Ausbildungsvergütung: Tarifgehälter steigen um 3,9 Prozent
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die tarifvertraglich vereinbarten Ausbildungsvergütungen in Deutschland sind im Vergleich zum Vorjahr (2025/26) spürbar angestiegen. Wie aktuelle Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung belegen, erhöhten sich die Bezüge für Auszubildende zum 6. August 2026 um durchschnittlich 3,9 Prozent. Damit setzt sich der Trend steigender Vergütungen fort, wobei die Schere zwischen den einzelnen Branchen und Regionen weiterhin weit auseinanderklafft.
Spitzenreiter im öffentlichen Dienst und Finanzsektor
Besonders hohe Vergütungen werden derzeit im Gesundheitswesen und im Finanzsektor gezahlt. Pflege-Auszubildende im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen nehmen eine Spitzenposition ein. Sie erhalten bereits im ersten Lehrjahr eine monatliche Vergütung von 1.491 Euro. Im weiteren Verlauf der Ausbildung steigen diese Bezüge kontinuierlich an: Im zweiten Lehrjahr werden 1.552 Euro gezahlt, während die Vergütung im dritten Lehrjahr 1.653 Euro pro Monat erreicht.
Knapp dahinter folgen Auszubildende in der Versicherungsbranche, die im ersten Ausbildungsjahr mit 1.455 Euro monatlich rechnen können. Auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens und der Finanzwirtschaft liegen die Sätze auf einem hohen Niveau. So erhalten angehende Pflegefachkräfte, die bei den Ländern angestellt sind, im ersten Lehrjahr 1.441 Euro. Auszubildende bei Privatbanken steigen mit einer monatlichen Vergütung von 1.400 Euro in den Beruf ein.
Erhebliche Diskrepanzen am unteren Ende der Skala
Trotz der allgemeinen Steigerung verzeichnen einige Handwerksberufe deutlich geringere Vergütungssätze. Das Schlusslicht bilden derzeit Friseur-Auszubildende in Nordrhein-Westfalen, deren tarifliche Vergütung bei 785 Euro pro Monat liegt.
Ein kritisches Bild zeigt sich zudem bei der Betrachtung der Auszubildenden ohne Tarifbindung. Den Erhebungen zufolge sind rund 45 Prozent der Auszubildenden in Betrieben beschäftigt, die nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind. In diesen Fällen greift häufig lediglich die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die aktuell bei 724 Euro monatlich liegt. Angesichts dieser Differenzen fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine deutliche Anhebung der Mindestvergütung auf 894 Euro pro Monat, um die Attraktivität der Berufsausbildung über alle Branchen hinweg zu sichern.
Wer sich mit der Vergütung und Bindung von Nachwuchskräften befasst, sollte auch die rechtliche Absicherung der Ausbildung nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Auszubildende strukturiert durch die ersten Monate führen und Abbrüche vermeiden. Mehr Azubis halten durch die Probezeit – jetzt Leitfaden sichern
Rückläufige Tarifbindung und politische Forderungen
Die langfristige Entwicklung der Tarifbindung in Deutschland ist rückläufig. Während Mitte der 1990er Jahre noch rund 85 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse durch Tarifverträge abgedeckt waren, sank dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf etwa 50 Prozent. Diese Entwicklung erschwert flächendeckende Gehaltssteigerungen und sorgt für eine zunehmende Fragmentierung der Vergütungslandschaft.
Zusätzlich zur Debatte um die Vergütungshöhe mehrt sich die Kritik an den politischen Rahmenbedingungen, insbesondere im Pflegesektor. Die Branchenverbände AGVP und bad e.V. forderten zuletzt politische Konsequenzen. Sie kritisierten den aktuellen PNOG-Entwurf und wiesen darauf hin, dass eine angemessene Ausbildung nur sichergestellt werden könne, wenn die Refinanzierung der Ausbildungskosten verlässlich geklärt sei. Ohne eine entsprechende Anpassung sehen die Verbände die Qualität und die wirtschaftliche Basis der Ausbildung in der Pflege gefährdet.
Neben der finanziellen Vergütung spielt auch ein rechtssicherer Abschluss der Ausbildung eine zentrale Rolle für die Qualitätssicherung im Betrieb. Erstellen Sie professionelle Ausbildungszeugnisse in Rekordzeit mit diesem kostenlosen Ratgeber inklusive fertiger Mustervorlagen. Kostenlosen Leitfaden für Ausbildungszeugnisse herunterladen
