Autoindustrie, Allianz Trade

Autoindustrie: Allianz warnt vor falschem Sparen und wachsendem China-Rückstand

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Europas Autohersteller haben ihre Investitionen laut Allianz Trade in diesem Jahr um 20 Prozent gekürzt. Die Ökonomen warnen, dass dadurch der Rückstand bei Digitalisierung und Batterietechnik gegenüber China weiter wachsen könnte.

Europas Autohersteller haben nach Einschätzung der Allianz ihr Geld zu lang für Verbrennertechnologie, kurzfristige Renditen und Dividenden ausgegeben. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa
Europas Autohersteller haben nach Einschätzung der Allianz ihr Geld zu lang für Verbrennertechnologie, kurzfristige Renditen und Dividenden ausgegeben. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Europas und Deutschlands Autoindustrie droht nach Einschätzung der Allianz durch eine falsche Sparpolitik ein weiterer Rückschlag im Wettbewerb mit China.

Investitionen sinken trotz Technologiedruck

Die Unternehmen hätten ihre Investitionen in diesem Jahr um 20 Prozent reduziert, teilte Allianz Trade in einer Studie mit. Europäische Großkonzerne aus anderen Branchen hätten ihre Investitionen dagegen um zehn Prozent erhöht.

Die Allianz-Ökonomen führen den Niedergang der europäischen Autoindustrie vor allem auf Fehlentscheidungen bei der Kapitalverwendung zurück. Über zwei Jahrzehnte sei zu viel Geld in Verbrennertechnik, kurzfristige Renditen und Dividenden geflossen, während Investitionen in Elektrifizierung und Digitalisierung zu spät erfolgt seien.

Gießkanne statt klarer Schwerpunkte

Als die Autobauer ihr Kapital schließlich umgeschichtet hätten, sei es auf zu viele Vorhaben verteilt worden, sagte Allianz-Trade-Autofachmann Guillaume Dejean. Die Kapitalallokation der vergangenen zwei Jahrzehnte sei ein Bumerang, der nun zurückkomme.

Anlass für die Veröffentlichung ist die am kommenden Montag beginnende Pariser Autoshow. Der Anteil europäischer Aussteller sinkt laut Allianz auf nur noch 40 Prozent.

Wertschöpfung und Marktanteile unter Druck

Die Wertschöpfung je in Europa verkauftem Auto sei seit 2021/22 um 30 bis 45 Prozent zurückgegangen, heißt es in der Studie. In Europa hätten die Hersteller zehn Prozent Marktanteil verloren, in China sieben Prozent.

Weitere Verluste könnten erhebliche finanzielle Folgen haben, warnte Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in den deutschsprachigen Ländern. Verlöre die deutsche Autoindustrie bis 2030 in Europa und China jeweils drei weitere Prozentpunkte, wären demnach rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung gefährdet.

Warnung vor einer Aufweichung des Verbrennerziels

Eine Aufweichung des für Neufahrzeuge ab 2035 geplanten Verbrennerverbots ohne verbindlichen Fahrplan berge die Gefahr, dass Europas Hersteller noch weiter hinter die asiatische Konkurrenz zurückfielen, warnen die Allianz-Ökonomen.

Software als möglicher Ausweg

Der Niedergang sei jedoch nicht zwangsläufig. Zusätzliche Umsätze könnten vor allem Software und digitale Dienstleistungen bringen. Zudem böten europäische Elektroautos unter 50.000 Euro laut Studie teilweise ein besseres Preis-Reichweiten-Verhältnis als chinesische Modelle.

Strukturwandel mit hoher Fallhöhe

Die Autoindustrie steht gleichzeitig unter Kostendruck, vor einem Technologiewechsel und im Wettbewerb mit Herstellern aus China. Investitionen in Software, Batterien und digitale Dienste entscheiden deshalb nicht nur über einzelne Modellreihen, sondern zunehmend über die industrielle Wertschöpfung in Europa.

Die von Allianz Trade beschriebene Entwicklung trifft auf konkrete Sparprogramme bei deutschen Herstellern. Werden Werke geschlossen oder Kapazitäten dauerhaft reduziert, betrifft das neben den Beschäftigten auch Zulieferer, regionale Dienstleister und kommunale Einnahmen. Der Anpassungsdruck reicht damit weit über die Unternehmen selbst hinaus.

Politik zwischen Planungssicherheit und Flexibilität

Parallel wird in Europa über die Ausgestaltung des für 2035 vorgesehenen Verbrenner-Aus diskutiert. Eine Lockerung könnte Herstellern kurzfristig mehr Spielraum geben, würde aber zugleich den Anreiz für den schnellen Ausbau elektrischer Plattformen und Ladeangebote verändern.

Für Käufer bedeutet die Entwicklung eine größere Auswahl bei Elektrofahrzeugen, aber auch Unsicherheit über Preise, Modellverfügbarkeit und Restwerte. Die Allianz-Studie verweist zugleich auf eine mögliche Stärke europäischer Anbieter: Bei Elektroautos unter 50.000 Euro könne das Verhältnis von Preis und Reichweite bereits konkurrenzfähig sein. Entscheidend bleibt, ob daraus dauerhaft profitable Geschäftsmodelle entstehen.

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