Ausbildungsmarkt Baden-Württemberg: 9 Prozent weniger Verträge
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg verzeichnet im laufenden Jahr einen spürbaren Dämpfer. Nach aktuellen Erhebungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) zum Stand vom 28. August 2026 wurden landesweit 31.413 neue Ausbildungsverträge registriert. Dies entspricht einem Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Entwicklung verschärft die Sorge um die langfristige Fachkräftesicherung in der Region, da die bestehende Lücke von aktuell 143.000 Fachkräften bis zum Jahr 2035 Prognosen zufolge auf 373.000 ansteigen könnte.
Regionale Unterschiede und branchenspezifische Einbrüche
Innerhalb des Bundeslandes zeigen sich deutliche regionale Schwerpunkte des Rückgangs. In der Region Bodensee-Oberschwaben sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bis Ende August 2026 um 10 Prozent. Dieser Abwärtstrend hatte sich bereits in den Vormonaten abgezeichnet, mit Rückgängen von 2,8 Prozent im Juni und 6 Prozent im Juli.
Besonders betroffen sind hier kaufmännische Berufe, deren Abschlusszahlen um 16,5 Prozent einbrachen. Bei den Industriekaufleuten betrug das Minus sogar 25,7 Prozent. Laut einer IHK-Umfrage in der Region halten zwar 67 Prozent der Betriebe an ihrem Ausbildungsangebot fest oder bauen es aus, jedoch geben 61 Prozent der Unternehmen an, ihre angebotenen Plätze nicht besetzen zu können.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Oberfranken. Dort wurden bis zum 31. Juli 2026 insgesamt 1.940 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet. Während dies ein minimales Plus von 32 Verträgen gegenüber dem Vorjahr bedeutet, liegt die Zahl um 315 Abschlüsse unter dem Niveau von 2024. In der Industrie sanken die Zahlen im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2024 und 2025 um 13 Prozent, wobei Automobilzulieferer mit einem Rückgang von 43 Prozent besonders stark betroffen sind. Über 3.000 Ausbildungsplätze blieben in dieser Region unbesetzt.
Kontrastreiches Bild im Handwerk und in Bayern
Im Gegensatz zum industriellen Sektor verzeichnet das Handwerk in Teilen Süddeutschlands eine stabile bis leicht positive Entwicklung. Die Handwerkskammer (HWK) Schwaben meldete zum 27. August 2026 insgesamt 3.515 neue Ausbildungsverträge, was einem Zuwachs von 2 Prozent zum Vorjahr entspricht.
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Während das Allgäu ein Plus von 5,6 Prozent verzeichnete, sank die Zahl in Augsburg um 2,2 Prozent. Der beliebteste Ausbildungsberuf bleibt dort der Kfz-Mechatroniker mit 499 Neuverträgen. Dennoch blieben auch im schwäbischen Handwerk 619 Stellen offen.
In Bayern kamen Ende Juli 2026 rechnerisch etwa 1,4 offene Ausbildungsplätze auf jeden Bewerber. Wirtschaftsverbände betonten dort die Fachkräftesicherung als zentrale Zukunftsaufgabe.
Für Auszubildende in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie lag die Übernahmequote im Jahr 2026 bei rund 90 Prozent. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen bayerischer Auszubildender wurde für April 2025 mit 1.285 Euro pro Monat beziffert, wobei 85 Prozent der Auszubildenden angaben, überwiegend von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit zu leben.
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Strukturelle Hürden und internationale Trends
Neben dem demografischen Wandel erschweren strukturelle Probleme den Zugang zum Ausbildungsmarkt. In Berlin waren Ende Juli 10.648 Jugendliche noch ohne Ausbildungsplatz, eine Steigerung um 9,1 Prozent, während die Zahl der unbesetzten Stellen gleichzeitig um denselben Prozentsatz auf 5.562 sank.
Eine Befragung des DGB in der Region Berlin-Brandenburg im Juni und Juli 2026 verdeutlichte die Hindernisse: 57 Prozent der Teilnehmer nannten fehlenden Wohnraum als Barriere für die Aufnahme einer Ausbildung. Zudem berichteten 54 Prozent, auf ihre Bewerbungen keinerlei Antwort erhalten zu haben.
Ein wachsender Anteil der Ausbildungsplätze wird bundesweit durch Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft besetzt. Im Jahr 2025 lag ihr Anteil an den neuen Ausbildungsverträgen bei 18 Prozent, verglichen mit lediglich 7,5 Prozent im Jahr 2015. Besonders im Gastgewerbe stammten zuletzt 44 Prozent der Auszubildenden aus dem Ausland.
Zusätzlich beeinflussen technologische Entwicklungen die Einstiegschancen junger Menschen. Eine Studie der Stanford University weist darauf hin, dass die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in Berufen, die stark von Künstlicher Intelligenz betroffen sind – wie etwa in der Buchhaltung oder im Empfangsbereich – seit 2022 um 11 Prozent gesunken ist. Im Gegensatz dazu stieg die Beschäftigung in weniger KI-anfälligen Berufen im selben Zeitraum um 10 Prozent.
