Ausbildungspflicht, Jugendliche

Ausbildungspflicht: 36.000 Jugendliche begleitet, 86% erfolgreich

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit 2016/17 erhielten rund 36.000 Jugendliche Unterstützung, 86 Prozent der Fälle endeten positiv. Sozialpartner verlangen weitere Reformen.

Ausbildungspflicht bis 18: Bilanz nach zehn Jahren
Ein heller, moderner Raum in einer Bildungseinrichtung mit minimalistischem Design und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Ausbildungspflicht für Jugendliche hat Sozialministerin Korinna Schumann eine umfassende Bilanz zum bisherigen Erfolg des Programms gezogen. Die gesetzliche Verpflichtung, die bis zum 18. Lebensjahr gilt, wurde mit dem Schuljahr 2016/17 eingeführt.

Laut Berichten aus dem Sozialministerium vom 18. September 2026 wurden seit dem Start rund 36.000 Jugendliche begleitet, die zunächst gegen die Ausbildungspflicht verstoßen hatten. Davon konnten 86 Prozent der Begleitungen positiv abgeschlossen werden.

Begleitung und Sanktionen bei Schulabbruch

Um die Abbruchquoten weiter zu senken, wurden mit dem laufenden Schuljahr verpflichtende Perspektivengespräche eingeführt. Diese finden bereits ab der 9. Schulstufe statt, sofern ein vorzeitiger Schulabbruch droht.

Das Sozialministerium setzt dabei auf eine enge Verzahnung von Unterstützung und administrativen Konsequenzen. Für die Betreuung der Jugendlichen stehen das Jugendcoaching, das Arbeitsmarktservice (AMS) sowie regionale Koordinierungsstellen zur Verfügung.

Verstöße gegen die Ausbildungspflicht können für Erziehungsberechtigte finanzielle Folgen haben. Das Ministerium wies darauf hin, dass in solchen Fällen Verwaltungsstrafen in Höhe von 100 bis 500 Euro verhängt werden können. Im Wiederholungsfall steige dieser Rahmen auf 200 bis 1.000 Euro an. Ziel bleibe jedoch die Reintegration in den Bildungs- oder Ausbildungsweg.

Deutlicher Anstieg der Teilnehmerzahlen im Jugendcoaching

Die Inanspruchnahme der Unterstützungsangebote hat in den vergangenen Jahren signifikant zugenommen. Während im Jahr 2018 noch rund 2.000 Jugendliche intensiv begleitet wurden, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf etwa 6.000 an. Die regionalen Koordinierungsstellen bearbeiteten demnach insgesamt bereits mehr als 41.000 Kontaktaufnahmen und verzeichnen aktuell jährlich mehr als 8.000 Kontakte.

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Die Resonanz unter den Teilnehmern gilt als hoch. Wie aus Erhebungen des Sozialministeriums hervorgeht, geben 93 Prozent der befragten Jugendlichen an, durch das Jugendcoaching ihre persönlichen Stärken besser erkannt zu haben.

Eine wissenschaftliche Evaluierung des Gesamtprogramms durch das WIFO, das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) und die Statistik Austria ist derzeit im Gang. Ergebnisse dieser Untersuchung werden für Juli 2027 erwartet.

Sozialpartner fordern zusätzliche Investitionen und Strukturreformen

Trotz der positiven Bilanz des Ministeriums mahnen Interessenvertreter weiteren Handlungsbedarf an. Ilkim Erdost von der Arbeiterkammer (AK) Wien betonte in einer Stellungnahme, dass die Ausbildungspflicht nur dann wirksam sein könne, wenn ausreichend Schul- und Lehrplätze zur Verfügung stünden.

Derzeit werde ein Viertel aller Anmeldungen an berufsbildenden Schulen abgelehnt, obwohl die Bewerber die formalen Voraussetzungen erfüllten. Die AK fordert daher eine Aktualisierung des Schulentwicklungsprogramms und sieht zudem die Unternehmen in der Pflicht, wieder verstärkt Lehrlinge auszubilden.

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Ein Viertel aller Anmeldungen an berufsbildenden Schulen wird abgelehnt, obwohl die formalen Voraussetzungen erfüllt sind – viele Jugendliche landen so ohne Anschlussperspektive. Wer ausbildet, kann diese Lücke schließen: Der kostenlose Leitfaden bündelt, welche Unterstützungsangebote Sie nutzen können, wie Sie Bewerbungen ohne formale Hürden prüfen und welche Schritte im Wiederholungsfall für Erziehungsberechtigte greifen. Leitfaden zur Nachwuchssicherung sichern

Die Industriellenvereinigung (IV) sprach sich hingegen für eine stärkere Fokussierung auf die frühen Bildungsphasen aus. Gefordert werden eine hochwertige Elementarbildung sowie eine verbindliche Bildungspflicht bis zum Ende der 8. Schulstufe.

Nach Ansicht der IV könne die Ausbildungspflicht bis 18 im besten Fall obsolet werden, sofern ein bundesweit einheitlicher Qualitätsrahmen für die Elementarpädagogik sowie klare Personalstrukturen und mehr Autonomie an den Schulen umgesetzt würden. Auch eine Vereinheitlichung der digitalen Schulverwaltung sei für eine Effizienzsteigerung im Bildungssystem notwendig.

Mehr zum Thema bei DER STANDARD: „10 Jahre Ausbildungspflicht - 36.000 Jugendliche begleitet - Bildungspolitik“

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