Ausbildungsmarkt, Handwerk

Ausbildungsmarkt: Handwerk meldet +4,9 Prozent bei Verträgen

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Mindestlohnstreit rückt Werkstätten in den Fokus, während mehr Ausbildungsverträge, unbesetzte Stellen und Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt prägen.

Mindestlohnstreit trifft Werkstätten und Ausbildungsmarkt im Wandel
Helle, aufgeräumte Werkstatt mit Werkbänken und Arbeitsgeräten in einem modernen Industriegebäude. Illustration mit AI erstellt.

Die Freckenhorster Werkstätten für Menschen mit Behinderung stehen gegenwärtig aufgrund einer juristischen Auseinandersetzung um die Zahlung des Mindestlohns im öffentlichen Interesse.

Wie aus Berichten hervorgeht, nimmt die Einrichtung eine bedeutende Rolle als Partner für die regionale Wirtschaft ein. Rund 90 Prozent der von den Mitarbeitern bearbeiteten Aufträge entfallen auf gewerbliche Kunden, wobei der Kundenstamm aktuell rund 1.500 Auftraggeber umfasst.

Inklusion und Betreuung im Arbeitsmarkt

Die Debatte um die Vergütung in Werkstätten findet vor dem Hintergrund umfassender Bemühungen zur beruflichen Integration statt. So feiert der Integrationsfachdienst Dortmund (IFD) aktuell sein 25-jähriges Bestehen. Unter der Trägerschaft eines Verbundes aus Caritas, Diakonie und dem Zentrum für Gehörlosenkultur begleiten 16 Fachberaterinnen und Fachberater im Auftrag des LWL-Inklusionsamtes Arbeit derzeit 524 Betreuungsfälle.

Dass die langfristige Bindung von Mitarbeitern in solchen Einrichtungen Tradition hat, zeigten bereits frühere Erhebungen. In den Caritas-Emstor-Werkstätten in Rheine wurden beispielsweise in der Vergangenheit zahlreiche Personen für eine Betriebszugehörigkeit von 10 bis zu 40 Jahren geehrt.

Aufwärtstrend bei Ausbildungszahlen im Handwerk

Während die Werkstätten über ihre Vergütungsstrukturen diskutieren, meldet der allgemeine Ausbildungsmarkt eine positive Entwicklung. Im deutschen Handwerk wurde in der ersten Jahreshälfte 2026 ein Zuwachs bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnet. Mit knapp 67.800 Verträgen liegt die Zahl um 4,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Dies könnte das vierte Jahr in Folge mit einem Plus bei den Ausbildungszahlen markieren.

Regional zeigen sich jedoch Unterschiede. Die IHK Nordschwarzwald meldet für das Ausbildungsjahr 2026 einen Zuwachs an Verträgen, der über dem Landesdurchschnitt von Baden-Württemberg liegt, obwohl landesweit die Zahl der Auszubildenden sank.

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Dennoch bleiben in der Region rund 600 Ausbildungsplätze unbesetzt. Auch bei der HWK Trier stiegen die Ausbildungszahlen erstmals seit Jahren wieder an, wenngleich HWK-Präsident Elsen darauf hinwies, dass viele Betriebe trotz stabiler Gesamtlage mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hätten.

Herausforderungen durch Fachkräftemangel und Bildungsniveau

Trotz der steigenden Vertragszahlen bleibt die Besetzung von Stellen schwierig. Laut Umfragen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zum Ausbildungsjahr 2025 konnte nur etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen alle Plätze besetzen.

Besonders deutlich wird der Fachkräftemangel im Bereich der Hörakustik. Daten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) zufolge gab es im Jahr 2025 bundesweit 1.113 offene Stellen bei lediglich 235 Arbeitslosen in diesem Gewerk.

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Zusätzliche Sorge bereitet Vertretern der Wirtschaft das Bildungsniveau der Schulabgänger. ZDH-Generalsekretär Schwannecke verwies auf die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, wonach deutsche Schüler die schlechtesten Ergebnisse seit dem Jahr 2000 erzielt hätten.

Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfüge nicht über Basiskompetenzen in Mathematik und Lesen. Vor diesem Hintergrund forderte Schwannecke eine Verstetigung von Förderprogrammen, da Initiativen wie die „Passgenaue Besetzung“ nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Ende 2027 auslaufen sollen.

Politische Reaktionen und regionale Arbeitsmarktdaten

Auf politischer Ebene kündigte Ministerpräsident Schnieder an, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch schnellere Genehmigungsverfahren verbessern zu wollen.

In der Region Nagold-Pforzheim spiegelt die Arbeitsmarktstatistik eine gemischte Dynamik wider: Die Agentur für Arbeit meldete für August 2026 insgesamt 17.283 Arbeitslose, was einem Zuwachs von 4,2 Prozent gegenüber Juli entspricht, im Jahresvergleich jedoch den dritten Rückgang in Folge markiert.

In Mecklenburg-Vorpommern setzen Unternehmen verstärkt auf internationale Auszubildende. Rund 2.400 junge Menschen aus Drittstaaten befinden sich dort in einer Ausbildung, was fast 10 Prozent aller Auszubildenden entspricht. Die Landesregierung unterstützt diese Betriebe mit Förderungen von bis zu 8.000 Euro pro Auszubildendem sowie durch Sprachkursförderung.

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