BaFin, Immobilienkrediten

BaFin warnt vor riskanten Immobilienkrediten

12.05.2026 - 13:19:22 | boerse-global.de

Die Finanzaufsicht sieht steigende Risiken durch gering besicherte Darlehen und warnt vor einer gefÀhrlichen Schuldenspirale bei Kreditnehmern.

BaFin warnt vor riskanten Immobilienkrediten - Foto: ĂŒber boerse-global.de
BaFin warnt vor riskanten Immobilienkrediten - Foto: ĂŒber boerse-global.de

BaFin-PrĂ€sident Mark Branson sieht darin ein wachsendes Risiko fĂŒr die StabilitĂ€t des deutschen Finanzmarktes.

Besonders kritisch bewertet die Behörde die Entwicklung der Kreditvergabestandards. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres lag bei etwa jedem siebten neu abgeschlossenen Immobilienkredit das Darlehensvolumen ĂŒber dem Marktwert der Immobilie. Das entspricht einer Quote von rund 14 Prozent im NeugeschĂ€ft.

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„Solche gering besicherten Kredite bergen ein erhebliches Verlustpotenzial fĂŒr die Banken“, warnte Branson in Frankfurt. Kommt es zu KreditausfĂ€llen, können die Institute bei einer Verwertung der Immobilien unter UmstĂ€nden nicht die volle Restschuld decken.

Viele Haushalte an der Belastungsgrenze

Die finanzielle Situation der Kreditnehmer bereitet den Aufsehern zusĂ€tzlich Sorgen. Eine reprĂ€sentative Umfrage unter mehr als 3.000 Verbrauchern zeigt das Ausmaß der Belastung. Mehr als die HĂ€lfte der befragten Immobilienkreditnehmer hatte in den vergangenen zwei Jahren Schwierigkeiten, die monatlichen Raten und Lebenshaltungskosten aus dem laufenden Einkommen zu bestreiten.

Rund 13 Prozent berichteten sogar von hÀufigen oder permanenten Zahlungsproblemen. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Einverdienerhaushalte. Bei ihnen verschlingen die Kreditraten teilweise mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens.

Die Untersuchung zeigt zudem eine bedenkliche Tendenz: Viele Verbraucher greifen nicht nur auf Ersparnisse zurĂŒck oder kĂŒrzen Konsumausgaben. Sie machen zusĂ€tzliche Schulden – hĂ€ufig ĂŒber teure Dispokredite oder Kreditkarten. Die BaFin warnt vor einer gefĂ€hrlichen Schuldenspirale, die in die ZahlungsunfĂ€higkeit fĂŒhren kann.

Torschlusspanik trotz steigender Zinsen

Die Marktsituation ist paradox: WĂ€hrend die Immobilienpreise nach einer Korrektur wieder moderat steigen, haben sich die Finanzierungskosten spĂŒrbar verteuert. Grund sind unter anderem InflationsĂ€ngste im Kontext internationaler Konflikte, die die Kreditzinsen nach oben treiben.

Trotz dieser Bedingungen verzeichnete das GeschĂ€ft mit Baufinanzierungen im MĂ€rz einen krĂ€ftigen Zuwachs. „Viele Verbraucher versuchen, sich noch akzeptable Konditionen zu sichern, bevor die Zinsen weiter steigen“, heißt es aus der Aufsicht. Diese Torschlusspanik fĂŒhrt jedoch dazu, dass die langfristige TragfĂ€higkeit der Kredite vernachlĂ€ssigt wird.

Hinzu kommt enormer Druck bei den Anschlussfinanzierungen. SchĂ€tzungen zufolge benötigen rund 40 Prozent der Kreditnehmer mit laufenden Festzinsdarlehen in den Jahren 2025 und 2026 eine Anschlussfinanzierung. Viele VertrĂ€ge wurden noch zu Niedrigzinszeiten von unter drei Prozent abgeschlossen. Jetzt drohen massive Mehrbelastungen. Bereits heute wird fast jede vierte Anfrage fĂŒr eine Anschlussfinanzierung abgelehnt – wegen zu geringem Eigenkapital oder gesunkenen HaushaltsĂŒberschĂŒssen.

Kapitalpuffer als Schutzschild?

Die BaFin reagiert mit ihrer Warnung auf eine verĂ€nderte Risikolage. Anfang Mai 2025 senkte sie den sektoralen Systemrisikopuffer fĂŒr Wohnimmobilienkredite von zwei auf ein Prozent. Ziel war es, den Banken mehr Spielraum bei der Kreditvergabe zu geben. Der Wohnungsmarkt hatte sich stabilisiert, Überbewertungen waren weitgehend zurĂŒckgegangen. Die Maßnahme setzte rund 2 bis 2,5 Milliarden Euro an Kernkapital frei.

Der antizyklische Kapitalpuffer blieb konstant bei 0,75 Prozent, um die generelle WiderstandsfĂ€higkeit zu sichern. „Die damalige Entscheidung war kein Freifahrtschein fĂŒr leichtfertige Kreditvergabe“, betont die BaFin nun. Die HĂ€ufung von Krediten mit hohen BeleihungsauslĂ€ufen und die konjunkturelle SchwĂ€che könnten eine erneute Anpassung notwendig machen.

Der Bankensektor verfĂŒgt zwar ĂŒber Kapitalpuffer von mehr als 20 Milliarden Euro. Doch diese dienen primĂ€r der Absorption von Verlusten in Krisenzeiten – nicht der Kompensation systematischer MĂ€ngel bei der KreditprĂŒfung.

Strengere Kontrollen und neue Gefahren durch KI

FĂŒr die kommenden Monate kĂŒndigt die BaFin eine VerschĂ€rfung der Überwachung an. Institute mit einem hohen Anteil an Immobilienfinanzierungen mĂŒssen mit vertieften PrĂŒfungen rechnen. Branson stellte klar: „Wir sind bereit einzugreifen, sollten die Risiken ĂŒberhandnehmen.“

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Gewerbeimmobilienmarkt. Er gilt als deutlich krisenanfĂ€lliger als der private Wohnungsbau. Allein in diesem und im nĂ€chsten Jahr stehen Verhandlungen ĂŒber Anschlussfinanzierungen im Volumen von rund 100 Milliarden Euro an – etwa zehn Prozent des gesamten Marktvolumens.

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ErgĂ€nzend warnt die BaFin vor neuen Bedrohungen durch Cyberrisiken. Der Einsatz KĂŒnstlicher Intelligenz hat die Gefahrenlage verschĂ€rft. Angreifer nutzen zunehmend automatisierte Verfahren, um Schwachstellen in den IT-Systemen von Finanzinstituten zu finden. Das bedroht nicht nur die BetriebsstabilitĂ€t der Banken, sondern könnte im Ernstfall auch die Abwicklung von Kreditprozessen oder die Verwaltung von Sicherheiten gefĂ€hrden. Die Aufsicht fordert von den Unternehmen eine deutlich schnellere Reaktion auf bekannte SicherheitslĂŒcken und kĂŒndigt an, ihre Ressourcen fĂŒr die IT-PrĂŒfung weiter aufzustocken.

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