Bäckerhandwerk, Familienbetrieb

Bäckermeister Gert Ebenrecht arbeitet seit 65 Jahren weiter

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 11:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der 85-jährige Bäckermeister arbeitet trotz zweier schwerer Krebserkrankungen weiter mit Sohn und Enkel in der Familienbäckerei. Der Betrieb steht zugleich vor den typischen Problemen des Handwerks: Nachwuchs fehlt, Kosten steigen und industrielle Konkurrenz wächst.

Sechs Generationen prägen den Familienbetrieb

  • Gert Ebenrecht erhielt nach 65 Jahren als Bäckermeister den Eisernen Meisterbrief der Handwerkskammer Halle.
  • Die Bäckerei in Teicha wurde 1911 von Ebenrechts Großvater Karl gegründet und blieb am selben Standort.
  • Vier Angestellte unterstützen die Familie, während zwei Verkaufsfahrzeuge die Umgebung versorgen.
Auch mit 85 Jahren mit Leidenschaft in der Backstube: Gert Ebenrecht ist seit 65 Jahren Bäckermeister - dafür wird er von der Handwerkskammer Halle geehrt. - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Gert Ebenrecht bleibt mit 85 Jahren in der Backstube

Gert Ebenrecht arbeitet auch mit 85 Jahren weiter in der Bäckerei seiner Familie in Teicha im Saalekreis. Nach 65 Jahren als Bäckermeister erhält er am Freitag den Eisernen Meisterbrief der Handwerkskammer Halle.

Früher Start bleibt dem Sohn überlassen

Die Arbeit in der Backstube beginnt um 2 Uhr morgens. Das frühe Aufstehen überlässt Ebenrecht inzwischen seinem Sohn Thomas, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn Max führt.

Alle drei Männer sind Meister ihres Handwerks. Ebenrecht sagt, er arbeite aus freiem Willen weiter und wolle bleiben, solange er körperlich dazu in der Lage sei.

Familienbetrieb mit langer Geschichte

Die Bäckerei wurde 1911 von Ebenrechts Großvater Karl gegründet. Ebenrecht wuchs in der Backstube auf; heute arbeitet bereits die sechste Generation in dem Betrieb mit, dessen Urenkel zwei Jahre alt ist.

Max Ebenrecht kümmert sich um Vertriebs- und Rezeptideen. Die Bäckerei wurde für Dinkelbrot, Stollen und Bierbrot mit insgesamt fünf Kulinarischen Sternen der Agrarmarketinggesellschaft des Landes ausgezeichnet.

Nachwuchs für das Handwerk fehlt

Neben der Familie arbeiten vier Angestellte im Betrieb. Weitere Beschäftigte werden gesucht, doch ausgebildete Lehrlinge brachen ihre Ausbildung ab oder wechselten anschließend in weniger fordernde Berufe.

Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks halbierte sich die Zahl der Lehrlinge von 2014 bis 2024 bundesweit von rund 20.500 auf etwa 10.000.

Tradition unter Kostendruck

Die Familie verkauft ihre Produkte neben dem Geschäft in Teicha auch in einer Filiale im Zentrum von Halle, über zwei Verkaufsfahrzeuge und in regionalen Supermärkten. Für die Aufnahme in die Supermarktregale habe die Familie sechs Jahre Überzeugungsarbeit geleistet.

Ebenrecht erlebt das Bäckerhandwerk heute unter anderem durch billige Ware aus Supermärkten und industrielle Großbäckereien unter stärkerem Druck. An traditionellen Methoden hält er dennoch fest und flechtet den Teig für Mohnzöpfe weiterhin von Hand.

Der Fall der Bäckerei Ebenrecht steht exemplarisch für die Spannung zwischen handwerklicher Kontinuität und dem Strukturwandel im deutschen Bäckerhandwerk. Der Betrieb in Teicha verbindet traditionelle Herstellung mit neuen Vertriebswegen: Neben dem Ladengeschäft und Verkaufsfahrzeugen gelangen die Produkte inzwischen auch in regionale Supermärkte.

Die Nachwuchszahlen zeigen zugleich, wie schwierig es für viele Betriebe ist, diese Arbeitsteilung langfristig zu sichern. Zwischen 2014 und 2024 halbierte sich die Zahl der Auszubildenden im Bäckerhandwerk bundesweit von rund 20.500 auf etwa 10.000. Frühe Arbeitszeiten, körperliche Belastung und der Wettbewerb mit industriell produzierter Ware erschweren die Gewinnung und Bindung von Fachkräften.

Tradition braucht neue Betriebsmodelle

Die drei Meistergenerationen reagieren darauf mit familiärer Arbeitsteilung und einer Verbindung aus handwerklicher Produktion, Produktentwicklung und regionalem Vertrieb. Auszeichnungen für Spezialitäten wie Dinkelbrot, Stollen und Bierbrot können dabei helfen, sich vom preisgetriebenen Massenmarkt abzuheben.

Für Kundinnen und Kunden bedeutet die Entwicklung, dass lokale Bäckereien nicht allein durch Nachfrage, sondern auch durch geeignete Arbeitsbedingungen und tragfähige Nachfolgeregelungen erhalten bleiben. Die Geschichte der Familie Ebenrecht zeigt, dass jahrzehntelange Erfahrung ein großer Wert ist, den ein Betrieb aber nur weitergeben kann, wenn jüngere Generationen Verantwortung übernehmen und das Geschäftsmodell an veränderte Einkaufsgewohnheiten anpassen.

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