Bahn bietet Familienticket für 99,99 Euro dauerhaft an
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Deutsche Bahn bietet ihr Familienticket künftig dauerhaft an. Eine Hin- und Rückfahrt für Familien kostet 99,99 Euro einschließlich ICE-Reservierung, wie Bahn-Chefin Evelyn Palla der „Bild am Sonntag“ sagte.
Das Angebot soll ab dem 1. November dauerhaft gelten; der Verkauf beginnt nach ihren Angaben am 26. Oktober zu denselben Konditionen.
100.000 Familien zusätzlich in den Zügen
Palla erklärte, das zunächst für die Sommerferien eingeführte Ticket habe für einen deutlichen Zuwachs gesorgt. Die Bahn habe 100.000 Familien mehr als im Vorjahr in ihren Zügen begrüßt.
Mit dem Familienticket bündelt die Bahn die Hin- und Rückfahrt sowie die Reservierung zu einem festen Preis. Die Regelung soll damit über die Ferienaktion hinaus im regulären Sortiment bestehen bleiben.
Bahnchefin dämpft Erwartungen bei Pünktlichkeit
Bei der Zuverlässigkeit des Zugverkehrs rechnet Palla nicht mit schnellen Fortschritten. Das Schienennetz sei über viele Jahre vernachlässigt worden, ein großer Teil der Anlagen zu alt und störanfällig.
Besonders heiße Sommer verschärften die Probleme, sagte Palla. Viele Anlagen seien nicht dafür ausgelegt, mehrere Tage Temperaturen von mehr als 35 Grad auszuhalten; etwa Weichenantriebe könnten dann ausfallen.
Sanierung soll mindestens zehn Jahre dauern
Die Bahn könne die Versäumnisse nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren aufholen, erklärte die Bahn-Chefin. Einen schnellen Sprung bei der Pünktlichkeit werde es deshalb nicht geben.
Die Sanierung des deutschen Schienennetzes werde mindestens zehn Jahre dauern. Spürbare Verbesserungen seien erst zu erwarten, wenn ein großer Teil der Anlagen erneuert worden sei.
Das Familienticket verbindet eine Preisoffensive mit dem größeren Modernisierungsproblem der Deutschen Bahn. Der angebotene Festpreis von 99,99 Euro für Hin- und Rückfahrt einschließlich ICE-Reservierung zielt auf Familien, für die Bahnreisen in Ferienzeiten durch mehrere Einzeltickets schnell teuer werden können.
Die dauerhafte Aufnahme ins Sortiment fällt in eine Phase, in der die Bahn ihr Netz umfangreich erneuert. Auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover läuft seit dem 2. Oktober 2026 eine Generalsanierung. Der Fernverkehr wird dort voraussichtlich bis Ende 2027 umgeleitet; die Fahrzeit verlängert sich um rund 80 Minuten. Im Zuge der Arbeiten sollen unter anderem 214 Weichen, rund 357 Kilometer Gleise und 100 Kilometer Oberleitungen erneuert werden.
Sanierung mit langen Übergangsproblemen
Für Reisende bedeutet das: Investitionen in die Infrastruktur können zunächst zusätzliche Einschränkungen bringen. Der Korridor Berlin–Hannover gehört zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen; täglich verkehren dort mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs sowie rund 90 Güterzüge. Die Strecke ist damit ein Beispiel für den Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Pünktlichkeit und langfristiger Erneuerung.
Auch politisch stehen unterschiedliche Zeithorizonte gegenüber. Verkehrsminister Steffen Bilger erwartet bis 2029 eine spürbare Verbesserung und nennt ein Fernverkehrsziel von 70 Prozent Pünktlichkeit. Pallas’ Prognose eines mindestens zehnjährigen Sanierungszeitraums macht deutlich, dass selbst zusätzliche Mittel und gebündelte Baustellen die strukturellen Probleme nicht kurzfristig beseitigen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Bahn: Strecke zwischen Berlin und Hannover wird saniert“ (02.10.2026)
Der Beitrag ordnet die angekündigte lange Sanierungsdauer in die konkrete Generalsanierung des Berlin-Hannover-Korridors ein. Im Mittelpunkt stehen die 14-monatige Sperrung, rund 80 Minuten zusätzliche Fahrzeit und der Umfang der geplanten Erneuerungen.
BR24: „Verkehrsminister Bilger, ab wann fährt die Bahn pünktlich?“ (03.10.2026)
BR24 setzt einen anderen Schwerpunkt und stellt den politischen Zeitplan für bessere Pünktlichkeit heraus. Der Beitrag nennt ein Ziel von 70 Prozent im Fernverkehr bis 2029 sowie die geplante Leistungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn; zugleich wird der Druck auf das Baustellenkonzept betont.
Beide Beiträge bestätigen den langfristigen Charakter der Netzerneuerung. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Blickwinkel: Während ZDFheute die konkreten Folgen einer laufenden Großbaustelle beschreibt, konzentriert sich BR24 auf politische Zielvorgaben und Finanzierung.
