Autokrise, BMW

Autokrise: BMW, Mercedes und VW bauen Hunderttausende Stellen ab

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Hersteller erleben Gewinneinbruch und Stellenabbau. Derweil fordert die Union eine zügige Rentenreform, während die Produktion leicht anzieht.

Autokrise 2026: Mercedes, BMW und VW im Margen-Kollaps – Tausende Jobs bedroht
Leere Produktionsstraße in einer deutschen Automobilfabrik, die die aktuelle Industriekrise symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Autoindustrie steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten, und der politische Streit um die Rentenreform verschärft die Lage. Unionsfraktionschef Thorsten Frei fordert Tempo bei den Sozialreformen, während die Branche mit massiven Gewinneinbrüchen kämpft.

Margen-Kollaps bei Premiumherstellern

Die Zahlen sind vernichtend: Mercedes-Benz musste im ersten Halbjahr 2026 einen Einbruch der Ebit-Marge im Pkw-Geschäft auf 1,9 Prozent verkraften. Vor drei Jahren lag sie noch bei stolzen 14,3 Prozent. Der operative Gewinn des Stuttgarter Konzerns schrumpfte seit 2023 um 90 Prozent.

Auch BMW und Volkswagen bluten. BMW erreichte im zweiten Quartal nur noch eine Marge von 3,6 Prozent – weit entfernt vom Zielwert von 10 Prozent. Volkswagen meldete einen Gewinnrückgang von 30 Prozent. Haupttreiber der Misere: das schwächelnde China-Geschäft. Die Neuzulassungen deutscher Marken in der Volksrepublik brachen drastisch ein: Mercedes minus 27 Prozent, VW minus 26 Prozent, BMW minus 20 Prozent. Chinesische Hersteller wie BYD erobern derweil mit einem Absatzplus von über 365 Prozent im Juli den Markt.

Tausende Jobs vor dem Aus

Die Krise erreicht jetzt die Belegschaften. BMW will weltweit 8.000 Stellen bis 2027 streichen, bei Mercedes stehen rund 5.500 Arbeitsplätze auf der Kippe. Bei Volkswagen könnten Schätzungen zufolge bis zu 100.000 Stellen betroffen sein.

Besonders hart trifft es die Zulieferer. Die VW-Tochter IAV plant, bis Ende 2027 rund 40 Prozent ihrer Stellen abzubauen – die Belegschaft schrumpft auf 2.970 Mitarbeiter. Schaeffler setzt auf Altersteilzeit und streicht 1.800 Stellen. Immerhin: Der Zulieferer sicherte sich zuletzt drei Großaufträge im Robotik-Bereich mit einem Volumen von 350 Millionen Euro, unter anderem durch eine Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Xpeng. Ein Hoffnungsschimmer in düsteren Zeiten.

Rentenstreit: Frei drängt auf Herbst-Termin

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Vor diesem Hintergrund verlangt Unionsfraktionschef Thorsten Frei von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mehr Tempo. Der Referentenentwurf zur Rentenreform soll bereits im Herbst vorliegen. Der zentrale Streitpunkt: die Abschaffung der Rente mit 63.

Ökonomen warnen, ohne diesen Baustein sei das gesamte Rentenpaket gefährdet. Doch sieben Ministerpräsidenten blockieren – darunter alle Vertreter der ostdeutschen Bundesländer. Frei signalisiert Gesprächsbereitschaft: Härtefall- und Übergangsregelungen für gesundheitlich eingeschränkte Arbeitnehmer seien denkbar.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht enormes Potenzial in einer Reform: rund 125.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahrgang und Einsparungen von etwa 10 Milliarden Euro. Wäre das nicht ein Argument, das die Gemüter beruhigen könnte?

Bauwirtschaft schimpft über Entlastungsprämie

Auch aus der Baubranche kommt scharfe Kritik an der Regierung. Die geplante Entlastungsprämie von 1.000 Euro bezeichnen die Bauverbände NRW als enttäuschend. Die Kosten solcher Maßnahmen würden letztlich auf die Betriebe abgewälzt, die bereits unter hohen Energie- und Rohstoffpreisen ächzen.

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Trotz der Autokrise zeigt die Gesamtindustrie leichte Erholung: Die deutsche Produktion stieg im Juni um 0,2 Prozent – das dritte Plus in Folge. Die Autoindustrie verzeichnete sogar ein Wachstum von 3,6 Prozent, während der Maschinenbau mit minus 3,9 Prozent kämpfte. Das BIP wuchs im zweiten Quartal immerhin um 0,2 Prozent.

Die Stimmung in der Bevölkerung bleibt jedoch im Keller. 85 Prozent der Befragten sind laut ARD-DeutschlandTREND mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden. In der Sonntagsfrage liegt die AfD bei 28 Prozent, die Union bei 21 Prozent. Die Geschäftserwartungen der Autobranche verbesserten sich laut ifo-Institut zwar leicht auf -0,1 Punkte – aber von Optimismus kann keine Rede sein.

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