BAföG-Reform, Wohnkostenpauschale

BAföG-Reform: Wohnkostenpauschale steigt auf 440 Euro ab Winter

01.06.2026 - 20:39:43 | boerse-global.de

Die geplante BAföG-Reform droht am Koalitionsstreit zu scheitern, während Forscherinnen unter extremen Pendelzeiten leiden.

BAföG-Reform: Wohnkostenpauschale steigt auf 440 Euro ab Winter - Bild: über boerse-global.de
BAföG-Reform: Wohnkostenpauschale steigt auf 440 Euro ab Winter - Bild: über boerse-global.de

Während Forscherinnen wie Susanne Froehlich aus Greifswald täglich sieben Stunden pendeln, um Wissenschaft und Kind zu vereinbaren, droht die geplante BAföG-Reform am Koalitionsstreit zu scheitern.

Mütter in der Forschung: „Extreme Mobilität als Normalfall“

Susanne Froehlich ist promovierte Forscherin und Mutter. Ihre wöchentliche Pendelzeit nach Darmstadt: sieben Stunden. Solche Fälle sind kein Einzelfall, sondern Symptom eines strukturellen Problems. Wissenschaftliche Exzellenz und familiäre Verpflichtungen lassen sich unter den aktuellen Bedingungen oft nur durch extreme Mobilität und Zeitaufwand vereinbaren.

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Experten warnen vor einer Abwanderung qualifizierter Forscherinnen aus dem System. Starre Karrierepfade und mangelnde Flexibilität an den Instituten verstärken die Benachteiligung von Müttern in der Wissenschaft. Die BdEebatte über Chancengerechtigkeit gewinnt dadurch an Dringlichkeit.

Koalitionsstreit: Bär stellt BAföG-Reform infrage

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bremst. Ende Mai äußerte sie sich skeptisch zur geplanten BAföG-Reform. Ihre Begründung: fehlende Unterstützung in den Regierungsfraktionen und allgemeine Sparzwänge. Das Studium in Deutschland sei ohnehin privilegiert, eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium nannte sie unproblematisch.

SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar widerspricht entschieden. Ihre Partei stehe geschlossen hinter der Reform. Die Finanzierung sei durch das Finanzministerium unter Christian Klingbeil gesichert. Der Koalitionsvertrag sieht für das Wintersemester 2026/27 klare Verbesserungen vor:
- Wohnkostenpauschale steigt von 380 auf 440 Euro
- Grundbedarf wird auf 475 Euro angehoben – angepasst an das Niveau der Grundsicherung

Offiziell hält das Ministerium an einem Zeitplan fest: Das Gesetz soll bis Ende Juli verabschiedet werden. Doch die Zweifel wachsen.

Proteste angekündigt: Studierendenverbände schlagen Alarm

Der Verband fzs hat bereits Kundgebungen angekündigt. Auch das Deutsche Studierendenwerk (DSW) kritisiert die drohende Verzögerung scharf. Die Reform sei überfällig, die aktuelle Finanzierungslücke für viele Studierende existenzbedrohend.

Arbeitsmarkt: Auch Promovierte haben es schwer

Die Chancengerechtigkeit endet nicht mit dem Studium. Reportagen zeigen: Selbst promovierte Chemiker verschicken über 200 Bewerbungen – ohne Erfolg. Der Berufseinstieg wird für Hochqualifizierte zunehmend zur Geduldsprobe.

CDU-Wirtschaftsflügel will Teilzeit-Recht kippen

Zusätzlicher Druck kommt von der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). Sie fordert die Abschaffung des allgemeinen Rechtsanspruchs auf Teilzeit. Reduzierte Arbeitszeit soll künftig nur noch bei besonderen Gründen wie Pflege möglich sein. Aufstockende Sozialleistungen will die MIT an eine Vollzeittätigkeit knüpfen.

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Ein Modell, das quer zu den Forderungen nach mehr Flexibilität für Eltern steht. Die Frage bleibt: Wie sollen Wissenschaft, Familie und Studium unter einen Hut passen – wenn die Politik in alle Richtungen gleichzeitig bremst?

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