Ausbildungsfonds in NRW: DGB fordert 0,5 Prozent Abgabe für Betriebe
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Nordrhein-Westfalen fordert von der Landesregierung die Einführung eines umlagefinanzierten Zukunftsfonds Ausbildung. Ziel der Initiative ist es, dem Rückgang an Ausbildungsplätzen im Land entgegenzuwirken und Betriebe finanziell zu belohnen, die junge Menschen ausbilden. Nach dem Willen der Gewerkschaft soll der Landtag hierfür ein entsprechendes Gesetz verabschieden.
Das Umlagemodell nach Berechnungen der Universität Duisburg-Essen
Das dem Vorschlag zugrunde liegende Konzept wurde vom Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen erarbeitet. Vorgesehen ist, dass nahezu alle Betriebe in Nordrhein-Westfalen eine Abgabe in Höhe von 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme in den Fonds einbezahlen. Bei einer Bruttolohnsumme von 200.000 Euro entspräche dies beispielsweise einer Summe von 1.000 Euro.
Ausgenommen von dieser Regelung wären Bereiche, in denen bereits eine Ausbildungsumlage existiert – wie in der Pflege sowie im Bauhauptgewerbe –, sowie Branchen, deren Ausbildung überwiegend an Schulen stattfindet. Aus dem Fonds sollen Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten, jährlich 5.000 Euro pro Auszubildendem zurückerhalten.
Ausbildungssuchende selbst erhalten hingegen keine direkten Zahlungen. Verbleibende Restmittel sollen laut Konzept zur Stärkung der betrieblichen und überbetrieblichen Ausbildung eingesetzt werden. Nach Berechnungen im Auftrag des DGB könnten über diese Umlage jährlich knapp 1,4 Milliarden Euro zusammenkommen, wobei der überwiegende Teil für Zuschüsse an Ausbildungsbetriebe vorgesehen wäre.
Angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt
Hintergrund der gewerkschaftlichen Initiative sind ernüchternde Kennzahlen zur beruflichen Bildung. DGB-Landeschef Thorben Albrecht bezeichnete die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen als dramatisch. Seinen Angaben zufolge bilden vor allem kleine Unternehmen immer weniger aus.
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Nach Angaben des DGB bleibt im Bundesland inzwischen mehr als jeder fünfte junge Mensch im Alter zwischen 20 und 34 Jahren dauerhaft ohne Berufsabschluss. Zudem bilde nur noch jedes fünfte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen überhaupt aus.
Die Entwicklung schlägt sich auch in behördlichen Erhebungen nieder: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit meldeten die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bis Ende August knapp 93.000 Ausbildungsstellen. Dies entsprach einem Rückgang um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Widerstand der Wirtschaft und Unterstützung aus der Opposition
Während die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag den Vorstoß des Gewerkschaftsbundes unterstützt, stößt der Vorschlag auf scharfe Kritik bei den Arbeitgebern. Die Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW (unternehmer nrw) lehnte die Einführung eines solchen Fonds ab.
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Tanja Nackmayr, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Verbands, erklärte, ein umlagefinanzierter Fonds gehe an den tatsächlichen Herausforderungen vorbei. Die Maßnahme bewirke nichts gegen Besetzungsschwierigkeiten oder die fehlende Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber.
Der Verband verwies darauf, dass im Jahr 2025 rund 10.000 Ausbildungsplätze im Land unbesetzt geblieben seien. Eine zusätzliche finanzielle Abgabe würde betroffene Firmen daher unberechtigt bestrafen. Statt neuer Belastungen fordern die Unternehmensverbände Entlastungen für die Betriebe, eine bessere Berufsvorbereitung in den Schulen sowie gezielte Unterstützungsprogramme, um bestehende Defizite vor und während der Ausbildung auszugleichen.
Bislang handelt es sich bei dem Zukunftsfonds um eine Initiative des DGB, die nicht Teil der aktuellen Vorhaben der Landesregierung ist. Ob es zu einem Gesetzgebungsverfahren kommt, bleibt angesichts der konträren Positionen offen.
