Ausbildungsmarkt, Bewerber

Ausbildungsmarkt gespalten: 149 Bewerber auf 100 Stellen in Hessen

01.06.2026 - 05:48:29 | boerse-global.de

Während Berlin viele freie Ausbildungsplätze meldet, kämpfen Wiesbaden und andere Regionen mit einem Bewerberüberhang.

Ausbildungsmarkt gespalten: 149 Bewerber auf 100 Stellen in Hessen - Foto: über boerse-global.de
Ausbildungsmarkt gespalten: 149 Bewerber auf 100 Stellen in Hessen - Foto: über boerse-global.de

Der Ausbildungsmarkt für Büromanagement zeigt ein gespaltenes Bild: Während in einigen Regionen hunderte Plätze unbesetzt bleiben, kämpfen andere Bezirke mit einem Bewerberüberhang.

Berlin: Noch viele Chancen für Bewerber

In der Hauptstadt sieht die Lage für angehende Bürokaufleute vielversprechend aus. Aktuelle Zahlen vom 31. Mai 2026 weisen allein 79 offene Stellen für Büromanagement-Assistenten aus. Im gesamten Großraum Berlin-Brandenburg sind sogar rund 8.374 Ausbildungsplätze für die Starttermine 2026 und 2027 noch nicht besetzt.

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Wer also noch auf der Suche ist, hat in der Region gute Karten. Die Vielfalt der Ausbildungsbetriebe reicht von Immobilienkonzernen bis zu Verkehrsverbünden.

Wiesbaden: 149 Bewerber auf 100 Stellen

Ganz anders sieht es in Hessen aus. Die Arbeitsagentur Wiesbaden meldet für Mai 2026 einen regelrechten Bewerberstau: 2.164 Interessenten stehen nur 1.460 gemeldeten Stellen gegenüber. Das ist ein Rückgang der verfügbaren Plätze um 26,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Folge: Auf 100 offene Positionen kommen rechnerisch 149 Bewerber. Wer hier einen Ausbildungsplatz ergattern will, braucht gute Noten und ein überzeugendes Auftreten.

Norddeutschland: Interesse steigt, Stellen werden knapper

In den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg zeigt sich ein weiteres Paradoxon. Die Zahl der Bewerber stieg bis April 2026 um 16,3 Prozent auf 1.694 Personen. Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten Stellen um 6,5 Prozent auf 1.984.

Trotz des Rückgangs: Über 1.100 Plätze sind noch frei – kurz vor dem Ausbildungsstart im Herbst. Ein klares Zeichen, dass viele Unternehmen händeringend Nachwuchs suchen.

Wer bildet aus? Die großen Namen sind dabei

Mehrere namhafte Konzerne haben ihre Einstellungstermine für Büromanagement bereits bestätigt:

  • Grone-Bildungszentren: Umschulungen ab 1. Juni 2026
  • BIM und Vonovia SE: Start 1. August 2026
  • Deutsche Bank AG: Beginn 3. August 2026
  • VBB und LichtHaus Berlin GmbH: Ausbildung ab 1. September 2026

Auch Forschungseinrichtungen sind mit von der Partie: Das Fraunhofer IIS bietet ebenfalls Ausbildungsplätze. Wer ein Praktikum sucht, wird bei der Deutschen Telekom AG oder der Indo-German Consultancy Services in Frankfurt am Main fündig. Und wer langfristig plant: Die Stadtentwässerung Dresden GmbH sucht bereits für August 2027.

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Wirtschaftliche Bremsspuren

Der Markt steht unter Druck. Im Landkreis Böblingen sank die Zahl der Ausbildungsverträge 2025 um 4,5 Prozent. Besonders betroffen: kaufmännische Berufe mit einem Minus von 1,1 Prozent. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe in der Region schrumpfte von 744 (2015) auf nur noch 620 Ende 2025.

In Schleswig-Holstein kommt ein weiterer Faktor hinzu. Die Umstellung auf das G9-Schulsystem wird voraussichtlich rund 5.500 Abiturienten weniger hervorbringen. Das könnte den Bewerberpool für kaufmännische Ausbildungen, die oft von Abiturienten gewählt werden, zusätzlich verknappen.

Gehalt: Was Azubis verdienen

Die Vergütung variiert stark. In Berlin zeigt eine aktuelle Gehaltsstaffel für einen Start im September 2026:

  • Erstes Jahr: 620 bis 1.068 Euro monatlich
  • Zweites Jahr: 732 bis 1.118 Euro monatlich
  • Drittes Jahr: 837 bis 1.199 Euro monatlich

Die Spanne ist beachtlich – sie hängt vom Tarifvertrag und der Branche des Ausbildungsbetriebs ab.

Trend: Duale Ausbildung wird attraktiver

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beobachtet einen grundlegenden Wandel: Junge Menschen sehen die duale Ausbildung zunehmend als gleichwertige Alternative zum Studium. Das erklärt auch die steigenden Bewerberzahlen in vielen Regionen. Der Bürojob ist offenbar wieder gefragt – auch wenn der Weg dorthin regional ganz unterschiedlich steinig sein kann.

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