Bahn-Sicherheit: 5.400 Bahnhöfe bekommen Alkoholverbot ab Oktober
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Bahn reagiert auf die zunehmende Gewalt gegen ihre Beschäftigten und hat ein umfassendes Sicherheitspaket für das Personal im Dienst vorgestellt.
Wie aus Berichten vom 18.09.2026 hervorgeht, folgt dieser Schritt auf eine Reihe schwerer Übergriffe, darunter ein tödlicher Vorfall zu Beginn des Jahres. Das Maßnahmenpaket umfasst sowohl technische Aufrüstungen als auch organisatorische Änderungen, um den Schutz der Mitarbeiter in Zügen und an Bahnhöfen signifikant zu erhöhen.
Technische Aufrüstung und personelle Verstärkung
Ein zentraler Bestandteil des neuen Sicherheitskonzepts ist der verstärkte Einsatz von Bodycams. Den Angaben zufolge sind bereits mehr als 90 % der Mitarbeiter von DB Regio für den Umgang mit diesen Kameras geschult.
Ergänzend dazu soll am 5.10.2026 bei DB Regio Mitte ein Testbetrieb für Tonaufzeichnungen starten. Diese Technologie dient der Dokumentation von Vorfällen und soll deeskalierend wirken. Bereits seit Juli 2026 gehören stichhemmende Westen zur Ausrüstung des Personals, um den Schutz gegen physische Angriffe zu verbessern.
Neben der technischen Ausstattung setzt das Unternehmen auf eine erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften. Bis Ende 2026 ist die Umsetzung von Doppelbesetzungen geplant, wobei Züge verstärkt mit zwei Mitarbeitern besetzt werden sollen. Zudem werden spezielle Prüfgruppen eingesetzt, die aus 6 bis 8 Angestellten bestehen.
Um die Sicherheit an den Stationen zu erhöhen, wird bis zum 15.10.2026 an insgesamt 5.400 Bahnhöfen ein Alkoholverbot durchgesetzt. Im Bereich der Überwachung ermöglicht eine Video Security Cloud der Bundespolizei künftig den Live-Zugriff auf Videodaten, um in Notfällen schneller eingreifen zu können.
Gedenken an getöteten Zugbegleiter in Mannheim
Hintergrund der verschärften Maßnahmen ist unter anderem der Tod des 36-jährigen Zugbegleiters Serkan Çalar. Dieser verstarb Anfang Februar 2026 an den Folgen einer Hirnblutung, nachdem er bei einer Fahrscheinkontrolle in der Nähe von Landstuhl angegriffen worden war. Der 26-jährige Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt; das Urteil ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig.
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Am 18.09.2026 wurde am Mannheimer Hauptbahnhof auf Gleis 1 eine Gedenktafel für den Verstorbenen freigegeben. An der Zeremonie nahmen unter anderem Evelyn Palla und Steffen Bilger teil. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und die Debatte über die Sicherheit des Bahnpersonals massiv beschleunigt.
Der Betriebsrat der Deutschen Bahn hatte infolge der Gewaltereignisse verstärkt Tandemlösungen für die Mitarbeiter gefordert, um die Isolation der Zugbegleiter in Konfliktsituationen zu beenden.
Steigende Gewaltzahlen und rechtliche Konsequenzen
Die Notwendigkeit der Maßnahmen wird durch aktuelle Kriminalitätsstatistiken untermauert. Im Jahr 2025 wurden konzernweit 3.264 körperliche Übergriffe auf Bahn-Beschäftigte registriert. Rund 70 % dieser Taten richteten sich gegen das Zugbegleitpersonal. Allein bei DB Regio wurden 1.659 Fälle gemeldet.
In der ersten Jahreshälfte 2026 setzte sich dieser Trend fort: Die Zahl der Übergriffe stieg um 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf insgesamt 1.000 Fälle, wobei 22 Personen schwer verletzt wurden. Statistische Auswertungen belegen zudem, dass täglich durchschnittlich acht Angriffe auf Beschäftigte verzeichnet werden.
Flankiert werden die betriebsinternen Maßnahmen durch eine Initiative der Bundesjustizministerin Hubig (SPD). Am 17.09.2026 kündigte sie einen Gesetzentwurf an, der härtere Strafen für Angriffe auf Personal im öffentlichen Dienst sowie bei Versorgungsunternehmen vorsieht.
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Die Mindeststrafe soll demnach von drei auf sechs Monate angehoben werden; in schweren Fällen ist eine Erhöhung von sechs Monaten auf ein Jahr vorgesehen. Davon betroffen wären neben Bahnmitarbeitern auch Polizisten, Rettungskräfte und Mitarbeiter von Energieversorgern.
Der Gesetzentwurf soll in den kommenden Wochen im Kabinett beraten werden. EVG-Chef Burkert begrüßte die Pläne des Justizministeriums. Infolge dieser politischen Entwicklung zog die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre ursprüngliche Drohung zurück, den Nahverkehr ab Januar durch Streiks lahmzulegen.
