Auslandsinvestitionen, Projekte

Auslandsinvestitionen: 548 Projekte – Einbruch um 44 Prozent

03.06.2026 - 12:11:27 | boerse-global.de

EY-Studie belegt drastischen Rückgang ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren.

Auslandsinvestitionen: 548 Projekte – Einbruch um 44 Prozent - Bild: über boerse-global.de
Auslandsinvestitionen: 548 Projekte – Einbruch um 44 Prozent - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt die aktuelle EY-Studie zur europäischen Standortattraktivität, die am Montag auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF) in Bad Saarow vorgestellt wurde. Während Europa insgesamt einen Rückgang von sieben Prozent bei neuen Investitionsprojekten verzeichnete, schnitt Deutschland mit einem Minus von zehn Prozent deutlich schlechter ab.

Nur 548 neue Projekte zählte die Bundesrepublik im vergangenen Jahr – ein Einbruch von 44 Prozent im Vergleich zu 2019. Damit landet Deutschland hinter Frankreich (852 Projekte) und Großbritannien (730 Projekte) nur auf Platz drei. Länder wie Spanien (plus 20 Prozent) und die Türkei (plus 7 Prozent) legten dagegen zu.

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Kanzler räumt Standortprobleme ein

Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich auf dem OWF selbstkritisch: Deutschland sei für viele Investoren schlicht zu teuer geworden. Dennoch sieht der Kanzler keinen Grund für Pessimismus. Die schwarz-rote Koalition will noch vor der Sommerpause ein umfassendes Reformpaket auf den Weg bringen. Geplant sind unter anderem eine Unternehmenssteuerreform für 2025, niedrigere Körperschaftssteuersätze und Entlastungen bei den Strompreisen.

Ein weiterer Schwerpunkt: der Bürokratieabbau. Ein eigenes Kabinett dazu ist für den 15. Juli angesetzt. Merz kündigte zudem eine überfällige Reform der gesetzlichen Krankenversicherung an. Auch die Senkung der Sozialabgaben für Gering- und Mittelverdiener steht auf der Agenda.

Ostdeutschland als heimlicher Hoffnungsträger

Während die nationale Bilanz düster ausfällt, zeigt sich regional ein differenziertes Bild. Der Kanzler hob die Bedeutung Ostdeutschlands als Innovationsstandort hervor: Jeder dritte in Europa produzierte Halbleiter stamme inzwischen aus Sachsen. Die Ansiedlung von TSMC und das neue Infineon-Werk in Dresden untermauern diesen Trend.

Cottbus entwickelt sich zudem zur Modellregion für den Strukturwandel. Rund zehn Milliarden Euro Fördermittel fließen bis 2038 in die Lausitz. Ein klares Signal – doch die industrielle Realität sieht vielerorts anders aus.

Chemiebranche ächzt unter Bürokratie und Energiekosten

Eine Studie von Dr. Wieselhuber & Partner im Auftrag des VCI zeigt: Das Geschäftsklima für mittelständische Chemieunternehmen hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich verschlechtert. Hauptbelastungen sind hohe Energiekosten und überbordende Bürokratie. 45 Prozent der befragten Firmen klagen über regulatorische Hürden.

Hinzu kommen Lieferkettenprobleme. Das Ifo-Institut meldete für Mai 2026, dass 15,9 Prozent der Industrieunternehmen Engpässe bei Vorprodukten melden – ein Anstieg um das Dreifache seit Jahresbeginn. Mitverantwortlich gemacht wird der anhaltende Konflikt mit dem Iran.

Frankreich lockt mit Atomstrom – und Milliarden

Während Deutschland kämpft, sichert sich Frankreich milliardenschwere Großprojekte. SoftBank kündigte an, bis 2031 rund 75 Milliarden Euro in KI-Rechenzentren im Nachbarland zu investieren. Entscheidender Faktor: der kohlenstoffarme Atomstrom. Analysten sehen darin einen klaren Wettbewerbsvorteil für energieintensive Digitalinfrastruktur.

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Rekordauswanderung: Immer mehr Deutsche kehren dem Land den Rücken

Nicht nur Kapital, auch Köpfe wandern ab. Das Das Statistische Bundesamt verzeichnete 2025 mit 288.579 Auswanderern einen neuen Höchststand. Besonders alarmierend: Zwei Drittel der Auswanderer sind unter 40 Jahre alt, drei Viertel haben einen Hochschulabschluss. Hauptgründe: hohe Steuern und fehlende Perspektiven für junge Fachkräfte. Das beliebteste Zielland bleibt die Schweiz.

Insolvenzen: Großunternehmen stabil, Mittelstand unter Druck

Ein Lichtblick: Der „5-nach-12-Insolvenzreport“ für das erste Quartal 2026 zeigt einen Rückgang der Insolvenzanträge von Firmen mit über zehn Millionen Euro Umsatz um 35 Prozent. Doch die Gesamtlage bleibt angespannt. Die Creditreform-Studie 2026 prognostiziert eine Ausfallrate von 2,08 Prozent – erstmals seit der Finanzkrise wieder über der Zwei-Prozent-Marke.

Das Wirtschaftswachstum fiel 2025 mit 0,2 Prozent marginal aus. Für 2026 werden 1,1 Prozent erwartet, für 2027 sogar 1,5 Prozent.

Tech-Branche hält an Deutschland fest

Trotz aller Probleme: Internationale Tech-Konzerne setzen weiter auf den Standort. Nach der Übernahme des KI-Startups Aleph Alpha erklärte Cohere-CEO Aidan Gomez auf einer Konferenz in Heilbronn, das Unternehmen wolle seine Talente in Deutschland halten und den Standort sogar ausbauen. Deutschland solle als zweiter Hauptsitz für sichere KI-Lösungen in regulierten Branchen dienen. Ein klares Bekenntnis – in einem ansonsten schwierigen Umfeld.

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