Autoindustrie-Krise: IG Metall fordert Neuausrichtung statt Werkschließungen
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 11:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bezirksleiter Daniel Friedrich betonte am heutigen Mittwoch: Der Standort Deutschland bleibe durch hohe Qualität und Produktivität wettbewerbsfähig – höhere Lohnkosten ließen sich so ausgleichen.
Standortschließungen oder das Infragestellen von Tarifverträgen seien keine konstruktive Antwort auf die Branchenkrise. In den Werken von Volkswagen und Mercedes-Benz in Hamburg, Bremen und Emden arbeiten mehr als 20.000 Mitarbeiter.
Produktivität statt Werkschließungen
Die Gewerkschaft fordert effizientere Prozesse und eine gemeinsame Gestaltung des Wandels mit der Belegschaft. Friedrich unterstrich: Wettbewerbsfähigkeit lasse sich nicht allein über Kostensenkungen bei den Arbeitnehmern erreichen.
Die Positionierung kommt in einer zunehmend angespannten Lage bei den großen Herstellern. Bereits am 9. Juli hatte eine VW-Aufsichtsratssitzung kein konkretes Sparpaket gebracht. Betriebsratschefin Daniela Cavallo setzte daraufhin ein Ultimatum bis zum 10. Juli und drohte mit außerordentlichen Betriebsversammlungen.
Konzernweite Unsicherheit
Am 13. Juli bezifferte VW-Konzernchef Oliver Blume den möglichen Stellenabbau weltweit auf rund 50.000 Arbeitsplätze – falls die Arbeitskosten nicht sinken. Er sprach von einer theoretischen Ableitung und betonte: Intelligente Lösungen seien besser als Werkschließungen.
Dennoch gelten Standorte wie Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm als gefährdet. Ihnen fehlt für die kommenden Jahre eine wettbewerbsgerechte Auslastung.
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Bei der Kernmarke Volkswagen sind in Deutschland bereits Pläne bekannt: bis 2030 rund 35.000 Stellen abbauen. Konzernweit ist von 50.000 Stellen die Rede. Medienberichte über einen Abbau von bis zu 120.000 Stellen weltweit bis 2034 ordnete Experte Frank Schwope ein: Er hält eine Einigung auf 30.000 bis 40.000 Stellen für wahrscheinlich. Ferdinand Dudenhöffer rechnet nicht mit großflächigen Werkschließungen, sieht aber Neckarsulm als potenziell gefährdet.
Düstere Prognosen für Zulieferer
Auch die Industrieverbände schlagen Alarm. VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte am 14. Juli: Bis 2035 droht der Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen in Deutschland – sofern sich die Standortbedingungen bei Energiepreisen, Bürokratie und Steuern nicht verbessern. Sie forderte zudem eine Debatte über längere Arbeitszeiten.
Branchenexperte Stefan Bratzel vom CAM warnte vor erheblichen Dominoeffekten. Sollten bei Volkswagen 50.000 Stellen entfallen, könnten bei Zulieferern bis zu 200.000 weitere Arbeitsplätze betroffen sein. Jörg Raasch ergänzte: Die deutsche Autoindustrie sei in Batterietechnologie, Software und autonomem Fahren nicht optimal aufgestellt.
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Investitionen in neue Geschäftsfelder
Trotz der Sparzwänge gibt es Bestrebungen, Standorte durch neue Technologien zu sichern. In Zwickau plant Volkswagen eine Investition von 90 Millionen Euro – das Werk soll ein Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft werden.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kritisierte am 14. Juli jedoch einen massiven Vertrauensverlust durch die anhaltenden Diskussionen um Werkschließungen. Er forderte zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche.
Forschungsdirektor Thomas Gornig vom DIW wies darauf hin: Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland an Fahrt. Mit zwei Millionen zugelassenen batterieelektrischen Fahrzeugen und einem wachsenden Ladenetz müsse die Branche Software und Batterietechnik als neuen Kern der Produktion begreifen. Die politische Forderung nach Technologieoffenheit kritisierte er als potenzielles Hindernis für den notwendigen Wandel.
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