Bahnverkehr, Attacken

Bahnverkehr: Attacken auf Personal um 40 Prozent gestiegen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden und Netzbetreiber verstärken den Schutz von Personal und Anlagen mit Kameras, Drohnen und geplanten Änderungen bei der Überwachung.

Mehr Schutz im öffentlichen Raum: Bodycams, Drohnen und neue Regeln
Ein menschenleerer, moderner Bahnsteig in der Dämmerung mit Fokus auf Architektur und Stahlkonstruktionen. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Sicherheitsrisiken setzen Behörden und Infrastrukturbetreiber verstärkt auf technische Überwachungssysteme sowie persönliche Schutzausrüstung.

Die Maßnahmen reichen von am Körper getragenen Kameras für Beschäftigte im Personenverkehr bis hin zum Einsatz unbemannter Flugsysteme zur Inspektion weitläufiger Versorgungsnetze. Ziel der Initiativen ist es, Gefahren für das Personal abzuwehren und Schäden an baulichen Einrichtungen frühzeitig zu verhindern.

Zunehmender Einsatz von Bodycams im Bahn- und Nahverkehr

Die Notwendigkeit eines besseren Schutzes für Einsatzkräfte und Servicepersonal belegen Erhebungen der Sicherheitsbehörden. Nach Angaben der Bundespolizei stieg die Zahl der angezeigten Attacken auf Bahnpersonal in Hessen im ersten Halbjahr um 40 Prozent.

Ein Vorfall aus dem August 2026 verdeutlichte die Schutzwirkung technischer Hilfsmittel: In Südhessen bedrohte ein Fahrgast einen Zugbegleiter mit einem Teppichmesser; der Tatverdächtige konnte dank einer getragenen Bodycam identifiziert und gefasst werden.

Vor diesem Hintergrund weiten Verkehrsbetriebe die Nutzung persönlicher Kamerasysteme schrittweise aus:

  • Die Deutsche Bahn erhöht den Anteil an Bodycams unter anderem beim Bahnhofsservice in Frankfurt am Main.
  • Bei der VGF Frankfurt befinden sich seit Monatsanfang 18 Bodycams in einem Probebetrieb, bei dem Bildaufnahmen ohne Ton erfasst werden.
  • Die Hessische Landesbahn (HLB) plant ab dem kommenden Jahr eine freiwillige Ausweitung der Bodycam-Nutzung für ihre Beschäftigten.

Drohnengestützte Kontrollen und stationäre Überwachung

Neben dem mobilen Schutz für Beschäftigte gewinnen automatisierte Inspektionsverfahren für bauliche Anlagen an Bedeutung. In Düsseldorf prüft die Netzgesellschaft der Stadtwerke Düsseldorf derzeit sämtliche Strommasten im Stadtgebiet.

Die Kontrollen erfolgen überwiegend per Drohne, sind mit den zuständigen Behörden sowie der Polizei abgestimmt und laufen voraussichtlich bis Ende Oktober. Die anschließende Auswertung dient der Früherkennung von Materialverschleiß und Beschädigungen.

Anzeige

Wer im beruflichen Umfeld für die Sicherheit von Mitarbeitern und Anlagen verantwortlich ist, muss die gesetzlichen Rahmenbedingungen genau kennen. Dieser kostenlose Report hilft Verantwortlichen dabei, rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen und behördliche Anforderungen effizient zu erfüllen. Kostenlose Vorlagen und Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung sichern

Parallel dazu testen Kommunen stationäre Lösungen. Die Stadt Nürnberg betreibt ein Pilotprojekt mit Kameras an Glascontainern, bei dem bislang allerdings noch kein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wurde.

Anpassungen der rechtlichen Vorgaben für Überwachungsmaßnahmen

Auch der gesetzliche Rahmen für die Bildüberwachung im öffentlichen Raum wird schrittweise modifiziert. Das Bayerische Innenministerium brachte einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Datenschutzgesetzes auf den Weg, der vom Ministerrat gebilligt wurde. Die Verbandsanhörung läuft, und die Einbringung in den Landtag ist noch für 2026 vorgesehen.

Vorgesehen ist unter anderem, dass künftig das Meiden öffentlicher Bereiche durch Bürger als Begründung für Überwachungsmaßnahmen ausreicht, während die Pflicht zur detaillierten Vorfallsdokumentation entfallen soll. Zugleich baut der Freistaat die Bestände aus: Bei der bayerischen Polizei stieg die Anzahl der Kameras von 95 im Jahr 2020 auf 141 im Jahr 2024.

Schutzkonzepte für überregionale Versorgungsnetze

Die Absicherung strategischer Anlagen rückt zudem auf Bundesebene in den Mittelpunkt. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, dessen Netz 15.000 Kilometer sowie 134 Umspannwerke umfasst und mehr als 25 Millionen Haushalte sowie Unternehmen versorgt, verzeichnet laut Managementangaben täglich sicherheitsrelevante Vorfälle und fordert eigene Drohnenabwehrrechte für Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Anzeige

Der Schutz kritischer Infrastrukturen vor physischen Angriffen ist ebenso wichtig wie die Absicherung der digitalen Systeme in Unternehmen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Sicherheitslücken schließen und Ihre IT-Infrastruktur proaktiv vor modernen Cyber-Bedrohungen schützen. Gratis Cyber-Security-Ratgeber für Unternehmen herunterladen

Bundesinnenminister Dobrindt stellte einen Drohnenschutzschild sowie einen Schutzschild gegen hybride Angriffe in Aussicht. Demnach sollen Betreiber kritischer Infrastrukturen Drohnen über eigenen Liegenschaften abwehren dürfen; das Bundesinnenministerium prüft hierfür ein Beleihungsmodell nach dem Vorbild von Passagierkontrollen an Flughäfen, während Haftungsfragen bei Schäden noch ungeklärt sind.

Flankierend fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) einen staatlichen Fördertopf, während die Bundesregierung den Aufbau spezialisierter Drohnenabwehreinheiten an neun Standorten – darunter Frankfurt, München, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Hannover und Köln – sowie die Einrichtung eines Cyberdomes plant.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70099509 |