wurde ein Rückgang des Welthandels mit Folgen für Beschäftigung und Wirtschaftsleistung unterstellt.
Darüber hinaus gingen die Aufseher von steigenden Zinsen sowie starken Korrekturen an den Aktien- und Anleihemärkten aus. Unter diesen Bedingungen würde sich die harte Kernkapitalquote der Banken und Sparkassen im Aggregat um rund 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent verringern.
Aufseher mahnen vorsichtige Planung an
„Die anhaltend hohe Unsicherheit bezüglich der weiteren geopolitischen Entwicklungen erschwert den konjunkturellen Ausblick“, sagte Bundesbank-Vorstand Michael Theurer. Die Institute müssten deshalb bei ihrer Geschäfts- und Kapitalplanung vorsichtig vorgehen, damit sie auch unvorhergesehene Schocks abfedern und die Finanzierung der Realwirtschaft aufrechterhalten könnten.
Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 prüfen Aufseher regelmäßig, wie anfällig Banken in Krisen wären. Die Tests sollen Risiken in Bilanzen und Schwachstellen von Geschäftsmodellen frühzeitig offenlegen. Als Konsequenz können Aufseher von einzelnen Geldhäusern unter anderem verlangen, mehr Kapital vorzuhalten.
Stabilität mit begrenzten Puffern
Der Test erfasst vor allem kleine und mittelgroße Institute, die einen großen Teil der deutschen Kreditwirtschaft ausmachen. Ihre Widerstandsfähigkeit ist für die Realwirtschaft relevant, weil diese Banken und Sparkassen Unternehmen, Selbstständige und private Haushalte in vielen Regionen mit Krediten versorgen.
Die simulierte harte Kernkapitalquote von 14,6 Prozent bleibt im Gesamtaggregat deutlich positiv. Der Rückgang um 3,8 Prozentpunkte zeigt jedoch, dass geopolitische Schocks nicht nur über Kreditausfälle wirken würden. Handelshürden, Lieferengpässe, höhere Rohstoffpreise und steigende Zinsen könnten zugleich die Erträge belasten, Sicherheiten entwerten und die Refinanzierung verteuern.
Warum einzelne Institute auffallen
Die Ergebnisse im Aggregat verdecken Unterschiede zwischen Geschäftsmodellen. Häuser mit geringer Kapitalausstattung, hoher Konzentration auf einzelne Branchen oder Regionen oder empfindlichen Zinspositionen können stärker unter Druck geraten als der Durchschnitt. Für die Aufsicht sind deshalb die mehreren Dutzend Institute mit unterschrittenen Kapitalanforderungen wichtiger als die Gesamtquote allein.
Stresstests sind keine Prognosen, sondern Belastungsproben unter festgelegten Annahmen. Ihre praktische Folge kann sein, dass betroffene Institute Kapital aufbauen, Risiken reduzieren oder ihre Geschäftsplanung anpassen müssen. Für Kunden bedeutet ein stabiler Gesamtbefund zunächst, dass der Bankensektor den simulierten Schock überwiegend abfedern könnte; die einzelnen Häuser bleiben dennoch unterschiedlich widerstandsfähig.
