Autokrise, Deutschland

Autokrise in Deutschland: Branchenmarge auf Tiefstand seit 10 Jahren

10.06.2026 - 14:20:14 | boerse-global.de

Volkswagen, Mercedes und BMW verzeichnen im ersten Quartal 2026 einen deutlichen Gewinnrückgang. Besonders der Absatz in China bricht ein.

Deutsche Autobauer: Gewinneinbruch und China-Krise belasten Branche
Autokrise - Ein elegantes, modernes deutsches Luxusauto, teilweise verdeckt von Regen und Nebel, parkt nachts auf einer leeren, dunklen Straße. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im ersten Quartal 2026 sank der operative Gewinn von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW um 23 Prozent. Der Umsatz fiel um vier Prozent. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Die Gesamtmarge der Branche liegt nur noch bei 4,6 Prozent – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2022 betrug die Marge noch 13,2 Prozent.

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China-Geschäft bricht ein

Besonders dramatisch ist die Lage auf dem chinesischen Markt. Der Absatz deutscher Hersteller in China ging um 16 Prozent zurück. Ihr Marktanteil fiel auf 26,4 Prozent. 2020 lag dieser Wert noch bei 39,4 Prozent.

Die Gründe: Der Strukturwandel zur Elektromobilität und die wachsende Konkurrenz durch einheimische Anbieter. Chinesische Kunden bevorzugen zunehmend Modelle aus dem eigenen Land.

Während die deutschen Konzerne kämpfen, profitieren US-Hersteller von Sondereffekten. Sie steigerten ihren Gewinn im ersten Quartal um 83 Prozent – vor allem durch Zollrückzahlungen.

Die Experten von EY rechnen nicht mit einer schnellen Erholung. Sie stufen 2026 als weiteres Krisenjahr für die Branche ein.

Auftragseinbruch im gesamten verarbeitenden Gewerbe

Die Autokrise zeigt sich auch in den allgemeinen Industriedaten. Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe sank im April um 3,8 Prozent. Das ist doppelt so viel wie von Ökonomen erwartet.

In der Automobilindustrie selbst fielen die Aufträge um 5,3 Prozent. Noch härter traf es den Maschinenbau mit minus 7,4 Prozent und die Elektroindustrie mit minus 16,3 Prozent.

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Der Einbruch ist teilweise eine Gegenbewegung zum starken März. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar hatten viele Unternehmen Käufe vorgezogen. Nun zeigen sich die Folgen der geopolitischen Lage zeitverzögert.

Das ifo-Institut meldet zudem: Im Mai klagten 15,9 Prozent der Betriebe über Materialmangel. In der Chemiebranche lag der Anteil sogar bei über 31 Prozent.

Neuzulassungen: E-Auto-Prämie treibt Privatkäufe

Trotz der schwierigen Lage zeigt der Mai 2026 ein differenziertes Bild bei den Neuzulassungen. Mit 239.448 registrierten Pkw lag das Niveau laut Dataforce um 0,1 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Während Flotten- und Transportermarkt Rückgänge verzeichneten, stiegen die privaten Zulassungen um 8,4 Prozent. Grund ist eine neue E-Auto-Prämie. Sie hob den Marktanteil der Elektrofahrzeuge auf ein Jahreshoch von 36,4 Prozent.

Der Gebrauchtwagenmarkt gab dagegen deutlich nach. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für Mai einen Rückgang der Besitzumschreibungen um 11,7 Prozent auf rund 480.740 Fahrzeuge.

Konjunkturaussichten gedämpft

Die wirtschaftlichen Aussichten für das Gesamtjahr bleiben verhalten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Bundesregierung haben ihre Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt auf 0,5 Prozent halbiert. Hohe Produktionskosten und ein verhaltenes Investitionsklima bremsen die Erholung.

Vor diesem Hintergrund findet heute ein Spitzentreffen der Koalition mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden statt. Im Fokus stehen Reformen bei Steuern und Arbeit sowie der Abbau von Bürokratie. Ein weiterer Koalitionsausschuss ist für den 30. Juni geplant. Dann sollen Maßnahmen zur Senkung der Industriekosten beraten werden.

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