Azubi-Recruiting, Trends

Azubi-Recruiting Trends 2026: 53% vertrauen KI mehr als Ausbildern

29.05.2026 - 08:51:31 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt: Azubis bevorzugen KI-Erklärungen gegenüber Ausbildern. Psychische Belastung und digitale Kluft prägen den Ausbildungsmarkt.

Azubi-Recruiting Trends 2026: 53% vertrauen KI mehr als Ausbildern - Foto: über boerse-global.de
Azubi-Recruiting Trends 2026: 53% vertrauen KI mehr als Ausbildern - Foto: über boerse-global.de

Das belegt die aktuelle Studie „Azubi-Recruiting Trends 2026", die am 27. Mai veröffentlicht wurde. Demnach empfinden 53 Prozent der befragten Azubis KI-Erklärungen als verständlicher als die ihrer betrieblichen Ausbilder. Noch deutlicher fällt der Unterschied in der Berufsschule aus: 74 Prozent der Befragten finden KI-Tools hilfreicher als ihre Lehrer.

Digitale Kluft zwischen Azubis und Unternehmen

Die Untersuchung von u-form Testsysteme in Zusammenarbeit mit AUBI-plus und Prof. Dr. Christoph Beck befragte rund 12.000 Auszubildende und Ausbilder. Das Ergebnis offenbart eine wachsende Diskrepanz zwischen dem technologischen Alltag junger Menschen und den Angeboten der Betriebe. Zwar schätzen 85 Prozent der Azubis ihre KI-Kompetenz als hoch ein, doch nur 15 Prozent haben an formalen KI-Weiterbildungen teilgenommen. Noch alarmierender: Die Hälfte aller Unternehmen bietet keinerlei KI-spezifische Lernmöglichkeiten an.

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Ausbildungsmarkt im Umbruch

Der Markt für Ausbildungsplätze hat einen Wendepunkt erreicht. Im Frühjahr 2026 erhielten nur 29 Prozent der Bewerber zwei oder mehr Vertragsangebote – der niedrigste Wert seit 2014. Zum Vergleich: 2025 waren es noch 42 Prozent, 2019 sogar 73 Prozent. Trotz dieser Entspannung für die Unternehmen tun sich viele schwer, geeignete Kandidaten zu finden. Rund ein Drittel der Betriebe konnte 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen.

Die Erwartungen von Unternehmen und Bewerbern klaffen auseinander. Nur 46 Prozent der Firmen nennen in ihren Stellenanzeigen konkrete Vergütungszahlen. Auf der anderen Seite bewerben sich 37 Prozent der Kandidaten nur dann, wenn sie mindestens vier von fünf genannten Kriterien erfüllen. Besonders Frauen zeigen sich zurückhaltend: 42 Prozent von ihnen ziehen sich zurück, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen – bei Männern sind es 32 Prozent. Dabei geben 65 Prozent der Unternehmen an, dass der Gesamteindruck des Bewerbers wichtiger sei als eine strenge Checkliste.

Psychische Belastung nimmt zu

Die Studie zeigt auch eine besorgniserregende Entwicklung beim Gesundheitszustand junger Arbeitnehmer. Drei Viertel der Ausbilder berichten von einem Anstieg der Krankheitstage bei ihren Azubis. Während 54 Prozent der Ausbilder vermuten, dass manche Fehlzeiten nicht gerechtfertigt sind, widersprechen 82 Prozent der Azubis dieser Einschätzung.

Stattdessen verweisen beide Seiten auf psychische Faktoren. Rund 85 Prozent der Ausbilder glauben, dass Azubis heute stärker unter psychischem Druck stehen als vor der Pandemie. Als konkrete Ursachen nennen sie geringe Resilienz (34 Prozent) und psychische Belastung (29 Prozent). Jeder vierte Azubi gab zudem an, wegen psychischer Probleme krankgeschrieben worden zu sein. Auch bei der Wahrnehmung von Unterstützungsangeboten klaffen die Meinungen auseinander: 74 Prozent der Ausbilder sehen ihre Unternehmen gut aufgestellt, was die psychische Gesundheitsvorsorge angeht – aber nur 53 Prozent der Azubis teilen diese Einschätzung.

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KI verändert ganze Branchen

Besonders deutlich zeigt sich der KI-Einfluss in der Informationstechnologie. Ende Mai 2026 wurde bekannt, dass der IT-Dienstleister Materna sein Ausbildungsprogramm von 100 auf 20 Plätze reduziert hat. Der Grund: KI-Tools wie ChatGPT übernehmen zunehmend einfache Programmieraufgaben. Die Universitäten in Dortmund, Bochum und Duisburg-Essen reagieren bereits und bauen ihre Informatik-Studiengänge um – mit mehr KI-Modulen und schnelleren Spezialisierungsmöglichkeiten.

Im Handwerk entstehen neue Initiativen, um die digitale Lücke zu schließen:

  • Projekt AKib: Seit dem 27. Mai 2026 entwickeln die Handwerkskammer Region Stuttgart, das Fraunhofer IAO und die PH Ludwigsburg eine KI-gestützte Lernplattform. Der Pilot konzentriert sich auf Fahrzeug-, Holz- und Dentaltechnik und soll jährlich 1.000 Azubis unterstützen, indem es individuelle Wissenslücken analysiert. Das Projekt läuft bis September 2028.

  • AzubiTrain: In Nordrhein-Westfalen startete Anfang der Woche ein neues Qualifizierungsprogramm. Es bietet acht Online-Module und einen Hackathon in Köln, um KI-Kompetenzen bei Azubis aufzubauen.

  • Akademische Anerkennung: Die Fakultät für Information und Kommunikation der Hochschule der Medien Stuttgart wurde vom Stifterverband zur „Hochschulperle" des Monats Mai 2026 gekürt – für die Integration von KI-Kompetenz in alle Bachelorstudiengänge.

Ausblick: KI als unverzichtbares Werkzeug

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf den Ausbildungsmarkt. Eine am 27. Mai veröffentlichte Elsevier-Studie mit über 2.700 Gesundheitsfachkräften weltweit zeigt: 41 Prozent der Pflegekräfte fühlen sich von Entscheidungen zur KI-Einführung ausgeschlossen – obwohl 80 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen erwarten, dass KI innerhalb eines Jahrzehnts unverzichtbar wird.

Im Mittelstand zeichnet sich ein gemischtes Bild ab: 82 Prozent der österreichischen KMU messen digitalen Technologien inzwischen hohe Bedeutung bei – ein Anstieg von 64 Prozent im Vorjahr. Zwar nutzen 43 Prozent dieser Unternehmen bereits KI, doch viele nennen fehlendes Fachpersonal und finanzielle Engpässe als Haupthindernisse. Eine zweite Ausgabe der u-form-Recruiting-Studie soll im Herbst 2026 weitere Einblicke in diese Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt liefern.

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