Ausbildungsreport: Hälfte der Azubis psychisch belastet
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der am 18. August veröffentlichte DGB-Ausbildungsreport 2026 zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Situation in der beruflichen Bildung. Laut den Ergebnissen der Untersuchung fühlt sich die Hälfte der befragten Nachwuchskräfte in Deutschland psychisch belastet. Die Studie, für die bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende befragt wurden, verdeutlicht damit eine zunehmende Anspannung in den Betrieben.
Ursachen für steigenden Druck am Arbeitsplatz
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) identifiziert in seinem Bericht mehrere Faktoren, die zur psychischen Beanspruchung der jungen Beschäftigten beitragen. Im Vordergrund stehen dabei ein erheblicher Leistungs- und Zeitdruck sowie ein hohes Maß an Verantwortung, das den Auszubildenden bereits frühzeitig übertragen wird.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist laut dem Report der weit verbreitete Personalmangel in vielen Branchen. Wenn Fachkräfte fehlen, wirke sich dies unmittelbar auf die Betreuung und die Arbeitslast der Auszubildenden aus. Die Belastungsgrenze werde dadurch häufig überschritten, was die psychische Gesundheit der Nachwuchskräfte beeinträchtige.
Sinkende Zufriedenheit und Mängel in der Ausbildungsqualität
Die allgemeine Zufriedenheit mit der Ausbildung ist im Vergleich zu vorangegangenen Erhebungen deutlich zurückgegangen. Der aktuelle Wert liegt bei 65,7 Prozent, was einem Rückgang von 5,9 Prozentpunkten entspricht. Dieser Trend korreliert mit Verstößen gegen gesetzliche oder vertragliche Rahmenbedingungen.
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Ein signifikanter Teil der Befragten berichtet von Mehrarbeit: Demnach leisten 35,4 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden. Zudem geben 16,3 Prozent an, Tätigkeiten ausführen zu müssen, die nicht unmittelbar mit ihrem eigentlichen Ausbildungsziel verknüpft sind. Solche ausbildungsfremden Aufgaben sowie die zeitliche Mehrbelastung tragen maßgeblich zur Unzufriedenheit und zur Wahrnehmung einer sinkenden Ausbildungsqualität bei.
Rückläufige Zahlen bei den Ausbildungsverhältnissen
Die Ergebnisse des Reports fallen in eine Zeit, in der das Interesse an der dualen Ausbildung insgesamt leicht rückläufig ist. Im Jahr 2025 wurden bundesweit 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies entspricht einem Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Branchenexperten und die Autoren des Berichts sehen in der Kombination aus sinkenden Vertragszahlen und steigender Belastung ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort. Wenn sich die Bedingungen in der Ausbildung verschlechtern, sinke die Attraktivität der beruflichen Bildung weiter, was den bereits bestehenden Fachkräftemangel langfristig verschärfen könne.
Der DGB-Ausbildungsreport 2026 unterstreicht somit die Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen und die psychische Gesundheit des Nachwuchses stärker in den Fokus der betrieblichen Mitbestimmung und der Personalpolitik zu rücken.
