Bahnhofs-Sicherheit: Bilger plant Zugangskontrollen im Fernverkehr
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hält Zugangskontrollen an großen deutschen Bahnhöfen im Fernverkehr für grundsätzlich sinnvoll und zeigt sich offen für entsprechende Tests.
Wie aus aktuellen Medienberichten hervorgeht, begründet der CDU-Politiker seinen Vorstoß mit einer wachsenden Bedrohung für die Verkehrsinfrastruktur. Das übergeordnete Ziel solcher Maßnahmen sei mehr Sicherheit für die Reisenden. Konkrete Umsetzungspläne gebe es derzeit allerdings noch nicht, und auch die Finanzierungsfrage sei bislang ungeklärt.
Internationale Vorbilder und Sicherheitslage an deutschen Stationen
Zur Begründung verwies Bilger auf europäische Nachbarländer wie Frankreich und Großbritannien, in denen Zugangskontrollen bereits weit verbreitet sind.
So betreibt die französische Bahngesellschaft SNCF an rund 20 Bahnhöfen spezielle Zugangsschleusen, darunter an Verkehrsknotenpunkten in Paris, Lyon, Marseille, Lille, Rennes und Nantes. Auch im Netz von National Rail in Großbritannien gehören Ticketschranken an vielen Bahnhöfen längst zum Standard.
Die Diskussion über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen trifft in Deutschland auf eine angespannte Lage an zentralen Knotenpunkten. Nach Zahlen der Bundespolizei zählten die Hauptbahnhöfe von Dortmund, Köln und Düsseldorf Anfang 2026 deutschlandweit zu den Top Ten der Stationen mit den meisten Gewaltdelikten.
Neben den Überlegungen zum Bahnverkehr kündigte der Minister zudem eine schnellere Ausstattung internationaler Flughäfen mit Technik zur Drohnendetektion an, mit deren Umsetzung die Deutsche Flugsicherung beauftragt ist. Mit Blick auf die operative Zuverlässigkeit der Schiene hält Bilger zudem das Ziel für erreichbar, bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 70 Prozent im Fernverkehr zu erzielen.
Geteilte Reaktionen in der Bundespolitik
Der Vorstoß für Zugangskontrollen an großen Fernbahnhöfen ist da — konkrete Pläne und die Finanzierung sind es nicht. Wer als Pendler oder Sicherheitsverantwortlicher früh planen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die entscheidenden Fakten: von der Sicherheitslage an den Hauptbahnhöfen Dortmund, Köln und Düsseldorf über internationale Vorbilder bis zu den offenen Streitpunkten in der Bundespolitik. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur Bahnhofssicherheit anfordern
In der Bundespolitik stoßen die Überlegungen auf ein geteiltes Echo. Unterstützung kommt aus den Reihen der Koalition: Martin Kröber, Fraktionsberichterstatter der SPD, fordert eine zeitnahe und flächendeckende Einführung von Zugangskontrollen im Fernverkehr.
Der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Wolfgang Wiehle, schlägt wiederum ein Pilotprojekt vor. Dieses solle an Kopfbahnhöfen wie Frankfurt, München und Leipzig erprobt werden, beschränkt auf reine Fernverkehrs-Bahnsteige.
Deutliche Kritik äußert hingegen der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Tarek Al-Wazir. Der Grünen-Politiker lehnt Zugangskontrollen an Bahnsteigen ab und warnt vor einem Zusammenbruch des gesamten Systems.
Al-Wazir begründet seine Haltung mit den betrieblichen Realitäten des deutschen Schienennetzes: Regional- und Fernverkehrszüge nutzen vielerorts dieselben Gleise und verkehren dort teils im Minutentakt. Kontrollen seien für den Regionalverkehr faktisch nicht umsetzbar. Zudem warnt er vor erheblichen Kosten, insbesondere bei hohen Pendlerströmen.
Fahrgastverband warnt vor Engpässen und Systemüberlastung
Pro Bahn warnt vor Stau an den Kontrollschranken, die Grünen vor einem Systemkollaps — und die Bundespolizei zählt die Hauptbahnhöfe von Dortmund, Köln und Düsseldorf zu den zehn Stationen mit den meisten Gewaltdelikten. Dieser Leitfaden zeigt Sicherheitsverantwortlichen, welche Schutzmaßnahmen sich heute schon umsetzen lassen, ohne auf die politische Entscheidung zu warten. Praxis-Checkliste Bahnhofssicherheit jetzt sichern
Auch der Fahrgastverband Pro Bahn weist die Pläne für Bahnsteigkontrollen zurück. Bundesvorsitzender Lukas Iffländer fordert stattdessen eine dauerhafte Präsenz von Einsatzkräften der Bundespolizei sowie von DB-Sicherheitsmitarbeitern, ergänzt durch technische Systeme zur Gefahrenerkennung. Kameras sollten sich nach Vorstellungen des Verbands auf die Türen und Vorräume von Fernzügen beschränken.
Andreas Schröder von Pro Bahn warnt zudem vor erheblichen Stau-Gefahren an den geplanten Kontrollschranken. Der Verband verweist auf die historische Entwicklung und bauliche Gegebenheiten: Da Bahnsteige in Deutschland von Fern-, Regional- und S-Bahn-Zügen gemeinsam genutzt werden, seien Absperrungen kaum praktikabel. Bahnsteigsperren und die damit verbundene Bahnsteigkarte waren in Deutschland bereits im Jahr 1974 abgeschafft worden.
