Ausbildungsreport, Zufriedenheit

Ausbildungsreport 2026: Zufriedenheit fällt auf Rekordtief von 65,7 %

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 02:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DGB Niedersachsen schlägt solidarischen Ausbildungsfonds vor, um sinkende Ausbildungsquoten zu bekämpfen. Arbeitgeber lehnen das Modell ab.

DGB fordert Ausbildungsfonds: Umlagemodell für Niedersachsen vorgeschlagen
Ein moderner, unbesetzter Industriebetrieb mit Werkbänken und Maschinen bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts einer geringen Ausbildungsquote in der regionalen Wirtschaft hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen die Einführung eines solidarisch finanzierten Ausbildungsfonds vorgeschlagen.

Laut Daten des Gewerkschaftsbundes vom 19. August 2026 bilden derzeit lediglich 21,5 % der niedersächsischen Betriebe Nachwuchskräfte aus. Gleichzeitig blieben im Jahr 2025 insgesamt 10.203 junge Menschen in dem Bundesland ohne Ausbildungsplatz.

Umlagemodell gegen den Mangel an Ausbildungsplätzen

Der Vorschlag des DGB sieht vor, dass sämtliche Unternehmen in einen zentralen Fonds einzahlen. Betriebe, die selbst ausbilden, sollen im Gegenzug finanzielle Unterstützung aus diesem Topf erhalten. Damit reagiert die Gewerkschaft auf die Entwicklung, dass sich immer weniger Unternehmen an der Qualifizierung von Nachwuchskräften beteiligen, während ein signifikanter Teil der Jugendlichen leer ausgeht.

Unternehmerverbände in Niedersachsen wiesen den Vorschlag jedoch umgehend zurück. Nach Einschätzung der Arbeitgebervertreter würde ein solcher Fonds lediglich die bürokratischen Hürden für Unternehmen erhöhen, ohne dabei die Anzahl der tatsächlichen Ausbildungsplätze wirksam zu steigern. Statt finanzieller Belastungen fordern Wirtschaftsvertreter eher Anreize für ausbildungswillige Betriebe.

Rechtliche Auseinandersetzungen um Bremer Ausbildungsabgabe

Die Debatte in Niedersachsen wird durch die Erfahrungen im benachbarten Bremen beeinflusst. Dort wurde eine vergleichbare Ausbildungsabgabe bereits im Januar 2025 eingeführt. Gegen diese Regelung gingen über 440 Unternehmen gerichtlich vor. Die Kläger sehen in der Abgabe eine unzulässige finanzielle Belastung und plädieren ebenfalls für Fördermaßnahmen statt Zwangsabgaben.

Das Verwaltungsgericht Bremen wies entsprechende Musterklagen Anfang Juli ab, was als Signal für andere Bundesländer gewertet werden könnte. Auch in Österreich werden ähnliche Modelle diskutiert. In Kärnten fordern Gewerkschaften einen Lehrlingsfonds, den die Industriellenvereinigung jedoch ablehnt. Dort wird darauf verwiesen, dass die Ausbildung eines Lehrlings die Betriebe bereits durchschnittlich 140.000 Euro koste.

DGB-Ausbildungsreport zeigt sinkende Zufriedenheit

Flankiert wird die politische Forderung durch den aktuellen DGB-Ausbildungsreport 2026, für den zwischen Mai 2025 und Mai 2026 bundesweit 13.227 Auszubildende befragt wurden. Die Ergebnisse zeigen eine rückläufige Zufriedenheit: Nur noch 65,7 % der Befragten gaben an, mit ihrer Ausbildung zufrieden zu sein – ein Rückgang um 5,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste jemals gemessene Wert.

Die Studie verdeutlicht zudem strukturelle Probleme in der Ausbildungspraxis. Demnach leisten 35,4 % der Auszubildenden regelmäßig Überstunden, und 16,3 % müssen Tätigkeiten verrichten, die nicht ihrem eigentlichen Berufsbild entsprechen.

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Auch die finanzielle Lage der Betroffenen gilt als prekär: 65,3 % der Auszubildenden gaben an, von ihrer Vergütung nicht selbstständig leben zu können. Zudem berichtete jeder zweite Befragte von psychischen Belastungen durch Leistungs- und Zeitdruck.

Mismatch am Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Zurückhaltung

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Während Gewerkschaften eine Ausbildungsgarantie fordern, zeichnet sich in vielen Regionen ein deutlicher Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage ab. In Sachsen waren im Juli 2026 rund 6.400 Stellen unbesetzt, denen 5.900 unversorgte Bewerber gegenüberstanden. Besonders drastisch ist die Situation in Oberfranken, wo in Regionen wie Kulmbach rechnerisch 3,5 unbesetzte Stellen auf einen Bewerber kommen.

Gleichzeitig dämpft die wirtschaftliche Lage die Einstellungsbereitschaft in Kernindustrien. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) berichtete für das erste Halbjahr 2026 von einem Rückgang der Beschäftigung um 2,8 %, was dem Abbau von etwa 21.500 Stellen entspricht.

Angesichts dieser Zahlen fordert der VDMA Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben sowie einen Abbau bürokratischer Lasten, um die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Ausbildungsfähigkeit der Betriebe zu sichern.

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