Baden-Württemberg is(s)t Bio: Mehr als 100 Einrichtungen machen mit
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Baden-Württemberg hat am 21. September die Themenwoche „Baden-Württemberg is(s)t Bio in der Gemeinschaftsverpflegung“ begonnen. Die bereits zum vierten Mal stattfindende Aktionswoche ist Teil der landesweiten Öko-Aktionswochen, die Mitte September eröffnet wurden und bis Ende Oktober andauern.
Das Ministerium für Ländlicher Raum, Landwirtschaft und Heimat sowie das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) zielen mit der Initiative darauf ab, den Einsatz ökologisch erzeugter Lebensmittel in Kantinen und Mensen zu stärken.
Regionale Beschaffung und steigende Teilnehmerzahlen
Nach Angaben der Veranstalter beteiligen sich landesweit mehr als 100 Einrichtungen der Gemeinschaftsgastronomie mit speziellen Aktionsspeisen an der Themenwoche, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Bei der Eröffnung in der Außenstelle Esslingen des ZSL wurde deutlich, dass der Bio-Anteil in der dortigen Verpflegung zuletzt gestiegen sei. Die verwendeten Produkte stammten dabei überwiegend von Erzeugern und Verarbeitern aus der Region.
Ministerin Marion Gentges betonte in diesem Zusammenhang, dass regionale Bio-Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung zunehmend an Bedeutung gewinnen würden. Die Verwaltungsleiterin des ZSL Esslingen, Bettina Grivelis, erklärte, dass eine Umstellung auf regionale Bio-Verpflegung machbar sei.
In ihrer Einrichtung werde beispielsweise Bio-Fleisch aus der Region angeboten sowie täglich ein saisonales Gemüse- und Salatbuffet bereitgestellt, was bei den Gästen auf positive Resonanz stoße.
Herausforderungen und Coaching-Bedarf in der Schulverpflegung
Auch in anderen Bundesländern steht die Qualität der Gemeinschaftsverpflegung im Fokus. Auf dem Bayerischen Schulverpflegungskongress in Nürnberg wies Alexandra Schenk vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Forsten, Landwirtschaft und Tourismus auf die großen Herausforderungen in diesem Sektor hin.
Das Ministerium unterstütze Einrichtungen daher mit Speiseplan-Checks und Coachings. In diesem Schuljahr hätten sich bereits 35 Schulen und Kindertagesstätten für solche Beratungsangebote angemeldet.
Ein Praxisbeispiel für kommunale Verpflegung findet sich in Neudrossenfeld, wo die Friedrich-von-Ellrodt-Schule eine eigene Mensa betreibt. Küchenchefin Karin Reihs bereitet dort Mahlzeiten für rund 100 Kinder zu und beliefert zusätzlich Kindergärten mit 120 Essen.
Mehr als 100 Einrichtungen der Gemeinschaftsgastronomie beteiligen sich in diesem Jahr mit Aktionsspeisen an der Themenwoche — und zeigen, dass regionale Bio-Verpflegung machbar ist. Unser kostenloser Praxisleitfaden führt Sie in drei Schritten durch die Umstellung: Lieferanten finden, Speiseplan umstellen, Kosten im Griff behalten. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Bio-Umstellung anfordern
Die Gemeinde hat zuletzt in neue Elektrogeräte investiert, um den Betrieb der seit 2010 bestehenden Mensa zu modernisieren. In Kappelrodeck wird die Bedeutung der Schulverpflegung ebenfalls unterstrichen: Dort erhielten Schüler am landesweiten Tag der Schulverpflegung ein kostenloses Mittagessen, bestehend aus regionalen Produkten wie Kürbissuppe und lokalem Obst.
Kostendruck und Investitionen im Verpflegungssektor
Während der Trend zu mehr Bio-Qualität anhält, stehen viele Träger unter erheblichem Kostendruck. In Rheinland-Pfalz zeigen Daten des Wissenschaftsministeriums, dass die Mensapreise seit 2021 teils massiv gestiegen sind.
In Koblenz erhöhte sich der gemittelte Preis pro Gericht von 2,60 Euro auf 3,30 Euro. Die Grüne Landtagsfraktion führt diese Entwicklung auf gestiegene Lebensmittel- und Energiekosten zurück und fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung der Studierendenwerke.
Gleichzeitig investieren große Akteure in moderne Verpflegungskonzepte. Der Flughafen Wien nimmt rund 10 Millionen Euro in die Hand, um die Versorgung von mehr als 23.000 Beschäftigten neu zu organisieren.
Gemeinsam mit dem Dienstleister Eurest entstehen vier Kantinen und automatisierte Verpflegungsstationen, die täglich bis zu 2.200 Portionen ausgeben können. Eurest, das in Österreich über 60.000 Gäste pro Tag bewirtet, setzte sich in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren als Bestbieter durch.
Politische Forderungen nach Qualitätsstandards
In der Debatte um die Verpflegung fordern Sozialverbände und Nichtregierungsorganisationen verbindliche Standards. Der SoVD Niedersachsen kritisierte zuletzt, dass in Pflegeheimen oft nur geringe Beträge für die tägliche Verpflegung vorgesehen seien.
Gestiegene Lebensmittel- und Energiekosten setzen Kantinen unter Druck — in Rheinland-Pfalz sind Mensapreise seit 2021 teils um bis zu rund 50 Prozent gestiegen. Wer trotzdem auf regionale Bio-Qualität setzen will, braucht eine Beschaffungs-Checkliste und einen Speiseplan-Check, die beide Seiten bedienen: Qualität und Budget. Checkliste regionale Beschaffung jetzt sichern
Vorstandsvorsitzender Dirk Swinke äußerte Zweifel, ob bei einem Satz von höchstens 6,77 Euro pro Bewohner eine gesunde und altersgerechte Ernährung sichergestellt werden könne. Der Verband fordert daher die verpflichtende Einführung von Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Auf europäischer Ebene setzen sich zudem über 90 Organisationen und Unternehmen für einen EU-Aktionsplan für nachhaltige Lebensmittelsysteme ein. Ein zentrales Element dieser Forderungen ist das öffentliche Beschaffungswesen: Durch freiwillige Kriterien auf Basis einer gesundheitsfördernden Ernährung in öffentlichen Kantinen soll eine stabile Nachfrage nach nachhaltigen Produkten geschaffen werden.
