Ausbildungsmarkt: 18.000 Plätze unbesetzt zum Start im August
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. August 2026 bleibt die Situation auf dem norddeutschen Lehrstellenmarkt angespannt. Aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge sind in Niedersachsen und Bremen zusammen noch über 18.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Während Unternehmen in bestimmten Regionen und Branchen händeringend Nachwuchs suchen, kämpfen andere Standorte mit einem Überhang an Bewerbern und mangelnder Passgenauigkeit.
Die Bundesagentur für Arbeit meldete zum Stichtag am 31. Juli 2026 für Niedersachsen insgesamt 16.670 freie Ausbildungsstellen. Demgegenüber stehen 15.077 Bewerber, die bisher noch keine feste Zusage erhalten haben. Rein rechnerisch kommen damit in Niedersachsen etwa 1,1 Stellen auf jeden unversorgten Bewerber. In Bremen stellt sich die Lage anders dar: Hier suchen 1.726 Jugendliche eine Lehrstelle, während lediglich 1.426 Plätze als unbesetzt gemeldet sind. Insgesamt bleibt damit mehr als ein Drittel aller bei der BA gemeldeten Ausbildungsstellen vakant.
Regionale Unterschiede und Branchenschwerpunkte
Innerhalb Niedersachsens zeigen sich deutliche Unterschiede in der Dynamik des Ausbildungsmarktes. Die IHK Oldenburg verzeichnete für das Oldenburger Land einen leichten Rückgang bei den neu abgeschlossenen Verträgen. Zum 1. August 2026 wurden dort 3.240 neue Ausbildungsverhältnisse gezählt, was einem Minus von 50 Verträgen beziehungsweise 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In einzelnen Landkreisen wie Vechta sank die Zahl um 2 Prozent.
Im Gegensatz dazu meldete die Region Ostfriesland/Papenburg ein deutliches Plus von 11,6 Prozent mit insgesamt 1.068 neuen Verträgen. Besonders hervorzuheben sind die Zuwächse in den Landkreisen Wittmund (+21,9 Prozent), Leer (+10,6 Prozent) und Aurich (+10 Prozent). Auch die Stadt Emden verzeichnete einen Anstieg um 6,7 Prozent.
Thematisch konzentrieren sich die offenen Stellen in Niedersachsen vor allem auf den kaufmännischen Bereich, die Logistik und die Energietechnik. In Bremen liegen die Schwerpunkte ebenfalls im kaufmännischen Sektor sowie in der Verwaltung und der Logistik. Salvatore di Benedetto von der BA-Regionaldirektion empfahl den Jugendlichen angesichts dieser Verteilung eine höhere Flexibilität bei der Berufswahl, um die Chancen auf einen erfolgreichen Einstieg zu erhöhen.
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Mangelnde Qualifikation und strukturelle Hemmnisse
Trotz der hohen Zahl offener Stellen berichten viele Betriebe von Schwierigkeiten bei der Besetzung. Eine Umfrage der IHKN unter 1.600 Betrieben verdeutlicht die Herausforderungen: 94,4 Prozent der Unternehmen stellten Mängel bei den Bewerbern fest – ein Anstieg gegenüber 87,2 Prozent im Vorjahr. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bieten 40,7 Prozent der Betriebe Nachhilfe an, während knapp ein Drittel auch lernschwächeren Jugendlichen eine Chance gibt.
Im Raum Emden-Leer zeigt sich zudem ein spezifisches Matching-Problem. Obwohl dort 931 Stellen unbesetzt sind und 867 Jugendliche suchen, passen Wohnort und Berufswunsch häufig nicht zusammen. Zwischen April 2025 und März 2026 befanden sich bereits 820 Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen, um die Ausbildungsreife zu erlangen. Neben qualitativen Mängeln identifizierten 62,3 Prozent der befragten Betriebe den fehlenden Wohnraum als erhebliches Hindernis für die Gewinnung von Auszubildenden.
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Lage in Hamburg und Schleswig-Holstein
Die Situation beschränkt sich nicht auf das westliche Norddeutschland. Berichten zufolge sind auch in Hamburg und Schleswig-Holstein zum Start des Ausbildungsjahres mehr als 8.000 Stellen unbesetzt. Allein in Hamburg befinden sich noch rund 2.600 Bewerber auf der Suche. Experten verwiesen jedoch darauf, dass der Ausbildungsbeginn gemäß dem Berufsbildungsgesetz jederzeit erfolgen kann, sodass auch nach dem offiziellen Starttermin im August noch Verträge geschlossen werden können.
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