Autoindustrie-Krise: Volkswagen streicht bis zu 100.000 Stellen
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 06:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) forderte am Dienstag tiefgreifende Reformen und mehr Kostendisziplin. Grund sind sinkende Margen und eine schwache Auslastung der Werke. Während Volkswagen und Mercedes bereits massiv sparen, wächst der Widerstand in der Belegschaft.
Volkswagen streicht bis zu 100.000 Stellen
Im Zentrum der Krise steht Volkswagen. Der Konzern plant einem Medienbericht zufolge den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Besonders hart trifft es die deutschen Standorte: Die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm stehen offenbar vor der Schließung.
Das Ziel: Der Konzern soll bis 2030 deutlich schlanker werden. Die operative Marge der Kernmarke VW lag im ersten Quartal bei mageren 2,8 Prozent – die Gruppe insgesamt kam auf 4,3 Prozent. Konzernchef Oliver Blume will dem Aufsichtsrat am Donnerstag ein entsprechendes Maßnahmenpaket vorlegen.
Ob sich die harten Einschnitte durchsetzen lassen, ist offen. Bereits 37.000 Beschäftigte haben Abfindungsverträge unterschrieben. Parallel arbeitet VW an einer Neuausrichtung im Softwarebereich und kooperiert dafür mit den US-Partnern Rivian und Xpeng.
IG Metall ruft zum Protest auf
Die Gewerkschaft schaltet auf Konfrontation. Für Donnerstag hat die IG Metall zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. Geplant sind Kundgebungen in Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt, Hannover und Zwickau.
Auch bei Mercedes-Benz brodelt es. Bereits am vergangenen Freitag protestierten mehr als 33.000 Beschäftigte gegen die Sparpläne des Managements. Streitpunkte sind unter anderem die Einführung einer 40-Stunden-Woche und verschobene Sonderzahlungen. Zudem gab Mercedes am Dienstag den Verkauf der Niederlassung Berlin-Brandenburg bekannt – sieben Standorte mit rund 1.100 Beschäftigten gehen an die Global Auto Holdings.
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Jedes dritte Werk in Europa gilt als überflüssig
Die strukturellen Probleme der Branche sind enorm. Eine Studie der Unternehmensberatung BCG kommt zu dem Ergebnis, dass in Europa rund 35 Fahrzeugwerke als überflüssig gelten. Deutsche Fabriken sind im Schnitt nur zu 67 Prozent ausgelastet.
Ein Beispiel für den Kostendruck: Die Mercedes C-Klasse wird in Ungarn deutlich günstiger produziert als an heimischen Standorten. Der VDA zeichnet ein düsteres Langzeitbild. Bereits Mitte Mai prognostizierte der Verband den Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert deshalb mehr Wettbewerbsfähigkeit – und brachte sogar die Öffnung für ausländische Hersteller ins Gespräch.
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Porsche SE verbucht Verlust von 923 Millionen Euro
Die Krise schlägt sich auch in den Bilanzen nieder. Die Porsche SE meldete für das erste Quartal einen Verlust von 923 Millionen Euro – verursacht durch Abschreibungen auf die VW-Beteiligung. Gleichzeitig kürzt Porsche die Boni, der Zulieferer Mahle verzichtete sogar auf geplante Tariferhöhungen.
Arbeitgeber und Gewerkschaften steuern auf eine schwierige Tarifrunde im Herbst zu. Experten sehen die aktuellen Spannungen als Alarmsignal für das Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie. Die Kombination aus hohen Kosten, sinkender Nachfrage – VW liefert rund zwei Millionen Fahrzeuge weniger aus als 2019 – und dem technologischen Umbruch zwingt die Branche zur grundlegenden Neuausrichtung.
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