Bahnstrecke Berlin-Lehrte, Vollsperrung bis 2027

Bahnstrecke Berlin-Lehrte: Vollsperrung verlängert Berlin-Hannover-Fahrt um 80 Minuten

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Deutsche Bahn sperrt die rund 230 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover für 14 Monate. Fernzüge werden über Magdeburg und Braunschweig umgeleitet, die Fahrzeit nach Hannover verlängert sich um etwa 80 Minuten.

  • Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird für rund 14 Monate vollständig gesperrt. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn
    Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird für rund 14 Monate vollständig gesperrt. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn
  • Die Strecke soll umfassend saniert werden. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
    Die Strecke soll umfassend saniert werden. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
  • In den betroffenen Regionen regt sich Protest - etwa dagegen, dass der Bahnhof Stendal vorerst nicht mehr von Fernzügen angefahren wird. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
    In den betroffenen Regionen regt sich Protest - etwa dagegen, dass der Bahnhof Stendal vorerst nicht mehr von Fernzügen angefahren wird. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird für rund 14 Monate vollständig gesperrt. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn Die Strecke soll umfassend saniert werden. - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa In den betroffenen Regionen regt sich Protest - etwa dagegen, dass der Bahnhof Stendal vorerst nicht mehr von Fernzügen angefahren wird. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Deutsche Bahn sperrt die rund 230 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover für 14 Monate vollständig, um Gleise, Weichen, Oberleitungen, Bahnhöfe und Betonfahrbahnen zu erneuern.

Vollsperrung bis Dezember 2027

Die Strecke wird am frühen Morgen außer Betrieb genommen und soll bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2027 geschlossen bleiben. In den ersten Tagen werden zunächst Oberleitungen abgeschaltet, geerdet und abgenommen, bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Geplant ist der Austausch von Hunderten Kilometern Gleisen, Weichen und Oberleitungen. Mehr als zwei Dutzend Bahnhöfe sollen modernisiert werden. Besonders aufwendig ist die Erneuerung von mehr als 50 Kilometern fest verbauter Betonfahrbahn vor und hinter Stendal.

Fernzüge fahren über Magdeburg

Sämtliche Fernzüge zwischen Berlin und Hannover werden über Magdeburg und Braunschweig umgeleitet. Magdeburg erhält dadurch drei zusätzliche ICE-Verbindungen je Richtung nach Hannover und Nordrhein-Westfalen. Bis mindestens zum Jahresende entfallen dafür die Halte in Wolfsburg und Stendal; über eine Fortsetzung im kommenden Jahr wird noch beraten.

Die Reisezeit zwischen Berlin und Hannover steigt um rund 80 Minuten auf etwa drei Stunden. Für die Strecke Berlin–Düsseldorf müssen Reisende künftig mindestens fünfeinhalb Stunden einplanen. Pro Richtung sollen in jedem Zwei-Stunden-Zeitraum drei Fernzüge verkehren.

Lehrter Stammbahn nicht rechtzeitig fertig

Ursprünglich sollte der Fernverkehr ab dem kommenden Jahr über die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn geführt werden. Deren Elektrifizierung verzögert sich jedoch erheblich, sodass sie auch 2027 nicht als Ausweichstrecke zur Verfügung stehen wird.

Ersatzbusse für Regionalverkehr

Auch im Regionalverkehr sind erhebliche Einschränkungen vorgesehen. Zwischen Nauen und Stendal sollen Regionalzüge über Wittenberge fahren; Halte dazwischen, darunter Rathenow, sind nur mit Ersatzbussen erreichbar. Gleiches gilt für die Verbindung von Stendal nach Wolfsburg. Die konkreten Linien und Takte veröffentlicht die Bahn auf ihrer Internetseite.

Aufwendige Sanierung, begrenzte Digitalisierung

Die lange Sperrung ist Teil der Generalsanierungen der Deutschen Bahn. Mehr als 40 stark belastete Korridore sollen bis weit in die 2030er Jahre modernisiert werden. Die Vollsperrung soll Arbeiten bündeln und die Strecke anschließend zuverlässiger und pünktlicher machen.

