Bahnverkehr: Länder fordern 14 Milliarden Euro vom Bund
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzbedarf und offene Konferenzthemen
- Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen initiierte ein gemeinsames Länderpapier zur Reform der Schienenmaut.
- Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter beziffert die zusätzlichen Kosten für Bayern auf jährlich 70 Millionen Euro.
- Die Länder veranschlagen bis 2031 zusätzlich 14 Milliarden Euro, um das bestehende Regionalverkehrsangebot zu sichern.
- Der Vorschlag für ein bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer wurde von der Tagesordnung genommen.
Die Verkehrsminister von Bund und Ländern beraten bei ihrer Herbstkonferenz in Hohenschwangau über die Finanzierung des Schienenverkehrs und weitere ÖPNV-Themen.
Schienenmaut belastet Länder
Die Bundesländer verlangen in einem gemeinsamen Papier eine Reform der Trassenpreise und einen kurzfristigen Ausgleich zusätzlicher Kosten. Anlass ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Frühjahr, das die gesetzliche Begrenzung von Erhöhungen im Nahverkehr beanstandet.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter fordert, drohende Preissteigerungen vollständig zu kompensieren. Für Bayern nennt er jährliche Mehrkosten von 70 Millionen Euro und warnt vor Einschränkungen im Bahnverkehr.
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Regionalverkehr braucht zusätzliche Mittel
Die Länder sehen bis 2031 einen zusätzlichen Finanzbedarf von 14 Milliarden Euro, um das bestehende Angebot zu erhalten. Ohne weitere Mittel könnten Ticketpreise steigen und Verbindungen abbestellt werden.
Eine solche Entwicklung könnte die Kosten pro Zugkilometer weiter erhöhen, wenn weniger Fahrten die Infrastrukturkosten tragen. Die Länder sehen darin eine mögliche Abwärtsspirale für den Schienenpersonennahverkehr.
Nachfrage und E-Busse
Nach Angaben von Christian Bernreiter lag die Nachfrage im bayerischen Schienenpersonennahverkehr 2024 um 23,8 Prozent über dem Niveau von 2019. Zugleich fordern die Verkehrsminister eine verlässliche Fortführung der Bundesförderung für Elektrobusse.
Gelegenheitsticket vertagt
Die Minister nahmen einen Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg für ein bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer von der Tagesordnung. Das Modell sollte per Smartphone Fahrtbeginn und -ende erfassen und automatisch den günstigsten Tarif berechnen.
Bund und Länder beraten über Bahnfinanzierung
Die Verkehrsminister von Bund und Ländern beraten bei ihrer Herbstkonferenz in Hohenschwangau über steigende Kosten im Schienenverkehr und die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Länder verlangen unter anderem eine Reform der Schienenmaut und zusätzliche Mittel, während eine Einigung bei zentralen Streitfragen zunächst nicht erwartet wird.
Länder verlangen Ausgleich für Trassenpreise
In einem gemeinsamen Papier fordern die Bundesländer, zusätzliche Kosten kurzfristig auszugleichen. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen sagte, der Bund bürde den Ländern über die DB InfraGO massiv steigende Kosten auf und lasse sie anschließend zusammen mit den Pendlerinnen und Pendlern im Stich.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter verlangt, drohende Preissteigerungen bei den Trassenpreisen vollständig zu kompensieren. Für Bayern bedeute die Entwicklung jährliche Mehrkosten von 70 Millionen Euro; andernfalls drohten Einschränkungen im Bahnverkehr.
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Mehr Regionalisierungsmittel gefordert
Die Länder benötigen nach den Angaben Bernreiters bis 2031 zusätzlich 14 Milliarden Euro, um das bestehende Angebot zu erhalten. Ohne diese Mittel könnten Fahrpreise steigen und Verbindungen abbestellt werden.
Eine geringere Zahl von Zugfahrten würde die Infrastrukturkosten auf weniger Verbindungen verteilen. Dadurch könnten die Trassenpreise pro Zugkilometer weiter steigen und weitere Angebotskürzungen auslösen.
Schiene bleibt stark nachgefragt
Im bayerischen Schienenpersonennahverkehr lag die Nachfrage 2024 um 23,8 Prozent über dem Niveau von 2019. Die Verkehrsminister fordern außerdem eine verlässliche und langfristige Bundesförderung für Elektrobusse.
Ticket für Gelegenheitsfahrer vertagt
Die Minister nahmen einen Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg von der Tagesordnung. Das geplante bundesweite Ticket sollte Fahrtbeginn und -ende per Smartphone erfassen und automatisch den günstigsten Tarif berechnen.
Die Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau bündelt mehrere Finanzierungsfragen, die den öffentlichen Verkehr unmittelbar betreffen. Im Zentrum steht die Frage, wie stark steigende Infrastrukturkosten zwischen Bund, Ländern und Verkehrsunternehmen verteilt werden.
Trassenpreise erhöhen den Druck
Auslöser der Debatte ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das die bisherige Begrenzung von Erhöhungen der Schienenmaut im Nahverkehr beanstandet. Für die Länder entsteht dadurch ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf, während die Infrastrukturkosten auf weniger Zugkilometer verteilt werden könnten, wenn Angebote gestrichen werden.
Die Forderung nach bis zu 14 Milliarden Euro zusätzlichen Regionalisierungsmitteln bis 2031 zeigt die Größenordnung des Konflikts. Diese Mittel finanzieren vor allem den Regionalverkehr und entscheiden damit mittelbar über Takt, Verbindungen und Ticketpreise.
Folgen für Fahrgäste und Unternehmen
Für Fahrgäste steht nicht nur die Höhe der Preise im Mittelpunkt, sondern auch die Stabilität des Angebots. Werden Verbindungen abbestellt, trifft das besonders ländliche Räume und Pendler, die auf Bahn und Bus angewiesen sind.
Für Güterbahnen verschärfen höhere Trassenpreise den Kostendruck auf energie- und transportintensive Branchen. Parallel bleibt die Umstellung auf Elektrobusse von verlässlicher Bundesförderung abhängig. Die vertagte Debatte über ein Ticket für Gelegenheitsfahrer zeigt zudem, dass selbst bei tariflichen Entlastungen zunächst politische und finanzielle Grundsatzfragen geklärt werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Die Verkehrsminister der Länder treffen sich. Darum geht es heute“ (21.10.2026)
Der Beitrag ordne die Konferenz als Auseinandersetzung um die Finanzierung des Nahverkehrs ein und nenne steigende Regionalisierungsmittel als zentrale Länderforderung. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf die politische Finanzierungsfrage.
Bayerischer Rundfunk: „Gegen Zugstreichungen: Bernreiter fordert mehr Geld von Berlin“ (20.10.2026)
Der Bericht stelle die drohenden Zugstreichungen und die Forderung nach zusätzlichen Mitteln in den Mittelpunkt. Er bestätige damit den bayerischen Fokus der dpa-Meldung, während die Details zu Schienenmaut, E-Bussen und dem Gelegenheitsfahrerticket dort weniger breit angelegt seien.
Übereinstimmend steht die Finanzierung des Bahnangebots im Zentrum. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Regionalisierungsmitteln, Trassenpreisen und möglichen Folgen für Zugverbindungen; offen bleibt, ob Bund und Länder kurzfristig einen finanziellen Kompromiss erreichen.

