Ausländische Investitionen in Deutschland halbieren sich auf 42,7 Milliarden
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSInvestitionsbilanz belastet Standortdebatte
- Von Januar bis August flossen 42,7 Milliarden Euro ausländische Direktinvestitionen nach Deutschland.
- Der Betrag lag rund halb so hoch wie im Vorjahreszeitraum.
- Nur einmal in den vergangenen zehn Jahren war der Wert für diese Monate niedriger.
- Zum Invest in Germany Summit werden Friedrich Merz, sechs Minister und internationale Finanzmanager erwartet.
Ausländische Direktinvestitionen sinken auf 42,7 Milliarden Euro
Die Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland haben zuletzt deutlich an Schwung verloren. Von Januar bis August flossen 42,7 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen ins Land, rund halb so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Wert nur einmal in zehn Jahren niedriger
Das geht aus einer Auswertung von Zahlen der Deutschen Bundesbank hervor, über die die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet. In den vergangenen zehn Jahren lag der Betrag in den ersten acht Monaten nur einmal niedriger.
Kurze Erholung endet
Damit endet eine kurze Erholung bei den Investitionen. Für das Gesamtjahr 2025 hatte die Bundesregierung noch eine Steigerung der ausländischen Direktinvestitionen registriert.
Diese Entwicklung wurde vor allem von Geldgebern aus anderen europäischen Ländern getragen. Zugleich gingen die Investitionen aus den USA zurück.
Bundesregierung wirbt um internationale Anleger
Die Bundesregierung lädt in der kommenden Woche zum „Invest in Germany Summit“ in die Hertie School of Governance in Berlin ein. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), sechs Minister und der Investitionsbeauftragte des Kanzlers, Martin Blessing, sollen dort mit internationalen Finanzmanagern über Investitionen in Deutschland sprechen.
Zu den angekündigten Teilnehmern gehören Blackrock-Chef Larry Fink und Amundi-Chefin Valérie Baudson.
Der Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen trifft Deutschland in einer Phase, in der Unternehmen und Politik zugleich um neue Wachstumsimpulse ringen. Direktinvestitionen gelten als besonders aussagekräftig, weil sie nicht nur kurzfristige Finanzanlagen umfassen, sondern meist mit Unternehmensgründungen, Übernahmen, Produktionsstätten oder langfristigen Beteiligungen verbunden sind.
Die Entwicklung fällt zudem in ein verändertes internationales Umfeld. Höhere Finanzierungskosten, geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren und die Konkurrenz um industrielle Ansiedlungen erhöhen den Druck auf etablierte Wirtschaftsstandorte. Deutschland muss sich dabei gegen andere europäische Länder behaupten, die ebenfalls um Investitionen in Energie, Digitalisierung, Halbleiter, Batterien und künstliche Intelligenz werben.
Standortpolitik unter Handlungsdruck
Der geplante Investitionsgipfel soll deshalb politische Gesprächsangebote mit konkreten Standortbedingungen verbinden. Für internationale Investoren zählen neben Marktgröße und Fachkräften vor allem verlässliche Energiepreise, schnelle Genehmigungen, leistungsfähige Netze, steuerliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Die Präsenz großer Vermögensverwalter kann Aufmerksamkeit schaffen, ersetzt aber keine langfristige Verbesserung dieser Faktoren.
Für Deutschland ist entscheidend, ob der aktuelle Rückgang eine vorübergehende Schwäche oder Teil eines länger anhaltenden Trends ist. Die Antwort hängt auch davon ab, ob ausländische Unternehmen angekündigte Projekte tatsächlich umsetzen und ob die Bundesregierung Investitionshindernisse messbar abbaut.
