Autokrise: BMW, VW und Mahle streichen tausende Stellen
17.06.2026 - 14:12:45 | boerse-global.de
Mitte Juni 2026 kündigten BMW, der Zulieferer Mahle und indirekt auch Volkswagen umfangreiche Sparprogramme und Personalstreichungen an. Allein 2025 fielen bereits zehntausende Arbeitsplätze weg.
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BMW reagiert auf Gewinnwarnung mit massivem Sparkurs
Der Münchner Premiumhersteller hat am 16. Juni 2026 beschleunigte Kostensenkungsmaßnahmen angekündigt. Grund ist eine Gewinnwarnung: Der Vorsteuergewinn soll um mindestens zehn Prozent sinken. Für das zweite Halbjahr rechnet BMW mit einer Einmalbelastung von rund einer Milliarde Euro.
Das Unternehmen plant einen Personalabbau von einem bis fünf Prozent der weltweit rund 155.000 Mitarbeiter. Bereits 2025 hatte der Konzern etwa 3.000 Stellen gestrichen. Der seit Mai amtierende CEO Milan Nedeljkovic nennt als Hauptgründe einen massiven Absatzeinbruch in China – die Verkäufe gingen von Januar bis Mai um 20 Prozent zurück – sowie die Auswirkungen des Krieges im Iran.
VW-Konzern: Existenzgefahr und Werkskrise
Noch dramatischer ist die Lage bei Volkswagen. Eine interne Umfrage unter den Vorständen, über die das Manager Magazin berichtete, zeigt: Sechs von neun Vorstandsmitgliedern bewerten die aktuelle Situation als existenzgefährdend. Alle befragten Führungskräfte fordern einen radikalen Strategiewechsel, besonders in China und Nordamerika.
Konkret betroffen ist der Standort Osnabrück. Die Produktion des T-Roc Cabrio wird gedrosselt, der Werksurlaub im August um eine Woche verlängert. Anschließend soll eine Vier-Tage-Woche folgen. Da die Arbeit am Standort absehbar zur Neige geht, prüft VW alternative Perspektiven für die rund 2.300 Beschäftigten. Bis Jahresende soll eine Entscheidung fallen – möglicherweise über eine Nutzung durch Rüstungskonzerne wie Rheinmetall oder Rafael ab 2027.
Zusätzlich gerät die Konzernführung vor der Hauptversammlung am 18. Juni unter Druck. Kritische Aktionäre bemängeln die geplante Dividende von rund 2,6 Milliarden Euro als zu hoch. Das Konzernergebnis war 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro eingebrochen.
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Zulieferer Mahle streicht 1.000 Stellen
Die schwierige Marktlage trifft auch die Zulieferindustrie. Mahle kündigte am 15. Juni an, weltweit weitere 1.000 Stellen in Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung zu streichen. Ziel ist eine jährliche Einsparung von 150 Millionen Euro ab 2027. Rund die Hälfte soll in Deutschland realisiert werden, Schwerpunkt ist Stuttgart.
Der Abbau erfolgt über Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme. Das Unternehmen begründet den Schritt mit Wettbewerbsdruck aus China, US-Zöllen und dem Ende des Verbrennungsmotors. Ende 2025 beschäftigte Mahle in Deutschland noch etwa 10.000 Mitarbeiter – nachdem bereits 600 Stellen weggefallen waren.
Strukturwandel trifft den Standort hart
Die aktuellen Meldungen reihen sich in eine negative Gesamtentwicklung ein. Laut Daten von Berylls by AlixPartners baute die deutsche Autoindustrie allein 2025 rund 49.000 Stellen ab – ein Rückgang von 6,5 Prozent. Seit 2019 summieren sich die Verluste auf etwa 100.000 Arbeitsplätze.
Experten sehen die Ursachen in den hohen Standortkosten: Die Lohnkosten liegen in Deutschland bei über 40 Euro pro Stunde, in den USA bei etwa 30 Euro, in China bei unter 10 Euro. Der Industriestrompreis von bis zu 20 Cent pro Kilowattstunde liegt deutlich über dem US-Niveau. Im ersten Quartal 2026 erreichten die Insolvenzen in Deutschland mit über 4.500 Fällen den höchsten Stand seit 20 Jahren.
