Autobahn GmbH: Bilger plant Kreditaufnahme für 4 Mrd. Euro Entlastung
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 23:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Finanzierung der Bundesfernstraßen steht vor einem grundlegenden Kurswechsel. Nach Medienberichten hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der der bundeseigenen Autobahn GmbH künftig die Aufnahme eigener Kredite gestatten soll.
Die seit 2021 für das Autobahnnetz zuständige Gesellschaft soll dadurch finanziell flexibler aufgestellt werden. Ziel der Reform ist es, Investitionen in das Straßennetz verlässlicher über einzelne Haushaltsjahre und Legislaturperioden hinaus zu planen und umzusetzen.
Geplante Entlastung des Bundeshaushalts
Kern der Initiative ist eine finanzpolitische Verschiebung. Die vorgesehene eigene Schuldenaufnahme der Gesellschaft soll den Bundeshaushalt um mehr als 4 Milliarden Euro jährlich entlasten. Zugleich soll mit den zusätzlichen Finanzierungsspielräumen der erhebliche Sanierungsstau bei den deutschen Fernstraßen abgebaut werden.
Politisch knüpft das Vorhaben an bestehende Vereinbarungen an: Bereits der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, die Autobahn GmbH begrenzt kreditfähig zu machen. Perspektivisch ist für Bundesverkehrsminister Bilger zudem auch eine Pkw-Maut kein Tabu mehr, um die Infrastruktur langfristig zu refinanzieren.
Kritik am Modell eines Nebenhaushalts
Die Finanzierung der Bundesfernstraßen steht vor einem Kurswechsel: Ein Gesetzentwurf soll der Autobahn GmbH künftig eigene Kredite erlauben und den Bundeshaushalt um mehr als 4 Milliarden Euro jährlich entlasten. Wie sich das auf Investitionsplanung und Mittelabfluss auswirkt, ordnet unsere kostenlose Analyse ein. Analyse zur Autobahn-Finanzierung anfordern
Der Vorstoß stößt jedoch auf haushaltspolitische Bedenken. Kritiker beschreiben die Reform bereits als neuen Schattenhaushalt, da Schulden aus dem regulären Bundesetat in ein staatliches Unternehmen ausgelagert würden.
Gleichzeitig verweisen Haushaltspolitiker auf bestehende Probleme beim Mittelabfluss. SPD-Haushaltspolitiker Uwe Schmidt kritisierte mit Blick auf den Verkehrsetat, dass von den Mitteln des Ministeriums für das laufende Jahr in den ersten sieben Monaten erst ein Drittel abgeflossen sei. Er mahnte vor diesem Hintergrund ein deutlich schnelleres Bauen bei der Verkehrsinfrastruktur an.
Der finanzielle Rahmen der Verkehrsinfrastruktur
Von den Verkehrsministerium-Mitteln des laufenden Jahres sind in den ersten sieben Monaten erst rund ein Drittel abgeflossen — während der Sanierungsstau bei Fernstraßen bleibt. Unsere kostenlose Analyse zeigt, wie Kernhaushalt, Sondervermögen und die geplante Kreditaufnahme der Autobahn GmbH zusammenspielen. Überblick zu Haushalt und Sondervermögen sichern
Der gesamte Verkehrshaushalt für das laufende Jahr beziffert sich auf 44,15 Milliarden Euro und fällt damit um knapp 5 Milliarden Euro geringer aus als im vorangegangenen Finanzjahr. Er setzt sich aus einem Kernhaushalt in Höhe von 26,43 Milliarden Euro sowie Sondervermögen im Umfang von 17,72 Milliarden Euro zusammen.
Von den Gesamtmitteln sind 12,75 Milliarden Euro für Autobahnen vorgesehen. Für die Schienenwege stehen 16,67 Milliarden Euro bereit, während auf die Bundeswasserstraßen ein Anteil von 3 Milliarden Euro entfällt. Die geplante begrenzte Kreditaufnahme der Autobahn GmbH zielt darauf ab, diesen engen etatmäßigen Rahmen künftig zu erweitern und Baumaßnahmen unabhängiger von jährlichen Haushaltsverhandlungen abzusichern.
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