Automobilindustrie, Jobs

Automobilindustrie: 6.200 Jobs bei Rheinmetall-Sparte wechseln Investor

05.06.2026 - 15:11:43 | boerse-global.de

König + Neurath schließt Sanierung ab, während neue Insolvenzen und Stellenabbau in der Auto- und Stahlbranche die Belegschaften belasten.

Deutsche Industrie: Sanierungen, Insolvenzen und Druck auf Arbeitsplätze
Automobilindustrie - Eine Gruppe von Fabrikarbeitern und Gewerkschaftsvertretern in einer Industriehalle, die Entschlossenheit und Zusammenhalt zeigt. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Arbeitnehmervertreter in der deutschen Industrie verstärken im Juni 2026 ihren Einsatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten. Während erste Unternehmen ihre Insolvenzverfahren abschließen können, führen geopolitische Spannungen und der Transformationsdruck in der Automobilindustrie zu neuen Krisen.

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Sanierungserfolge und neue Insolvenzen

Der Büromöbelhersteller König + Neurath aus Karben hat sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung planmäßig beendet. Von den ursprünglich 830 Mitarbeitern verbleiben 700 im Betrieb. Die Sanierung erforderte Zugeständnisse: Die Belegschaft leistet einen finanziellen Beitrag durch angepasste Sonderzahlungen und die Verschiebung tariflicher Erhöhungen um drei Jahre. Vorstandschef Patrick Heinen, seit April im Amt, führt die Geschäfte fort.

Parallel dazu meldete der Chemnitzer Textilmaschinenbauer STC Spinnzwirn Insolvenz an. Das 140 Mitarbeiter zählende Unternehmen nennt ausbleibende Aufträge, gestiegene Kosten und geopolitische Unsicherheiten infolge des Iran-Krieges als Gründe. Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus stufte den Kern des Unternehmens als gesund ein. Die Löhne sind bis Juli gesichert, die Eröffnung des Hauptverfahrens wird für den 1. August erwartet.

Automobilbranche: Zulieferer und Werke unter Druck

Der Rüstungskonzern Rheinmetall kündigte den Verkauf seiner zivilen Automotive-Sparte an den Finanzinvestor Aequita für 350 Millionen Euro an. Betroffen sind 6.200 Mitarbeiter. Die IG Metall handelte einen Übergangstarifvertrag mit dreijährigem Kündigungsschutz aus, Standortschließungen sind ausgeschlossen. Rheinmetall begründet den Schritt mit der Konzentration auf das margenstärkere Rüstungsgeschäft.

Bei Volkswagen wächst der Druck auf die deutschen Werke. Betriebsratschef Björn Harmening schloss in Salzgitter Werkschließungen unter Verweis auf Vereinbarungen aus dem Jahr 2024 aus. Der Standort leide jedoch unter hohen Materialkosten für Batteriefahrzeuge und der schwierigen Marktsituation in China. Im VW-Werk Zwickau sank die Beschäftigtenzahl bereits von über 10.000 auf 8.000.

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Zusätzliche Belastungen kommen von Opel-Mutter Stellantis. Für das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim kündigte der Konzern die Streichung von 650 der 1.650 Ingenieurstellen an. Ziel ist die massive Reduzierung der europäischen Produktionskapazität.

Grundstoffindustrie: Warnungen vor Strukturverlusten

Besorgnis äußern Arbeitnehmervertreter auch in der Stahlindustrie. Stephan Ahr, Betriebsratsvorsitzender von Saarstahl, warnt vor einem Scheitern des Projekts zur Herstellung von grünem Stahl. Politische Lobbydruck und die Schuldenlast von 1,7 Milliarden Euro könnten die saarländische Industrie gefährden. Für den 12. Juni ist ein Aktionstag mit mehreren tausend Teilnehmern angekündigt.

In Zweibrücken plant der Maschinenbauer Pallmann den Abbau von etwa der Hälfte der Arbeitsplätze. Oberbürgermeister Marold Wosnitza kündigte Gespräche mit der Landesregierung und Gewerkschaften an.

Tarifkonflikte und Verzögerungen bei Entgelttransparenz

Die Gewerkschaft Verdi rief zu bundesweiten Warnstreiks im Einzel- und Großhandel auf. In Saarbrücken beteiligten sich rund 300 Streikende von Kaufland, Ikea und Rewe. Verdi fordert eine Lohnerhöhung von mindestens 225 Euro monatlich.

Kritik gibt es an der Bundesregierung zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz. Deutschland hat die bereits 2023 beschlossene Richtlinie nicht vollständig umgesetzt. Für den öffentlichen Dienst treten die Bestimmungen am 8. Juni in Kraft, die Privatwirtschaft bleibt außen vor. Ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission droht.

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