BAföG-Wohnpauschale, Mieten

BAföG-Wohnpauschale: Mieten in 82 Hochschulstädten liegen über 380 Euro

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 07:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lange Wartelisten und Mieten oberhalb der BAföG-Pauschale belasten Studierende; Potsdam prüft Flächen für mögliche Wohnprojekte.

Studierendenwohnungen in Berlin und Brandenburg bleiben knapp und teuer
Ein leerer, sonnendurchfluteter Wohnraum in einer modernen Wohnung mit Blick in einen ruhigen Innenhof. Illustration mit AI erstellt.

Zum Beginn des neuen Wintersemesters stehen Studierende in Berlin und Brandenburg vor erheblichen Schwierigkeiten bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum.

Während das Semester offiziell am 1. Oktober beginnt, startet der Vorlesungsbetrieb an den großen Hochschulen wie der Humboldt-Universität, der Freien Universität, der Technischen Universität Berlin sowie der Universität Potsdam und der Viadrina am 12. Oktober. Für viele junge Erwachsene ist die Wohnsituation zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ungeklärt.

Lange Wartelisten und steigender Bedarf

Die Situation in der Bundeshauptstadt stellt sich besonders angespannt dar. Dem Studierendenwerk Berlin zufolge stehen insgesamt 9.124 Wohnheimplätze zur Verfügung. Demgegenüber steht eine Warteliste von rund 4.000 Personen mit Stand Ende September.

Die durchschnittliche Wartezeit auf einen der begehrten Plätze wird auf etwa ein Jahr beziffert. Auch in Brandenburg ist die Lage prekär: In Potsdam könnten zum Semesterstart rund 600 Bewerber leer ausgehen, in Cottbus wird mit mehr als 500 Studierenden gerechnet, die keinen Wohnheimplatz erhalten.

Die Kosten für das Wohnen variieren regional deutlich. Während die Durchschnittsmiete in den Wohnheimen des Studierendenwerks Berlin bei 352 Euro pro Monat liegt, zahlen Studierende im Bereich des Studierendenwerks West-Brandenburg für einen der 3.606 Plätze im Schnitt 330 Euro.

Am günstigsten ist das Wohnen im Osten Brandenburgs, wo für 3.776 Plätze eine Durchschnittsmiete von 262 Euro fällig wird. An der BTU Cottbus-Senftenberg verschärft sich die Situation zusätzlich durch wieder steigende Studierendenzahlen.

Diskrepanz zwischen BAföG und Marktrealität

Eine aktuelle Analyse des Portals immowelt verdeutlicht die finanzielle Belastung. In 82 von 138 untersuchten Hochschulstädten übersteigt die Kaltmiete einer 40-Quadratmeter-Bestandswohnung die staatliche BAföG-Wohnpauschale von 380 Euro pro Monat. In Berlin erreichen die Angebotsmieten bereits einen Stand, der 59 Prozent des BAföG-Höchstsatzes entspricht.

Im bundesweiten Vergleich zeigen sich extreme Unterschiede. In München müssen Studierende für eine vergleichbare Wohnung eine Kaltmiete von 862 Euro aufbringen, was 87 Prozent des Höchstsatzes von 992 Euro ausmacht. Auch Frankfurt mit 681 Euro und Stuttgart mit 608 Euro liegen weit über dem Bundesdurchschnitt.

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Die BAföG-Wohnpauschale von 380 Euro deckt in 82 von 138 Hochschulstädten nicht einmal die Kaltmiete einer 40-Quadratmeter-Wohnung. Wer vor der Studienortwahl steht, kann mit einem gezielten Städte-Vergleich mehrere Hundert Euro im Monat sparen. Kostenlosen Leitfaden zu günstigen Studienorten anfordern

Günstigere Alternativen finden sich vor allem in Ostdeutschland, etwa in Chemnitz mit 234 Euro oder Halle mit 349 Euro. Sachsen gilt laut der Analyse mit einer Belastung von 29 Prozent als preiswertestes Flächenland, während Bayern (47 Prozent), Hessen und Baden-Württemberg (je 46 Prozent) die Spitze bilden.

Finanzierung und Nebenjobs

Aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten sind viele Studierende auf Nebentätigkeiten angewiesen. Nach Angaben der DGB-Jugend arbeiten rund zwei Drittel der Studierenden neben ihrem Studium. Dabei ist der sogenannte Werkstudentenstatus von Bedeutung: Bei einer Arbeitszeit von maximal 20 Stunden pro Woche im Semester entfallen Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung; lediglich Rentenversicherungsbeiträge müssen geleistet werden.

Das BAföG selbst wird zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt, wobei die Rückzahlungssumme auf maximal 10.010 Euro begrenzt ist. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass Pflichtpraktika keinen rechtlichen Anspruch auf Vergütung oder Urlaub begründen, während freiwillige Praktika als reguläre Arbeitsverhältnisse eingestuft werden.

Ausblick und kommunale Initiativen

Um der Wohnungsnot langfristig zu begegnen, prüfen Kommunen und Wohnungsunternehmen neue Projekte. In Potsdam hat das kommunale Wohnungsunternehmen ProPotsdam erste Pläne für die Entwicklung von Grundstücken auf Hermannswerder erarbeitet. Ein kurzfristiger Baustart ist dort jedoch nicht zu erwarten.

Aktuell wird eine Zwischennutzung geprüft, für die unter anderem die Arbeiterwohlfahrt und die Hoffbauer-Stiftung als Partner infrage kommen. Zudem hat die Stadt Potsdam leer stehende Immobilien und ungenutzte Flächen im Umfang von rund 120.000 Quadratmetern untersucht. Die Ergebnisse dieser Prüfung sollen am 7. Oktober 2026 im Hauptausschuss vorgestellt werden.

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Abseits staatlicher Angebote existieren private Initiativen wie die Wohnrauminitiative Frankfurt/Rhein-Main, die seit 35 Jahren Zimmer an Studierende und Auszubildende vermittelt. Dort liegt die Warmmiete bei maximal 500 Euro. In der Region sind vereinzelt noch Zimmer zum Semesterstart verfügbar, zudem ist ein Neubauprojekt im Frankfurter Hilgenfeld in Planung.

Neben den Mietkosten bleiben die Verpflegungspreise ein relevanter Faktor für das studentische Budget. In Berlin versorgen die Mensen täglich rund 22.000 Gäste, wobei das günstigste Gericht 1,75 Euro kostet. In West-Brandenburg liegt der Einstiegspreis für eine Mahlzeit bei 2,15 Euro. Dort wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1.169.939 Essen ausgegeben.

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