Autobahn-Notrufsäulen: 17.000 Säulen auf dem Prüfstand
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 14:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNotrufsystem bleibt vorerst bestehen
- Die Autobahn GmbH prüft eine mittelfristige Abschaltung der Notrufsäulen.
- 2009 gingen rund 167.000 Meldungen über die Säulen ein, 2023 waren es noch rund 30.000.
- Der Betrieb kostete 2025 rund 4,5 Millionen Euro nach rund 8,2 Millionen Euro im Jahr 2024.
Autobahn GmbH prüft Zukunft der Notrufsäulen
Rund 17.000 orangefarbene Notrufsäulen stehen an deutschen Autobahnen, doch ihre Nutzung geht stark zurück. Die Autobahn GmbH prüft deshalb eine mittelfristige Abschaltung, eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht.
Hilfe bei Panne und Unfall
Die Säulen stehen seit Jahrzehnten im Abstand von etwa zwei Kilometern an beiden Fahrtrichtungen. Schwarze Pfeile an den Leitpfosten weisen den Weg; über eine gelbe Taste lässt sich eine Panne melden, eine rote Taste dient dem Notfall.
Seit 2024 bearbeitet Bosch Service Solutions die Notruf- und Pannenmeldungen im Auftrag der Autobahn GmbH. Ziel ist es, bei Unfällen und Pannen schnelle Hilfe zu organisieren.
Notrufe gehen deutlich zurück
Nach Angaben der Autobahn GmbH sank die Zahl der Meldungen über die Säulen von rund 167.000 im Jahr 2009 auf etwa 30.000 im Jahr 2023. Als Grund gilt vor allem die Verbreitung von Mobiltelefonen.
Die Betriebskosten einschließlich Wartung, Instandhaltung und Notrufzentrale lagen 2025 bei rund 4,5 Millionen Euro. Im Jahr 2024 waren es rund 8,2 Millionen Euro.
Verkehrssicherheit bleibt Streitpunkt
Die Autobahn GmbH will technische Entwicklung, tatsächliche Nutzung und Verkehrssicherheit gegeneinander abwägen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, die Deutsche Verkehrswacht und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft warnen davor, die Bedeutung der Säulen allein an den sinkenden Nutzungszahlen zu messen.
Als Vorteil gilt ihre Unabhängigkeit vom Mobilfunknetz. Der Unfallforscher Siegfried Brockmann verwies zudem auf weiterhin tausende Meldungen und auf ausländische Autofahrer, die mit dem System vertraut sind.
ADAC fordert bessere Mobilfunkabdeckung
Der ADAC hält eine Abschaltung wegen der technischen Überalterung grundsätzlich für nachvollziehbar. Voraussetzung sei jedoch, dass zunächst bestehende Lücken in der Mobilfunkversorgung an Autobahnen geschlossen würden.
Notrufstationen in Tunneln sollten nach Einschätzung des ADAC langfristig erhalten bleiben. In den Niederlanden und in Dänemark wurden Autobahn-Notrufsäulen wegen geringer Nutzung bereits abgeschafft.
Die Debatte über die Autobahn-Notrufsäulen verbindet einen deutlichen Nutzungsrückgang mit einer sicherheitspolitischen Abwägung. Zwischen 2009 und 2023 sank die Zahl der über die Säulen gemeldeten Fälle von rund 167.000 auf etwa 30.000. Gleichzeitig bleibt das System eine vom Mobilfunk unabhängige Infrastruktur, die auch bei Funklöchern, leeren Akkus oder fehlender technischer Ausstattung im Fahrzeug funktionieren kann.
Mit eCall steht seit Jahren eine zusätzliche Möglichkeit bereit: Das System kann nach einem schweren Unfall automatisch oder manuell eine Verbindung zur 112 herstellen. Es ersetzt die Säulen aber nicht vollständig, weil es an kompatible Fahrzeuge und funktionierende Fahrzeugtechnik gebunden ist. Für Pannen ist zudem entscheidend, dass Hilfe auch dann angefordert werden kann, wenn kein Unfall vorliegt.
Sicherheitslücken müssen ausgeschlossen werden
Für Autofahrer hätte eine mittelfristige Abschaltung vor allem dann praktische Folgen, wenn sie auf Strecken ohne stabile Mobilfunkversorgung liegenbleiben. Besonders Reisende aus dem Ausland könnten von einer sichtbaren, standardisierten Notrufmöglichkeit profitieren. Der ADAC knüpft eine Abschaltung deshalb an eine bessere Mobilfunkabdeckung; Tunnel-Notrufstationen sollen aus seiner Sicht erhalten bleiben.
Die Prüfung betrifft damit nicht nur die laufenden Kosten von Betrieb, Wartung und Notrufzentrale, sondern auch die Frage, welches Sicherheitsniveau künftig zuverlässig gewährleistet werden kann. Eine Entscheidung der Autobahn GmbH steht noch aus; bis dahin bleiben die rund 17.000 Säulen Teil der Autobahninfrastruktur.