Die Strecke wird allerdings nicht vollständig digitalisiert. Nach Angaben der Bahn werden nur sechs von 25 Stellwerken digitalisiert und für das europäische Zugleitsystem ETCS vorbereitet. Die übrigen Stellwerke sollen erst in den 2030er Jahren umgerüstet werden.

Kritik an Umleitungen und Bauplanung

Der Wettbewerberverband Die Güterbahnen kritisiert, dass Güterzüge wegen der Sperrungen häufig längere Umwege fahren müssten und die Umleitungen nicht ausreichend vorbereitet und abgestimmt seien. Auch aus dem Verkehrsministerium gab es zuletzt Kritik an Problemen und Verzögerungen bei Generalsanierungen.

Großprojekt im überlasteten Netz

Die Sperrung fällt in eine Phase, in der die Deutsche Bahn ihr überaltertes Netz mit gebündelten Korridorsanierungen erneuern will. Nach Angaben der Bahn sollen in den kommenden Jahren mehr als 40 Streckenabschnitte mit einer Gesamtlänge von über 4.000 Kilometern umfassend modernisiert werden. Dafür werden Gleise, Weichen, Bahnhöfe und Stellwerke innerhalb längerer Vollsperrungen bearbeitet.

Die Strecke Berlin–Lehrte ist dabei besonders relevant, weil sie eine zentrale Ost-West-Verbindung für Fern- und Regionalverkehr bildet. Die Umleitung über Magdeburg und Braunschweig verlängert die Reisezeit zwischen Berlin und Hannover um rund 80 Minuten. Für Pendler in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wiegt zusätzlich schwer, dass einzelne Zwischenhalte vorübergehend nur mit Ersatzbussen erreichbar sind.

Sanierung mit Risiken

Die Erfahrungen mit früheren Großbaustellen zeigen, dass die Wiederaufnahme des Verkehrs nicht automatisch reibungslos verläuft. Nach der Sanierung Hamburg–Berlin kam es weiterhin zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen. Der aktuelle Bau soll zwar langfristig die Zuverlässigkeit verbessern, kurzfristig entstehen jedoch Belastungen durch Umleitungen, knappe Kapazitäten und die nur teilweise vorgesehene Digitalisierung der Stellwerkstechnik.

Bedeutung für Reisende

Für Fahrgäste sind längere Fahrzeiten, veränderte Halte und mögliche Anschlussrisiken über einen langen Zeitraum einzuplanen. Besonders wichtig ist, Verbindungen vor der Reise zu prüfen und bei regelmäßigen Fahrten alternative Abfahrtszeiten oder Ersatzverbindungen zu berücksichtigen. In Berlin-Spandau kommen zeitweise nächtliche Bauarbeiten hinzu, die Anwohner entlang des betroffenen Abschnitts belasten können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Bahn baut auch nachts an der ICE-Strecke: Bagger und Spezialzüge rollen durch die Berliner Dunkelheit“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige die Sperrung des Abschnitts zwischen Berlin-Spandau und Stendal ab dem 2. Oktober und stelle die Auswirkungen auf den Berliner Westen heraus. Im Mittelpunkt stünden nächtliche Bauarbeiten, Lärmbelastungen für Anwohner und ein Serviceüberblick für Fahrgäste; die dpa-Meldung ordne dagegen die Auswirkungen auf die gesamte Verbindung bis Hannover und den Regionalverkehr breiter ein.

NDR: „Ein Jahr Bahnchefin Palla: An der Pünktlichkeit hapert es noch“ (01.10.2026)

Der Beitrag ordne die bevorstehende Korridorsanierung in die umfassende Modernisierung des deutschen Schienennetzes und die anhaltenden Pünktlichkeitsprobleme der Bahn ein. Er hebe hervor, dass die Sanierung Berlin–Hannover bis Dezember 2027 dauern solle, richte den Schwerpunkt aber stärker auf die strukturellen Folgen für Zuverlässigkeit und Bahnsanierung als die dpa-Meldung.

Beide Berichte bestätigten Beginn und lange Dauer der Sperrung, setzten jedoch unterschiedliche Schwerpunkte: Der Tagesspiegel beleuchte vor allem lokale Baufolgen in Berlin, der NDR die Einordnung in die bundesweite Bahnkrise. Offen bleibe insbesondere, wie stabil der Verkehr nach der Wiederinbetriebnahme tatsächlich laufen werde.

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