Ausbildungsmarkt, Stellen

Ausbildungsmarkt: 25.600 Stellen unbesetzt in Bayern allein

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zum Ausbildungsstart bleiben zahlreiche Plätze unbesetzt, während Jugendliche suchen. Handwerk legt zu, IHK-Verträge sinken und Abbrüche nehmen zu.

Ausbildungsmarkt 2026: Viele Stellen offen, viele Jugendliche suchen
Eine leere, modern eingerichtete Ausbildungswerkstatt mit Werkbänken und Werkzeugen im hellen Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Zum offiziellen Ausbildungsbeginn am 1. September 2026 zeigt sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein deutliches Ungleichgewicht. Während bundesweit tausende Lehrstellen unbesetzt bleiben, suchen gleichzeitig zahlreiche Jugendliche weiterhin nach einem passenden Ausbildungsplatz. Aktuelle Daten aus den Bundesländern verdeutlichen die anhaltende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage.

Regionale Unterschiede und strukturelle Lücken

In Bayern waren zum Stichtag über 25.600 Ausbildungsstellen unbesetzt, während 10.400 Bewerber noch auf der Suche nach einer Anstellung waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Baden-Württemberg: Dort blieben Ende August 17.520 Plätze offen, denen 11.690 suchende Jugendliche gegenüberstanden.

In Hessen waren zuletzt rund 9.000 Jugendliche noch nicht versorgt. Von den 28.685 gemeldeten Plätzen in diesem Bundesland blieben 6.330 vakant, wobei allein in Frankfurt am Main noch 1.500 Suchende registriert wurden. Auch in Ostdeutschland setzt sich dieser Trend fort.

In Sachsen-Anhalt standen Ende August 2.006 freie betriebliche Lehrstellen 1.784 Bewerbern gegenüber. Auf 100 freie Plätze kommen dort rechnerisch 89 Suchende. In Thüringen blieben 2.383 Stellen unbesetzt, während 1.524 Personen einen Platz suchten.

Regional gibt es zudem punktuelle Überhänge an Bewerbern. In Krefeld und dem Kreis Viersen standen Ende August 908 unversorgte Bewerber lediglich 727 freien Stellen gegenüber. Im Kreis Ludwigsburg sank das Stellenangebot um 9 % im Vergleich zum Vorjahr auf 2.552 Plätze, während die Bewerberzahl um 6 % auf 2.101 zurückging.

Positive Entwicklung im Handwerk bei gleichzeitigem IHK-Rückgang

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) erwartet für das aktuelle Jahr zum vierten Mal in Folge ein Plus bei den Ausbildungszahlen. Dennoch bleiben im Handwerk deutschlandweit jährlich etwa 20.000 Plätze unbesetzt. In Bayern starteten rund 23.000 Auszubildende im Handwerk, was einer Steigerung von 4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch Baden-Württemberg verzeichnete im Handwerk ein Plus von 3 %.

Im Gegensatz dazu melden die Industrie- und Handelskammern (IHK) rückläufige Zahlen. In Bayern sank die Zahl der IHK-Neuverträge um 4,5 % auf 39.955. In Baden-Württemberg gab es einen Rückgang um 9 % auf 31.413 Verträge. Besonders deutlich fiel das Minus in der Region Heilbronn-Franken aus, wo landesweit ein Rückgang der IHK-Neuverträge um rund 15,5 % verzeichnet wurde.

Psychische Belastung und hohe Abbruchquoten

Ein wesentliches Problem für die Stabilität des Ausbildungsmarktes stellt die psychische Gesundheit der Auszubildenden dar. Laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung und des IW unter 929 Auszubildenden fühlt sich jeder Fünfte häufig emotional belastet. Jeder siebte Befragte weist ein besorgniserregend schlechtes Wohlbefinden auf.

Von denjenigen mit stark eingeschränktem Wohlbefinden ziehen 74 % einen Abbruch der Ausbildung in Betracht. Eine Erhebung des DGB unter 13.000 Teilnehmern bestätigt dies: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet, was als Hauptgrund für vorzeitige Vertragslösungen gilt.

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Die Abbruchquoten sind zuletzt gestiegen. Im Jahr 2024 lösten 159.000 Auszubildende ihren Vertrag vorzeitig auf. Damit steigt die Lösungsquote auf etwa drei von zehn Verträgen, während es 2005 noch jeder fünfte war. Bei ausländischen Auszubildenden lag die Quote zuletzt bei 38,2 %, bei deutschen bei 28,3 %. Der DGB kritisierte in diesem Kontext zudem die Praxis der sachgrundlosen Befristung.

Wirtschaftliche Folgen und Fachkräftemangel

Für die Unternehmen sind abgebrochene Ausbildungen mit erheblichen Kosten verbunden. Rund 62 % der Betriebe sehen ihre Produktivität durch diese Abbrüche beeinträchtigt. Die Kosten pro Abbruch werden auf etwa 20.000 Euro beziffert.

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Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. In Baden-Württemberg fehlen aktuell rund 143.000 Fachkräfte. Besonders betroffen sind technische Berufe: Bei den Fachinformatikern sanken die Neuverträge um 19 %, in der Elektrotechnik um 15,6 %. In Bayern berichtet jeder zweite Betrieb von offenen Stellen, wobei 94 % der Unternehmen Defizite bei den sogenannten Soft Skills der Bewerber wahrnehmen.

Der finanzielle Anreiz eines Abschlusses bleibt indes hoch. In Sachsen-Anhalt verdienen Fachkräfte monatlich rund 719 Euro mehr als Ungelernte, in Thüringen beträgt die Differenz 640 Euro.

Zudem ist das Arbeitslosenrisiko ohne Abschluss deutlich höher: In Thüringen lag die Quote für Personen ohne Abschluss 2025 bei 28,2 %, während sie mit Abschluss lediglich 4,3 % betrug. Die Mindestausbildungsvergütung liegt aktuell bei 724 Euro im ersten Lehrjahr.

Mehr zum Thema bei BR24: „Mehr als 25.000 Stellen in Bayern sind zum neuen Ausbildungsjahr unbesetzt“

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